Remigen

Aargauer übernimmt mitten in der Coronakrise eine Beiz – und lebt seinen amerikanischen Traum

Nach ihr wird das Restaurant benannt: Kevin Rünzi mit seiner English-Bulldog-Hündin Chevy.

Nach ihr wird das Restaurant benannt: Kevin Rünzi mit seiner English-Bulldog-Hündin Chevy.

Der Riniker Kevin Rünzi, 39, will dem verwaisten Gasthof neben dem Zoo in Remigen als «Chevy’s Road Stop» neuen Glanz verschaffen. Sämtliche Produkte sollen aus der Region stammen. Rünzi ist auch wichtig, dass fast alles hausgemacht ist.

«Ehrlich gesagt haben mich fast alle für verrückt gehalten», gibt Kevin Rünzi unverblümt zu. Mitten in der Coronakrise, welche die Gastronomie arg gebeutelt hat, übernimmt er eine Beiz. Vorletzte Woche hat er den Pachtvertrag für das Restaurant Hasel in Remigen unterschrieben. Mit dem Lokal an der 80er-Strecke zwischen Remigen und Villigen, direkt neben dem Zoo Hasel, hat er grosse Pläne. Auf dem Gelände soll ein Road Stop nach amerikanischem Vorbild entstehen.

«Es ist ein Bubentraum, der in Erfüllung geht», sagt der 39-Jährige. Nicht nur, dass er mit einem Restaurant den Sprung in die Selbstständigkeit wagen kann, sondern auch dass es gerade dieses Lokal ist. Aufgewachsen in Riniken, besuchte er die Oberstufe in Rüfenach. Bereits damals verabredeten er und seine Schulfreunde sich in der Freizeit jeweils mit dem Töffli auf dem grossen Parkplatz vor dem Restaurant Hasel.

Über Umwege ist er in der Gastronomie gelandet

Nach einer KV-Lehre in einem Reisebüro mit Sprachaufenthalten in Südfrankreich, San Diego und im Tessin zog es ihn in die Gastronomie. Er absolvierte die Hotelfachschule Luzern, arbeitete danach für sieben Jahre in der Finanzbranche. Nach einem Abstecher auf einem Foodtruck in Zürich übernahm er als Restaurantmanager noch in der Bauphase die gastronomische Verantwortung des «Ace Café» in Rothenburg. Seit 2016 ist Rünzi im Aussendienst eines Ostschweizer Motorradbekleidung-Herstellers tätig.

Der begeisterte Töfffahrer hegte schon seit langem den Wunsch nach einem eigenen Restaurant, glaubte aber selbst nicht, dass dies jemals funktionieren könnte. «Für mich war eigentlich klar, dass ich bei meiner jetzigen Firma, wo es mir sehr gut gefällt, bleiben werde.» Erst kürzlich hat er deshalb noch die Ausbildung zum Verkaufsleiter gemacht, wartet aktuell auf seine Prüfungsresultate.

Doch unverhofft kommt oft, wie er sagt. Im Sommer dieses Jahres erhielt er von einer Freundin den Hinweis, dass das Restaurant Hasel leer stünde. Kurzerhand griff er zum Telefonhörer und kontaktierte die Besitzerfamilie Wernli, der auch der anliegende Zoo Hasel gehört. Seine begeisterte Bewerbung überzeugte. «Man kann es Mut oder Übermut nennen, aber ich musste diese Chance einfach ergreifen. Jetzt bin ich noch jung und voller Energie», sagt er.

Mutter führte 22 Jahre lang das «Bad-Stübli»

Der Name Rünzi dürfte vielen in der Region ein Begriff sein. Kevins Mutter Edith führte bis zu ihrer Pensionierung 22 Jahre lang das Restaurant Bad-Stübli in Schinznach-Bad, Vater Kurt war als Architekt in Brugg tätig. Was als «Spinnerei» Kevins begann, mutierte zum regelrechten Familienprojekt. Der Vater wurde von der Familie Wernli mit der Bauleitung des Umbaus beauftragt, die Mutter wird administrative Aufgaben übernehmen, der Cousin hat als Grafiker das Logo des neuen Lokals kreiert und Kevins Freundin, ebenfalls mit gastronomischen Hintergrund, unterstützt Rünzi mit kreativen Ideen und wird auch als Bar-Aushilfe einspringen.

