Brugg
Aargauer Krimi-Lady lässt weiter morden: Toter hängt an Brugger Landi-Turm

Ursula Reists neuer Krimi «Böckels Mysterium» spielt hauptsächlich in Brugg. Beim ersten Toten handelt es sich um einen Professor der Fachhochschule Nordwestschweiz. Die Ermittler müssen in menschliche Abgründe blicken, ehe sie den Mörder aufspüren.

Elisabeth Feller
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«Böckels Mysterium»: Handlungsorte von Ursula Reists neuem Krimi
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«Wir fahren nach Waldshut, um mit den deutschen Kollegen das weitere Vorgehen zu besprechen; sie haben die Angehörigen gefunden.» (Zitat)
«‹Mord an FH-Professor: Wie ernst nimmt die Polizei ihre Arbeit?› Das war die fette Schlagzeile in der Aargauer Zeitung vom nächsten Morgen.» (Zitat)
«Angela machte sich auf Richtung Osten. Der Tote, der zuoberst am Landi-Turm hinter dem Bahnhof Brugg hing, konnte auch noch ein paar Minuten länger warten.» (Zitat)
«Sie wählten das Restaurant Einstein und unterhielten sich die nächsten drei Stunden glänzend. Colin erzählte von seinem schottischen Vater.» (Zitat)

«Böckels Mysterium»: Handlungsorte von Ursula Reists neuem Krimi

Chris Iseli

«Unsere Gesellschaft zeigt immer weniger Toleranz gegenüber abweichendem Verhalten, insbesondere wenn es um Personen mit Migrationshintergrund geht», sagt der pensionierte Polizeikommandant an einer Tagung. Wie hätte er ahnen können, dass «abweichend» wenige Tage später auch für etwas ganz anderes zutrifft: Mord.

Der Tote, der in Ursula Reists noch druckfrischem Krimi «Böckels Mysterium» am Brugger Landi-Turm baumelt, trübt das durch den Campus beschworene, harmonische Bild. Der reglose Mann ist kein schöner Anblick für Kommissar Nick Baumgarten sowie die Ermittler Angela Kaufmann und Pino Beltrametti. Schon bald ist der Tote identifiziert: Es handelt sich um einen Professor der Fachhochschule Nordwestschweiz mit Wohnsitz im deutschen Küssaburg. Weshalb wurde er umgebracht?

«Böckels Mysterium»: Aus Ursula Reists neuem Krimi

«Der Hauswart der Fachhochschule führte Angela und den Kollegen auf das begrünte Dach des neuen Hauptgebäudes. Er bat sie um grösste Vorsicht - «Es gibt kein Geländer, und Sie wollen nicht enden wie der da drüben, oder?» - und hielt sich selbst weit vom Rand zurück. Mit dem Fernglas konnte man erkennen, dass das Gesicht des Mannes aufgequollen war und die Augen beinahe aus den Höhlen traten. Kein Genickbruch, dachte Angela, ein langsamer Tod. Der Tote trug einen dunkelgrauen Anzug, kombiniert mit einem weissen Hemd, ohne Krawatte. Er war barfuss. «Habt ihr Schuhe gefunden?», fragte Angela.
«Bisher nicht, aber wir haben auch nicht danach gesucht. Auf dem Dach sind sie jedenfalls nicht, sie wären mir aufgefallen», antwortete Pedroni und wies nach drüben. «Ich glaube, die Techniker sind eingetroffen.»
«Gut, ich mache hier noch ein paar Fotos, aber viel sieht man nicht, es ist zu weit weg. Gehen Sie und helfen Sie den Technikern, den Boden direkt unter der Leiche abzusuchen. Die Schuhe sind vielleicht wichtig.»
Angela wandte sich an den Hauswart. «Welche Räume haben Fenster zum Landi-Hochhaus?» «Zuoberst sind Wohnungen, in den zwei Geschossen darunter sind die Büros des Kaders und der Professoren. Ich müsste allerdings anrufen, bevor ich die Räume aufschliesse.»
Angela überlegte einen Moment und schüttelte den Kopf. «Wir warten bis morgen. Dann herrscht hier ja vermutlich wieder Normalbetrieb und die Büros sind besetzt. Vielen Dank.»
Zurück auf dem Landi-Dach begrüsste sie Urs Meierhans, den Chef der technischen Abteilung, der sich bereits umgesehen hatte und die Diktierfunktion seines Handys benutzte. Ein unbekannter Mann beugte sich über die Brüstung und inspizierte den Toten.»

