Savith (Name geändert) wusste nicht, wie ihm das geschehen war. Über Facebook soll er eine Videodatei an einen anderen Nutzer weitergeleitet haben mit Darstellungen von sexuellen Handlungen zwischen einem Knaben und einer erwachsenen Frau.

Pornografie, wurde ihm als strafbare Handlung zur Last gelegt. Noch nie sei er mit einer solchen Situation konfrontiert gewesen, sagte der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht Brugg. Er wisse nicht, wie das passieren konnte und möchte sich dafür entschuldigen.

Der bald 37-Jährige erschien sportlich gekleidet in weissem T-Shirt, Jeans und Turnschuhen. Er ist in Sri Lanka geboren und lebt seit wenigen Jahren in der Region, zusammen mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn. Dieser war es, der nicht einschlafen konnte in jener Nacht im März des vergangenen Jahres. Savith hat mit ihm deshalb einen tamilischen Film geschaut über eine Website. Plötzlich sei, erinnerte er sich, auf dem Bildschirm ein Pop-up-Fenster aufgegangen mit einem abstossenden Foto. Er habe dieses sofort weggeschoben, denn sein Sohn solle so etwas nicht sehen. Dass er dabei eine Videodatei verschickt haben soll, sei ihm nicht bewusst gewesen, liess der Beschuldigte durch seinen Dolmetscher ausrichten. Das habe er erst bei der polizeilichen Befragung festgestellt.

Kann immer wieder vorkommen

Tatsächlich wurde über die zuständigen Stellen in den USA die hiesige Staatsanwaltschaft mit entsprechenden Dokumenten bedient. In der Folge wurde Anklage erhoben. Beantragt wurden eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 70 Franken sowie eine Busse von 600 Franken. Zudem sei der Beschuldigte für fünf Jahre des Landes zu verweisen.

Das Facebook-Profil, von dem die Videodatei verschickt wurde, lautet auf den Namen des Schwagers des Beschuldigten. Der Zugang sei jeweils offen, weil seine Frau den Inhalt kontrolliere, erklärte Savith mit leiser Stimme auf Nachfrage von Gerichtspräsident Sandro Rossi. Er selber benutze Facebook nicht so oft und habe auch nicht darauf geachtet, ob der Account aktiv war. Ebenfalls könne er sich nicht erklären, wie die Videodatei weitergeschickt wurde. Vielleicht sei im Hintergrund ein Prozess abgelaufen. Dass solche Pop-up-Fenster mit pornografischem Inhalt öffnen, könne aber immer wieder vorkommen, räumte er ein.

Nicht willentlich gehandelt

Der Verteidiger forderte einen Freispruch, hob hervor, dass sein Mandant weder wissentlich noch willentlich einen Film mit verbotenem Inhalt verschickt habe. Es sei nicht restlos klar, was genau passiert sei, viele Fragen seien offen. Nicht ausgeschlossen sei, so der Verteidiger, dass der Facebook-Account gehackt worden sei. Eine Antwort wäre allerdings spekulativ, handfeste Beweise sehe er nicht. Zudem gebe es für seinen Mandanten keinen Grund, einem wildfremden Menschen einen solchen Film zuzustellen. Kurz: Es müsse sich um eine Fehlmanipulation gehandelt haben.

Fest stand für den Verteidiger, dass sich sein Mandant nicht für solche Filme interessiere, er ein strafrechtlich unbescholtener Bürger sei, bisher noch nie mit der Polizei zu tun gehabt habe. Ein Landesverweis, ergänzte er, hätte schwerwiegende Folgen für die Familie und würde diese zerreissen.

Das Gericht sprach den Beschuldigten nach kurzer Beratung von Schuld und Strafe frei. Eine Vielzahl von Punkten spreche dagegen, dass er wissentlich und willentlich gehandelt habe, begründete Gerichtspräsident Rossi das Urteil. Bei der forensischen Auswertung des Mobiltelefons sei «rein gar nichts hängen geblieben». Dem Beschuldigten gab Rossi als Ratschlag mit auf den Weg, in Zukunft die Hände zu lassen von solchen Websites, um Filme zu schauen. Zudem gebe es besseres, um einem kleinen Kind beim Einschlafen zu helfen.