Leistungssport und christlicher Glaube, passt das zusammen? Alina Ring ist überzeugt – und der Beweis – dass sich beides vereinbaren lässt. Schliesslich war sie 2017 Schweizer Meisterin im Klettern. In der reformierten Kirche Umiken, berichtete die sympathische junge Sportlerin darüber, was der Glaube für sie im Training und im Wettkampf bedeutet.

«Beten kann ich überall», so Alina Ring im Abendgottesdienst, der von einer Jugendband begleitet wurde. «Natürlich bete ich nicht den ganzen Tag. Aber ich bete auch vor Wettkämpfen. Ich bitte aber Gott nicht darum, dass er mir zum Sieg verhilft, sondern darum, dass er mir Ruhe und Konzentration schenkt und dass alles reibungslos abläuft. Früher war ich oft zu stark fokussiert. Ich musste lernen, mit meiner Leistung zufrieden zu sein und akzeptieren zu können, dass andere besser sind. Der Glaube nimmt mir den Druck. Man kann auf Erden megacoole Sachen erreichen. Man darf aber den Blick auf Gott nicht verlieren. Ich kann mir das ewige Leben nicht erklettern.»

Leidenschaft Klettern

Alina Ring, die einen Teil ihrer Jugend im zürcherischen Lindau verbracht hat und seit einigen Jahren mit ihrer Familie in Zürich lebt, ist sehr früh zum Klettern gekommen. «Als ich fünf Jahre alt war, war ich mit meinen Eltern in den Sommerferien im Bündnerland», sagte sie im persönlichen Gespräch. «Dabei habe ich gesehen, wie in einer Halle geklettert wurde. Das wollte ich auch. Ich wurde sehr traurig, als mir meine Mutter sagte, dass man zuerst einen Sicherungskurs machen müsse. Mit sieben bin ich dann aber ins Training gegangen und mit neun bin ich ins Kader gekommen.» Seither hat sich Alina Ring beachtliche Erfolge erklettert. So belegte sie 2016 an den Weltmeisterschaften in Paris im Lead-Klettern den neunten Platz. 2017 wurde sie Schweizer Meisterin im Sportklettern.

Eine Verletzung machte ihr leider einen Strich durch ihre Olympia-Pläne. Klettern wird an den Sommerspielen 2020 in Tokio ja erstmals zu den olympischen Disziplinen gehören. «Mein Ziel ist es, wieder gesund zu werden und ab 2020 wieder an Wettkämpfen teilzunehmen», erklärte sie. Und der Weg zum Glauben? Alina Ring ist in einer christlich geprägten Familie aufgewachsen. «Meine Mutter hat sich in verschiedenen kirchlichen Ämtern engagiert und wir sind Teil einer sehr lebendigen Kirchgemeinde», sagte sie. « So bin ich immer mehr hineingewachsen.»

«Der Glaube gibt mir Hoffnung»

Vor kurzem hat Alina Ring das Theologiestudium aufgenommen. « Mein Ziel ist es, Pfarrerin zu werden. Ich würde später gerne als Seelsorgerin arbeiten.»

Klettern sei ihre Leidenschaft, erklärte Alina Ring im Gespräch mit Pfarrer Wolfgang von Ungern-Sternberg. Dass diese Leidenschaft gewisse Verzichte erfordert – fürs Training wendet sie wöchentlich 20 Stunden auf – akzeptiert sie. «Ich habe mich fürs Klettern entschieden», stellte sie fest. Und für den Glauben. «Der Glaube gibt mir Hoffnung. Gerade jetzt, wo ich mich in einer Verletzungsphase befinde.»