Ein Eingang-Rad mit Karbonfelgen und einem Rahmen aus Eichenholz: Der Hersteller dieses Holzvelos ist kein schwedischer Designer, wie man es vielleicht vermuten könnte, sondern Schreinerlehrling Marvin Rohr aus Hausen. Mit seinem Projekt hat er die Lehrlingsjury-Wertung sowie den Kombinationspreis am kantonalen Lehrlingswettbewerb in Lenzburg gewonnen.

Unter dem Motto «Holz unter Spannung» nahmen am diesjährigen Wettbewerb rund 61 Teilnehmer teil. Zwischen verschiedenen Tischen, Stühlen und Möbeln ragte dabei vor allem das Fixie, wie Eingang-Räder genannt werden, von Rohr heraus. Dies wurde auch von der Lehrlingsjury gehuldigt, die die Rolle des «Oberstifts» einnimmt. Das Velo ist praktisch vollständig ausgestattet und hebt sich von den Funktionen her kaum von gewöhnlichen Fahrrädern ab. Dafür sticht das holzige Design umso stärker ins Auge.

Marvin Rohr bei der ersten Testfahrt – er ist zufrieden.

Marvin Rohr bei der ersten Testfahrt – er ist zufrieden.

Themenwahl: Reine Formsache

So exotisch ein Fahrrad aus Holz nun sein mag, für Marvin Rohr lag es bereits früh auf der Hand, dass er für den Lehrlingswettbewerb ein Fixie herstellen und so den Beruf mit seinem Hobby verbinden möchte: «Ich fahre in der Freizeit relativ oft mit meiner Freundin Rennvelo, daher war die Themenwahl reine Formsache», erklärt der 18-Jährige.

Deshalb sei für ihn als passionierter «Gümmeler» wichtig, dass auf dem Holzvelo das Fahrgefühl stimme. Beurteilen kann er das allerdings noch nicht, da die Jungfernfahrt auf der Strasse tatsächlich noch immer aussteht: «Das werde ich definitiv noch nachholen», verspricht Rohr. Bis zur letzten Minute habe er am Fixie gearbeitet und deshalb auch keine Zeit dafür gehabt. «Dabei habe ich auch relativ früh mit dem Projekt begonnen», so Rohr.

In den gut sechs Monaten nahm das Holzvelo jeweils zwei Stunden pro Tag in Anspruch, auch etliche Wochenenden hätten hierfür geopfert werden müssen. Das Ergebnis lässt sich dementsprechend sehen und entschädigt für den enormen Aufwand. Die grösste Herausforderung bestand für den angehenden Schreiner im Aufbau des Rahmens aus Eichenholz: «Es gab schlicht keine Anleitung dafür.» So musste er «selbst schauen, dass die Stabilität durch die Verleimung auch gewährleistet ist». Zusätzlich seien ihm immer wieder neue Ideen eingefallen, weshalb die Zeit am Ende auch knapp wurde.

Nächstes Modell in Planung

Rohr, der vorwiegend zu Hause an seinem Projekt gewerkelt hat, scheint am umfangreichen Projekt Gefallen gefunden zu haben. Anders lässt es sich nämlich nicht erklären, weshalb er bereits an das nächste Velo denkt: «Das war der Prototyp. Es ist durchaus möglich, dass ich zukünftig mehrere herstellen werde», verrät der Hausener. «Dafür muss aber zuerst noch an der finanziellen Effizienz gefeilt werden», da die Herstellung relativ teuer und ohne die Unterstützung von Sponsoren nicht zu stemmen gewesen sei. Zusätzliche Hilfe erhielt der 18-Jährige von der Firma AFS, die ihm das Furnier geschenkt hat, «weil sie an mich und an das Projekt geglaubt haben», freut sich Rohr.

Ob sich nun eine Karriere als Velobauer anbahnt, ist noch offen. Zunächst konzentriert er sich jedenfalls auf seine Lehre als Schreiner.

Bis zum 1. November werden das Fixie und die anderen Projekte des Lehrlingswettbewerbs an der Berufsschule in Lenzburg noch ausgestellt sein. Danach kommt das Holzvelo endlich zu seiner Jungfernfahrt mit seinem Erbauer.