Bezirk Brugg/Zürich
Aargauer Raver wegen lebensgefährlicher Rempelei verurteilt

Ein junger Aargauer hat an der Zürcher Street Parade einen Altersgenossen nach einer Rempelei lebensgefährlich verletzt. Mit einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 80 Franken kam der zur Tatzeit betrunkene Schweizer glimpflich davon.

Attila Szenograd
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Streetparade

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Julian Perrenoud

Ein junger Aargauer hat an der Zürcher Street Parade einen Altersgenossen nach einer Rempelei lebensgefährlich verletzt. Mit einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 80 Franken kam der zur Tatzeit betrunkene Schweizer glimpflich davon.

Es war am 13. August 2011, als der heute 20-jährige Beschuldigte aus dem Bezirk Brugg zur Street Parade nach Zürich fuhr. Bereits um 19 Uhr hatte sich der Mann mittels Bier und Baccardi-Cola einen schweren Rausch angetrunken. Mit rund 2,5 Promille Alkohol im Blut begab er sich auf einen Weg oberhalb der Rämistrasse. Dort traf er einen ebenfalls massiv betrunkenen Altersgenossen aus Deutschland. Fest steht, dass sich beide jungen Männer wegen ihrer komischen Verkleidungen gegenseitig zu provozieren begannen.

Lebensgefährlich verletzt

Zuerst kam es zwischen Täter und Opfer zu einer harmlosen Rempelei. Doch dann versetzte der Aargauer seinem Gegner plötzlich mit beiden Händen einen heftigen Stoss. So stark, dass der Geschädigte rückwärts taumelte, stolperte und dabei über einen nur 90 Zentimeter hohen Maschendrahtzaun fiel. Danach rutschte er über die steile Böschung, dann über den Mauerrand und stürzte acht Meter in die Tiefe.

Das Opfer zog sich lebensgefährliche Verletzungen zu. Neben einem Beckenbruch erlitt er Mittelgesichtsbrüche sowie ein schweres Schädelhirn-Trauma mit zahlreichen kleinen Hirnblutungen. Er leidet heute noch unter den Folgen des Sturzes. Der Aargauer stellte sich sogleich freiwillig der Polizei.

Am Donnerstag musste sich der Beschuldigte wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung am Bezirksgericht Zürich verantworten. Er zeigte sich reumütig und gab den Sachverhalt zu. Allerdings beteuerte er auch seine Unschuld, da er niemals mit einem Sturz in die Tiefe gerechnet habe. Der zuständige Staatsanwalt lastete ihm eine höchst verantwortungslose Tat aus einem nichtigen Anlass an. Er forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten sowie 1000 Franken Busse.

Im Gegensatz zum Verteidiger, der auf einen vollen Freispruch plädierte. So habe sein Klient nicht voraussehen können, was passieren würde. Zudem liege wegen des desolaten Zustandes des zu niedrigen Zauns ein Mitverschulden der Stadt Zürich vor. Es habe sich mehr um eine Hängematte als um eine Abschrankung gehandelt.

Das Gericht kam zum Schluss zu einem Schuldspruch. Mit dem Stoss habe der Beschuldigte sorgfaltswidrig gehandelt, sagte der Vorsitzende. Aufgrund der Anhöhe hätte er auch schlimme Folgen voraussehen können. «Es lagen zudem keine völlig ungewöhnlichen Umstände vor», begründete der Präsident das Urteil.

Trotz Schuldspruch mildes Urteil

Bei der Strafe liess das Gericht dagegen Milde walten. Es setzte eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 80 Franken fest. Auch aufgrund eines Gutachtens, das dem Aargauer eine Verminderung der Schuldfähigkeit im mittleren Grade attestiert hatte. Zudem sei der ganze Vorfall aus einer Nichtigkeit heraus entstanden.

In einem letzten Punkt wurde der Beschuldigte verpflichtet, dem Geschädigten grundsätzlich einen Schadenersatz zu entrichten. Über die genaue Höhe wird wohl ein Zivilrichter entscheiden müssen.