Es brodelt weiter an der Schule Windisch: Zuerst gab Gesamtschulleiter Philipp Grolimund seine Kündigung per Ende Juli 2019 bekannt, dann demissionierten Schulpflegepräsidentin Judith Zürcher (SP) und Schulpflegemitglied Mirjam Oertli (FDP) per Ende Januar. Die beiden SP-Einwohnerrätinnen, Nadine Fischer und Mirjam Aebischer, verlangten daraufhin den Rücktritt der gesamten Schulpflege. Ab Februar bestünde diese nur noch aus Zeynep Karavus (CVP), Amir Nuredini (FDP) und Suad Maliqi (parteilos).

Jetzt liegen der Aargauer Zeitung mehrere Briefe vor aus dem Kindergarten, den Primarschulen Schulhaus Dorf, Schulhaus Rütenen, Schulhaus Dohlenzelg, der Real- und Sekundarschule Schulhaus Chapf sowie der Bezirksschule. Insgesamt fordern über 90 Lehrpersonen sowie 2 Personen in Solidarität mit der Lehrerschaft den sofortigen Rücktritt von Zeynep Karavus. Die CVP-Vertreterin wird nach dem Ausscheiden von Zürcher und Oertli die amtsälteste Schulpflegerin sein. Obwohl sie dem Gremium bereits seit 10 Jahren angehört, kommt sie mangels Sprachkenntnissen offenbar nicht als neue Präsidentin infrage, wie die AZ von mehreren Seiten erfuhr.

Aus Sicht der Lehrpersonen ist vor allem Karavus für die akute Missstimmung und den Vertrauensmangel an der Schule verantwortlich. Die Briefe mit der Rücktrittsaufforderung gingen an alle Mitglieder der Schulpflege, die Schulleitungskonferenz, alle Lehrpersonen der Schule Windisch, den Gemeinderat sowie den Vorstand der Ortsparteien CVP, FDP und SP.

Erwartungen an Vorgesetzte

Als Lehrpersonen der Schule Windisch seien sie auch informiert über die Anhörungen der Schulpflege mit der Schulleitungskonferenz und dem Schulteam Dohlenzelg in Sachen Anstellung Schulhausleitung Dohlenzelg und Nachfolgeregelung Tamer Pisirici, heisst es in der Einleitung der Briefe. In der täglichen Arbeit mit den Schülern hielten sie sich an den verbindlichen Berufsauftrag und bemühten sich, den Anforderungen gerecht zu werden.

Von der vorgesetzten Behörde erwarten die Lehrpersonen im Gegenzug ein kompetentes Führungsverständnis und überdachte Entscheide, Vertrauen in die Arbeit der von ihr gewählten Lehrpersonen und Schulleitenden, keine Einmischung in die operativen Abläufe sowie anständige und einer Schulpflege gut anstehende Kommunikation auch bei anspruchsvollen Themen. «Diesen Erwartungen entspricht die Mehrheit der aktuellen Schulpflege nicht», steht im Brief. Für getroffene Entscheidungen im Gremium seien alle Mitglieder gleichermassen verantwortlich.

Karavus erfüllt laut den Lehrpersonen diese Erwartungen seit Jahren nicht. Sie führe der Schule nachhaltig mehr Schaden zu, als sie dieser nütze. Die Rede ist von Machtgehabe und gehässiger Kommunikationslage. Die Briefunterzeichner wollen das nicht akzeptieren und fordern deshalb den sofortigen Rücktritt von Karavus.

Susanne Keller-Graf, Vorstandsmitglied der CVP Windisch, sagt zur Briefaktion, so massive Vorwürfe der Lehrerschaft gegen Karavus seien ihr bisher nicht zu Ohren gekommen. Natürlich habe die Partei sofort das Gespräch mit ihrer Schulpflegerin gesucht, sie aber nicht konkret zum Rücktritt aufgefordert. Das stehe der Partei auch nicht zu, weil sie nicht Aufsichtsbehörde der Schulpflege sei, so Keller. Zudem seien der CVP – unter anderem aus Datenschutzgründen – keine Beispiele bekannt, bei denen Karavus alleine für falsche Entscheide oder Fehlleistungen der Schulpflege verantwortlich gemacht werden könne. Karavus sehe das Ganze als Komplott gegen sie von Lehrpersonen, die zum grossen Teil noch gar nie persönlich mit ihr zu tun gehabt haben.

Für ein Gespräch mit der AZ war Karavus gestern nicht zu haben, per E-Mail teilte sie mit, die Schulpflege Windisch werde «definitiv zu dritt weitermachen». Sie ergänzte: «Seitens Schulpflege arbeiten wir intensiv daran, die Organisation zu stabilisieren und die Kommunikation zu verbessern.»

Wenn von den fünf Schulpflegesitzen nur noch zwei besetzt sind, wäre das Gremium nicht mehr handlungsfähig. Was dann passiert, lässt sich im Voraus nicht eindeutig sagen. «In Fällen, in denen eine Schulpflege nicht mehr ordnungsgemäss besetzt gewesen ist, ist von der Gemeindeabteilung auch schon ein Mitglied des Gemeinderats als ausserordentliches Mitglied eingesetzt worden», teilt das Departement Volkswirtschaft und Inneres mit.