Diese Frage treibt das Ermittler-Team um; führt es im Aargau, aber auch ennet der Grenze, in Waldshut, auf falsche Fährten und treibt ihm den Angstschweiss auf die Stirn, bis es herausfindet, wer der Mörder ist.

Auf ihrem mühseligen Weg zur Erkenntnis blicken die Ermittler in menschliche Abgründe; stossen auf die Überreste des mutwillig zerstörten Roboterhundes Fido; begegnen einem Studentenpärchen, das klammheimlich D-Mark in Euro umtauscht und tauchen ein in eine Welt voller Lügen, Intrigen und fremdenfeindlich-gehässiger Rivalitäten.

Als ob der Aargau nicht ausreichte, kommen noch Mexiko und Drogen ins Spiel. Doch am Ende, nach der nervenaufreibenden Jagd nach dem Mörder, dürfen Kommissar Nick und seine Frau Marina zu Hause an der Fröhlichstrasse endlich kuscheln: «Sie räumten auf, öffneten die Fenster, schenkten sich ein letztes Glas Wein ein und setzten sich mit einer Kerze auf die Terrasse.»

Fortsetzung folgt?

Das weiss nur Krimiautorin Ursula Reist, die mit «Böckels Mysterium» ihren vierten Aargauer Krimi und damit Nick Baumgartens vierten Fall vorlegt. Erneut ist die Lektüre anregend und vergnüglich, weil die Schauplätze penible Ortskenntnisse verraten. Diesmal kommen vor allem Brugger auf ihre Rechnung, was kein Zufall ist.

Ursula Reist hat zehn Jahre in dieser Stadt gelebt. Kein Wunder, dass die Autorin ihre Leserschaft gewissermassen bei der Hand nimmt und sie an Schauplätze in der Altstadt oder in die oberste Etage des Campus führt, von wo der Landi-Turm und die Leiche besonders gut zu sehen sind. Dass auch das «Musloch» Eingang findet, ist Ehrensache, schliesslich geniesst dieses in Brugg und Windisch zweifelhafte Berühmtheit.

Eine solche ist auch Albert Einstein, der einst Schüler der Kantonsschule Aarau war und heute Namensgeber eines bekannten Aarauer Restaurants ist: Für die Autorin eine Oase, wo die Ermittler für einmal privat sein und deshalb flirten dürfen.

Wer ist Ursula Reist?

Die Autorin wurde 1954 im Emmental geboren. Sie studierte Anglistik in Zürich und war lange als Personalleiterin für internationale Konzerne tätig. 1997 kehrte sie in die Schweiz zurück und arbeitete unter anderem im Finanz- und Bildungsdepartement des Kantons Aargau. Seit 2006 freischaffende Autorin. Ursula Reist lebte zehn Jahre in Brugg; heute wohnt sie in Küttigen. Von ihr sind im Verlag munda «Peeling und Poker», «Deine Steuern sollst du zahlen» und «Schreib und stirb» erschienen. Jetzt liegt ihr vierter Aargauer Krimi, «Böckels Mysterium», vor. (EF.)

Auch in Reists viertem Aargauer Krimi spielen die Aargauer Zeitung und der umtriebige Journalist Steff Schwager eine Rolle. «Eine Zeitung gehört dazu, weil die Medien ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft sind», sagt die Autorin. Über Steff Schwager, der im jüngsten Reist-Krimi der Polizei mit Artikeln in der az dazwischenfunkt, hat sich die Autorin schon bei ihren vorgängigen Büchern ausgeschwiegen.

Ergo darf man annehmen, dass «allfällige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig sind.» Die liebevoll gezeichneten Figuren beflügeln jedenfalls die Fantasie der Leser so sehr, dass Krimi-Lady Ursula Reist Kommissar Nick Baumgarten bald auf den fünften Fall ansetzen muss.

«Böckels Mysterium» Kriminalroman von Ursula Reist, soeben erschienen im munda-Verlag, 5200 Brugg.

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