Windisch
Aargauer Turnschuh-Hersteller kämpft gegen amerikanischen Giganten

Künzli unterlag dem amerikanische Turnschuh-Giganten K-Swiss vor einem deutschen Gericht und kämpft jetzt – mit einem Schuh. Es ist eine fast klassische David-gegen-Goliath-Geschichte – nur sind in diesem Fall David und Goliath verwandt.

Katrina Moser
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Aargauer Zeitung

«Das ist wie Liebeskummer, zuerst weiss man überhaupt nicht mehr weiter und dann entscheidet man sich fürs Weiterkämpfen», so beschreibt Barbara Artmann ihre Gefühlslage nach dem Gerichtsurteil. Die Besitzerin von Künzli steckt heute – kaum zwei Wochen später – bereits mitten im Widerstandskampf. Ihr Gegner: der amerikanische Turnschuh-Gigant K-Swiss. Dieser erwirkte vor dem Düsseldorfer Gericht, dass Künzli seine Modelinie mit den fünf Streifen in Deutschland nicht mehr verkaufen darf. Das Gericht hat die fünf Streifen K-Swiss zugesprochen. «Und das, obwohl Künzli diese erfunden hat», so Artmann. Ihre Antwort auf den Gerichtsentscheid: ein Turnschuh mit vier Streifen. Den darf sie in Deutschland verkaufen.

David gegen Goliath

Es ist eine fast klassische David-gegen-Goliath-Geschichte – nur sind in diesem Fall David und Goliath verwandt. Das K in K-Swiss steht nämlich für Künzli, so getauft wurde die Firma vom Sohn des Künzli-Gründers Kurt Künzli in den 70er Jahren. Unter diesem Namen wurde der Schuh mit den fünf Streifen in den USA vermarktet. Mit Erfolg, der ehemalige Importeur K-Swiss und Künzli gingen bald getrennte Wege. K-Swiss setzte auf Massenproduktion in Asien und auf den Turnschuh mit den fünf Streifen, Künzli hingegen auf den Produktionsstandort Schweiz und weniger auf den Sportschuh dafür auf den Gesundheitsschuh.

Der US-Konzern liess von Künzli aber kleine Serien für K-Swiss in Windisch produzieren. «Damit niemand K-Swiss der Vortäuschung falscher Herkunft bezichtigen konnte, schliesslich ist «Swiss» eine geschützte Bezeichnung», vermutet Barbara Artmann. Sie war es, die den kleinen Konzern Künzli im Jahr 2004 vor dem Ruin rettete, indem sie wieder vermehrt auf die Sportschuhe setzte. Eine Neuauflage der Sneakers mit den fünf Streifen verhalf Künzli sogar zum Image einer Trendmarke.

Kampf dem Turnschuh-Giganten

K-Swiss meldete die fünf Streifen in den USA und in Deutschland als Marke an. Hinter dem Rücken von Künzli, meint Artmann. K-Swiss war für eine Stellungsnahme nicht erreichbar. «Der richterliche Entscheid bringt uns nicht um, aber er nimmt uns eine Chance für die Zukunft, wir brauchen beide, den Gesundheitsschuh und den Modeschuh», sagt Barbara Artmann. Für ihre deutschen Handelspartner war der Streit ärgerlich, gerade jetzt wurde die Marke in Deutschland beliebt. Aber Artmann gibt nicht kampflos auf: «Wir haben im Team beschlossen, dass wir kämpfen.» In nur einer Woche entstand der neue Schuh. Das Modell ist eine reine Kampfansage: Der Streifen des Anstosses ist abgerissen, an dessen Stelle prangt dafür ein Gerichtshammer und das Wort Why. Und dieses Why bleibt bestimmt nicht das letzte Wort.