Windisch

88 Lehrpersonen fordern ihren Rücktritt: Jetzt stehen zwei Schulpfleger ohne Ressorts da

Die Schule in Windisch sorgt für Schlagzeilen.

Die Schule in Windisch sorgt für Schlagzeilen.

Zeynep Karavus und Vizepräsident Suad Maliqi haben seit letzter Woche nur noch eine beratende Stimme in der Schulpflege Windisch.

Die Schule Windisch scheint nicht zur Ruhe zu kommen. Vor ziemlich genau einem Jahr warfen die Kündigung von Gesamtschulleiter Philipp Grolimund und die beiden Schulpflege-Rücktritte von Präsidentin Judith Zürcher (SP) und Mirjam Oertli (FDP) per Ende Januar hohe Wellen.

Zwei SP-Einwohnerrätinnen verlangten daraufhin den Rücktritt der gesamten Schulpflege. In einer koordinierten Briefaktion forderten 90 Lehrpersonen aus allen Schulstufen den sofortigen Rücktritt von CVP-Schulpflegerin Zeynep Karavus, weil sie der Schule Windisch mehr schade, als nütze.

Zusammenarbeit scheint nicht zu klappen

Und obwohl Karavus dem Gremium schon seit zehn Jahren angehörte und somit die meisten Amtsjahre vorweisen konnte, kam sie allein schon mangels Sprachkenntnissen als neue Präsidentin nicht in Frage.

Interimspräsident wurde Suad Maliqi (parteilos, von der SP portiert), bis im Mai Thomas Haller und Isabelle Bechtel (beide parteilos und von der SP vorgeschlagen) bei den Ersatzwahlen in die Schulpflege gewählt wurden und sich das Gremium im Sommer neu aufstellte.

Aufgrund der verfahrenen Situation war für die Schulpflege Windisch bereits Anfang Jahr ein externer Berater engagiert worden. Rechtzeitig zum Schuljahresanfang wurde die neue Ressortverteilung kommuniziert. Isabelle Bechtel steht der Schulpflege seither als Präsidentin vor und Suad Maliqi ist Vizepräsident. Mit der Zusammenarbeit scheint es allerdings, nicht zu klappen.

Arbeit wird auf drei Schulpflegemitglieder verteilt

Am vergangenen Donnerstag haben Isabelle Bechtel, Thomas Haller und Schulpflegemitglied Amir Nuredini (FDP) beschlossen, Zeynep Karavus und Suad Maliqi per sofort sämtliche Ressorts zu entziehen. Über die Gründe wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Anliegen betreffend den Ressorts «HR, Organisationsentwicklung, Musikschule, HPS» und «Rekurswesen, Disziplinarwesen, Konflikt- und Krisenmanagement, Schulsozialarbeit» seien vorläufig an Präsidentin Isabelle Bechtel zu richten, heisst es in einer entsprechenden Mitteilung. Die Schulpflege werde die Aufgaben im Januar auf die Personen Amir Nuredini, Thomas Haller und Isabelle Bechtel neu verteilen und entsprechend kommunizieren.

Neue Ausgangslage erläutert

Mit anderen Worten: Zeynep Karavus und Suad Maliqi haben ab sofort nur noch eine beratende Stimme in der Schulpflege. Der direkte Kontakt mit der Schule Windisch ist ihnen untersagt.

Diese neue Ausgangslage wurde am Montagabend bei einem Treffen, zu dem der Gemeinderat Windisch die Partei- und Fraktionspräsidien sowie die Schulpflege eingeladen hatte, erläutert.

Dabei ging es auch um die neue Vorlage zur Reorganisation der Schulverwaltung, die mit einer Stellenaufstockung verbunden ist und Ende Januar im Einwohnerrat behandelt wird.

88 Lehrpersonen fordern Maliqi und Karavus zum Rücktritt auf

Unabhängig davon wurden in den letzten beiden Wochen unter den Lehrpersonen und Schulleitern wieder Unterschriften gesammelt. In einem Brief an die beiden Adressaten Zeynep Karavus und Suad Maliqi forderten diesmal 88 Lehrpersonen und alle Schulleiterinnen den sofortigen Rücktritt der beiden Schulpflegemitglieder.

«Der Brief ging auch an den Gemeinderat und die Schulpflege», sagt Isabelle Bechtel. Die Präsidentin spricht von einem immensen Vertrauensverlust von Seiten Lehrerschaft und innerhalb der Schulpflege sowie von seit einiger Zeit enorm schwierigen Bedingungen im Gremium. Bechtel ist froh, den externen Berater in dieser Zeit «mit seiner Erfahrung und seinem Fachwissen unterstützend dabei zu haben».

Bruno Graf (SP) ist der für die Bildung zuständige Gemeinderat. Er sagt, der Ressortentzug ist ein Entscheid der Schulpflege.

Situation ist unerfreulich

«Die aktuelle Situation in der Schulpflege ist für den Gemeinderat Windisch sehr unerfreulich.» Die gesetzlichen Rahmenbedingungen müssten akzeptiert werden. «Alle Mitglieder sind bis zum Ende der Amtsperiode vom Volk gewählt. Nun sind die politischen Parteien gefordert, mit Karavus und Maliqi das Gespräch zu suchen», so Graf.

Für die externe Beratung der Schulleitung ist im Windischer Budget 2020 nochmals ein Betrag von 32000 Franken eingestellt. «Wir wollen der Schulpflege weiterhin die nötige Unterstützung zukommen lassen», sagt Gemeinderat Bruno Graf.

SVP-Präsident Fabian Schütz war wie Bruno Graf beim Treffen am Montagabend dabei. Schütz findet es schade, dass es zum Ressortentzug gekommen ist. In die neuen Schulpfleger hat er indes grosses Vertrauen.

Er ist zuversichtlich, dass es mit der Schule Windisch wieder aufwärtsgeht. Zeynep Karavus und Suad Maliqi waren bisher weder per E-Mail noch telefonisch für eine Stellungnahme erreichbar.

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