Windisch/Gränichen
Aargauer Pfadis reisen mit viel Respekt nach Japan

Kantonsleiter Jonas Häberling aus Windisch und Pfaderin Ursina Mühlethaler aus Gränichen reisen mit einer Delegation ins internationale Pfadilager in Japan. Dabei stehen sie vor einigen Herausforderungen.

Janine Müller
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Ursina Mühlethaler (Kolibri) und Kantonsleiter Jonas Häberling (Sky) reisen gut ausgerüstet nach Fernost. jam

Ursina Mühlethaler (Kolibri) und Kantonsleiter Jonas Häberling (Sky) reisen gut ausgerüstet nach Fernost. jam

Janine Müller

20 Kilogramm schwer darf der Koffer sein, nicht mehr. Für viele wird diese Begrenzung schon schwierig, wenn sie in die Badeferien verreisen. Noch etwas schwieriger wird es für Pfadfinder, die für zweieinhalb Wochen ins Lager nach Japan gehen.

Im Rucksack muss das traditionelle Pfadizelt «Spatz» Platz haben, aber auch Wechselkleidung für die ganze Zeit, Waschmittel, allfällige Nahrungsmittel und ganz wichtig: die kleinen Geschenke zum Tauschen.

Das treibt der Gränicherin Ursina Mühlethaler (17), in der Pfadi auch Kolibri genannt, jetzt schon den Schweiss auf die Stirn. Doch die Pfader haben eine Lösung: Jeder Pfadilagerteilnehmer muss sein Gepäck in 200- und 400-Gramm-Säckli abfüllen – damit dann am Flughafen noch fleissig Gepäck umverteilt werden kann.

Ursina Mühlethaler ist eine von 804 Pfaderinnen und Pfadern, die am nächsten Freitag ins Jamboree – also ins internationale Pfadilager – nach Kirara-hama in Japan reisen. Drei Trupps mit jeweils 36 Teilnehmern sind aus dem Aargau.

Nur eine Chance, teilzunehmen

Bereits vor über einem Jahr hat sich die Buchhändlerin im ersten Lehrjahr für das Jamboree angemeldet. Es war ihre erste und einzige Chance, als Teilnehmerin dabei zu sein.

Denn das weltweite Pfadilager findet nur alle vier Jahre statt und ist für Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren. Trotz der hohen Reisekosten – für die Teilnahme bezahlt Ursina Mühlethaler 4500 Franken – legten ihr die Eltern keinen Stein in den Weg.

«Ich glaube, dass ich grosses Glück habe. Denn unsere Familie ist eine Pfadifamilie durch und durch», sagt sie. «Bereits meine Grosseltern waren in der Pfadi.» Mittlerweile hat sie ihren Eltern über die Hälfte des Betrages zurückbezahlt. Auf Weihnachten und zum Geburtstag wünschte sie sich Geld, um das Lager finanzieren zu können.

Mit Finanzaktionen sammelten die verschiedenen Trupps auch Geld, um sich Gadgets – Pfadikrawatten, Sackmesser, Hüte und Pins – zu kaufen, die sie dann im Lager tauschen können. Eine alte Pfadi-Tradition.

Mit Kultur vertraut gemacht

Umso grösser ist nun die Vorfreude nur ein paar Tage vor der Abreise. Doch Ursina Mühlethaler fliegt auch mit viel Respekt nach Japan. «Die japanische Kultur ist nicht zu vergleichen mit unserer», erklärt Ursina Mühlethaler. «Es gibt schon gewisse Regeln, die wir zwingend beachten müssen.»

Denn ins Fettnäpfchen treten wollen die Pfader keinesfalls. Darum hatte ihr Trupp in zwei Vorbereitungsweekends Japaner zu Besuch, die den Pfadis die kulturellen Besonderheiten und den Umgang mit den Einheimischen näher brachten.

In der Buchhandlung hat die 17-Jährige etliche Reiseführer und Bildbände über Japan verschlungen. Ein Flyer der Pfadiorganisation hilft den Teilnehmern ebenfalls, sich zurechtzufinden. Darin sind einige wichtige Gesetze und Regeln im Umgang mit der einheimischen Bevölkerung festgehalten.

Ganz andere Gedanken macht sich der Kantonsleiter aus Windisch, Jonas Häberling (24), genannt Sky. Er ist Truppleiter und folglich verantwortlich für die jugendlichen Teilnehmer.

Besonders gut vorbereitet hat er sich auf den zweitägigen Aufenthalt in Osaka. In der Millionenstadt wird sich sein Trupp touristischen Aktivitäten widmen. Auch ein Besuch in Hiroshima steht auf dem Programm. «Das U-Bahnfahren wird bestimmt eine Herausforderung», meint Jonas Häberling.

«Ich hoffe einfach, dass wir da niemanden verlieren.» Die Leiter haben für praktisch jede Situation ein Notfallkonzept ausgearbeitet. Die Verantwortung sei zwar gross, gibt Sky zu. «Aber die Freude, wieder so viele Pfadifreunde zu treffen und neue Pfader kennen zu lernen macht dies alles wieder wett.»

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