Region Brugg
85 Fälle im vergangenen Jahr wegen häuslicher Gewalt

Polizei rückt im Durchschnitt alle vier Tage deswegen aus– oft ist Alkohol im Spiel. Frauen können ebenso zuschlagen wie Männer oder Kinder.

Claudia Meier
Merken
Drucken
Teilen
Auch wenn sie nicht direkt beteiligt sind, bekommen Kinder die Auseinandersetzungen ihrer Eltern oft mit.

Auch wenn sie nicht direkt beteiligt sind, bekommen Kinder die Auseinandersetzungen ihrer Eltern oft mit.

Getty Images/iStockphoto

Zu Hause gibt es Streit: Der Familienvater kehrt stark alkoholisiert von einer Beizen-Tour heim, bereits im Korridor kommt es mit seiner Frau zum Wortgefecht – und zwar so lange, bis der Mann zuschlägt. Nachdem sich die Ehefrau befreit hat, greift sie zum Telefon und ruft die Polizei.

Häusliche Gewalt hat viele Gesichter – oftmals ist Alkohol im Spiel: Frauen können ebenso zuschlagen wie Männer oder Kinder respektive Jugendliche. Viele denken dabei primär an körperliche Gewalt, es gibt aber auch weitere Formen wie psychische, sexuelle oder ökonomische Gewalt.

Zudem können böswillige Handlungen wie Vernachlässigungen, Schikanieren, unverhältnismässiges Kontrollieren und die Isolation von Menschen in diese Kategorie fallen.

Mehr Fälle in Windisch und Birr

Geht ein Notruf auf der Zentrale ein, rücken in der Region Brugg die Kantonspolizei Aargau, die Regionalpolizei Brugg oder manchmal auch beide aus. Erfolgt eine Anzeige, kommt die Kantonspolizei immer zum Einsatz.

Im vergangenen Jahr gab es 85 Fälle wegen häuslicher Gewalt. 2013 waren es 84 Einsätze. Eine unveränderte Situation also? Heiner Hossli, Chef der Regionalpolizei (Repol) Brugg, relativiert: «Schaut man sich die Zahlen genauer an, zeigt sich, dass die Fallzahl in der Stadt abgenommen hat. Hingegen hat sie sich in Birr verdoppelt.»

Mit anderen Worten: 2014 gab es in der Stadt Brugg 19 Fälle (Vorjahr: 30), in Windisch 26 (Vorjahr: 17) und in der Gemeinde Birr 11 (Vorjahr: 5). Der Umstand, dass die Polizei ab und zu zur gleichen Familie ausrücken muss, könne das Bild verfälschen, präzisiert Hossli. Seit Januar gibt es für die Polizei neue Meldeformulare, die spätestens innerhalb von 48 Stunden ausgefüllt werden müssen und zeitgleich an sämtliche Amtsstellen gehen. Das mache das koordinierte Einleiten der erforderlichen Massnahmen einfacher, erklärt der Repol-Chef.

Sensibilität hat zugenommen

Mehrheitlich seien es die Betroffenen selber – und nicht etwa die Nachbarn, die die Polizei rufen. Für die Polizei geht es in erster Linie darum, die Gewalt zu stoppen und die Kinder zu schützen. «Das geschieht beispielsweise, in dem eine Partei weggewiesen wird, was regelmässig vorkommt», so Hossli weiter.

Die Begrifflichkeit und die Sensibilität haben sich in den letzten Jahren aufgrund neuer Gesetze gewandelt: Was früher als Familienstreit oder private Angelegenheit abgestempelt wurde, wird heute genauer unter die Lupe genommen.

Häusliche Gewalt lässt sich aus Sicht der Polizei kaum aus der Welt schaffen. «Wo Menschen zusammenleben, gibt es nun mal Streit», stellt Heiner Hossli fest. Wichtig sei, dass man rechtzeitig professionelle Hilfe beiziehe, um den Schaden in Grenzen zu halten. Früher sei jeweils der Gemeindeammann ausgerückt, heutzutage ist es meistens die Repol Brugg, die für 19 Gemeinden im Bezirk zuständig ist.