Das Restaurant Hasel hat in der Umgebung eine lange Tradition. In den 60er- bis 80er-Jahren war es ein regelrechter Hotspot für Motorrad-, Töffli- und Velofahrer, Spaziergänger und Reiter. Auch viele Zoobesucher kehrten oft im Gasthof ein. In den letzten Jahren wurde das Lokal allerdings nicht mehr professionell betrieben und verkam zusehends. Rünzi will das Restaurant Hasel nun zu neuem Leben erwecken. Kürzlich starteten die Umbauarbeiten. Mit 130Sitzplätzen auf der teilweise gedeckten Terrasse und 50 im Innenraum ist das Areal riesig. In der ehemaligen Wirtewohnung entstehen drei neue Gästezimmer. «Für die Gäste, die von weither kommen oder vielleicht ein, zwei amerikanische Bier zu viel hatten», meint Rünzi schmunzelnd.

Lage sei ideal für einen amerikanischen Road Stop

Die Route 66 ist die Kantonsstrasse zwischen Remigen und Villigen zwar nicht, dennoch habe die Lage des Restaurants, umgeben von kurvenreichen Töffstrassen, durchaus Potenzial für einen Road Stop, ist sich Rünzi sicher. Durch seinen jetzigen Arbeitgeber konnte er zudem zahlreiche Kontakte in der Töffszene sammeln. «Sehr gute Landgasthöfe gibt es in der Gegend schon», sagt er und betont, dass sein Lokal kein 50er-Jahre-Diner werden soll. Moderne Elemente im schlichten Industrial-Stil und ein warmes Beleuchtungskonzept sollen dem Lokal ein rockiges, aber dennoch gemütliches Ambiente verleihen.

Das Restaurant Hasel war früher ein beliebter Treffpunkt.

Das Restaurant Hasel war früher ein beliebter Treffpunkt.

«Chevy’s Road Stop» soll sein Restaurant heissen. Der amerikanische Autobauer Schweizer Ursprungs ist dabei nur indirekt namensgebend. Chevy ist nämlich die siebenjährige Englische Bulldogge von Rünzi, die ihn auf Schritt und Tritt begleitet, seitdem sie drei Monate alt ist. Auch in den sozialen Medien ist sie ein Publikumsliebling.

Saftige Burger, Hot Baguettes, Milkshakes und andere Spezialitäten der kalifornisch-mexikanischen Küche wird Küchenchef Gianluca Curto, der derzeit noch als Saucier im Restaurant Pinte in Dättwil tätig ist, kredenzen. Als Mitglied eines Barbecue-Competition-Teams kennt dieser die amerikanische Küche gut.

Auch Konzerte auf der Terrasse sind geplant

Die Schweizer Küche soll jedoch nicht zu kurz kommen, so werden die Tagesmenus über Mittag jeweils gutbürgerlich sein. Wichtig ist Rünzi, der in Gebenstorf wohnt, dass sämtliche Produkte aus der Region stammen und so viel wie möglich hausgemacht wird. Bereits ist er im Gespräch mit lokalen Lieferanten. In den Sommermonaten sind auch kleinere Livekonzerte auf der Terrasse mit neuer Bar geplant. «Es soll ein Ort sein, an dem sich viele Menschen wohlfühlen», sagt Rünzi. Nicht nur Motorradenthusiasten sind willkommen, sondern auch Gäste aus den benachbarten Gemeinden und Familien mit Kindern.

Mit dem Zoo Hasel will Rünzi die Zusammenarbeit verstärken. Er plant, ein Menu auf die Karte zu nehmen, bei dem ein gewisser Betrag direkt an den Zoo Hasel fliesst. Zudem kann er sich vorstellen, bei Anlässen wie Kindergeburtstagen im Zoo, das Catering zu übernehmen. «Finde einen Weg, nicht eine Entschuldigung», unter diesem Motto sieht Rünzi die Coronasituation auch als Chance: «Mit einer positiven Einstellung und einem guten Willen kann man auch heute noch in der Gastronomie erfolgreich sein», ist er überzeugt. Die Eröffnung des «Chevy’s Road Stop» ist im Februar/März 2021 geplant.

Aargauer Gastro-News 2020:

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