Brugg
8. Bau- und Wirtschaftskongress: Mehr als nur ein Läckerli

Am 8. Bau- und Wirtschaftskongress in Brugg sprach Miriam Baumann-Blocher mit anderen Vertretern prominenter Traditionsunternehmen darüber, ihrem Handwerk trotz Innovationen treu zu bleiben

Stefania Telesca
Drucken
Teilen
Das Podium v. l.: Monika Walser, CEO de Sede, André Crelier, Präsident «bauenaargau», Miriam Baumann-Blocher, Geschäftsführerin «Läckerli Huus», Johannes Muntwyler, Direktor Circus Monti und Moderatorin Christine Honegger.

Das Podium v. l.: Monika Walser, CEO de Sede, André Crelier, Präsident «bauenaargau», Miriam Baumann-Blocher, Geschäftsführerin «Läckerli Huus», Johannes Muntwyler, Direktor Circus Monti und Moderatorin Christine Honegger.

Andre Albrecht

Auch Traditionsunternehmen können sich nicht vor Innovationen verschliessen – nicht einmal das 114-jährige «Läckerli Huus» der Familie Blocher. Miriam Baumann-Blocher, Geschäftsführerin und Inhaberin des «Läckerli Huus», sprach am Donnerstagabend am Podium des 8. Aargauer Bau- und Wirtschaftskongresses in Brugg über Notwendigkeit und Schwierigkeit für traditionelle KMUs, mit Innovationen mitzuhalten.

Moderiert von Christine Honegger diskutierten auch Johannes Muntwyler, Zirkusdirektor des Circus Monti, André Crelier, Präsident «bauenaargau» und Monika Walser, CEO und Mitinhaberin der Aargauer Sofamanufaktur de Sede.

«Wenn Sie für Tradition stehen – und das ist unser Markenwert –, dann hat der Kunde per se nicht das Gefühl, man sei sehr innovativ. Aber wir müssen in den Bereichen stark sein, die dem Kunden wichtig sind», antwortet Miriam Baumann-Blocher auf die Frage, ob sich Tradition und Innovation nicht negativ gegenüberstünden.

Ihr Unternehmen verkauft schon lange nicht mehr nur Läckerli, mittlerweile umfasst das Sortiment 142 Produkte. «2015 sind wir in den Schoggibereich gegangen, weil wir sehen, dass wir so ein viel breiteres Publikum ansprechen können und wir neue Kunden brauchen.» Bei aller Tradition gelte es keine Trends zu verschlafen, seien es kurze Lieferzeiten oder die Individualisierung eines Produkts: «Online kann unser Kunde eine Schachtel Pralinen selber zusammenstellen und ein Foto hochladen. Das ist eine Geschenkidee», sagt Baumann-Blocher weiter.

Innovation in der Manege

Die Besucher müssten immer wieder überrascht und berührt werden, sagt Johannes Muntwyler am Ende seiner 34. Saison im Circus Monti: «Zirkus ist ein sehr traditionsbehaftetes Unternehmen und trotzdem ist die Innovation sehr wichtig.» Ein Zirkus soll nach Zirkus aussehen, mit einem schönen Zelt und klassischen Zirkuswagen drumherum.

Man müsse in der Programmgestaltung aber trotzdem immer wieder neue Wege gehen, damit die Zuschauer auch künftig noch in den Zirkus wollen. Der Circus Monti wurde 2013 als erster Zirkus mit dem Innovationspreis ausgezeichnet.

Dies, weil sie Leute von ausserhalb in den Zirkus brachten, vor allem Theaterschaffende. Hinter der Innovation steckt viel Arbeit: «Wir haben ein Kreativteam, das jedes Jahr wechselt und mit Ideen auf uns zukommt. Dieses besteht aus zwei Regisseuren, Choreografen, aus jemandem, der die Musik schreibt und jedes Jahr neue Kostüme kreiert.»

Ideen statt Konkurs

Monika Walser hat die Klingnauer Möbelfirma de Sede 2014 in einer schwierigen Zeit übernommen – der Traditionskonzern stand kurz vor einem Konkurs. Die Manufaktur ist auf edle Möbel spezialisiert, auf diese setzt Walser weiterhin: «Wir dürfen nie Abstriche machen, weder im Design noch in der Qualität. Das muss stabil bleiben und deshalb ist es schwierig, dass man in diesem Bereich Innovation hat.»

Als Walser die Firma übernahm, wurde das Leder aus Kostengründen im Ausland zugeschnitten. Sie holte den Prozess zurück in die Schweiz, zu hoch war der Anteil an Lederabfällen im Ausland. Bald setzt sie auf ein Entwicklungs- und Designteam, das die Innovation vorantreibt: «Das bedeutet für uns, dass wir zuschauen, wie sich der Kunde verhält und wie sich der Kunde im täglichen Leben bewegt.»

Aus der Tatsache, dass die Menschen heutzutage sehr viel sitzen, entwickelte de Sede gemeinsam mit Physiotherapeuten und dem Paraplegikerzentrum Nottwil einen Sessel. «Wenn wir so viel Zeit im Sitzen verbringen, dann sollten wir es so tun, dass es uns möglichst gut tut. Rollstuhlfirmen und renommierte Autofirmen hätten bereits Interesse gezeigt.

«Die am wenigsten offensichtlichen Veränderungen haben in der Baubranche stattgefunden», sagt Moderatorin Christine Honegger und avisiert André Crelier, Präsident «bauenaargau». Im Baumaterialbereich und in den Prozessen, wie heute eine Baustelle ablaufen sollte, hätten bereits Entwicklungen stattgefunden, sagt Crelier. «Die Baubranche hat aber noch einen weiten Weg vor sich, von der intelligenten Vernetzung von Mensch und Maschine sind wir noch weit entfernt.»

Verlangsamtes Wachstum

«Wir befinden uns in einem unsicheren Umfeld, das spürt man an den Finanzmärkten», sagt Marcel Koller, Chefökonom der AKB, zu den 800 Gästen in Brugg. Schuld an der Unsicherheit sei unter anderem die Abgrenzung der USA gegenüber dem Rest der Welt. Der Einkaufsmanagerindex zeigt auf, wie gut die Auftragsbestände in den Ländern sind. «Vor einem Jahr an dieser Stelle waren wir auf einem höheren Niveau.»

Auch in der Konsumentenstimmung sei in der Schweiz ein Rückgang zu beobachten. Ebenfalls werde sich das Wachstum des Bruttoinlandprodukts auf Ende Jahr verlangsamen, auf etwa zwei Prozent. Das könne sich die Schweiz aber leisten, sagt Koller im Hinblick auf das Jahr 2019. «Wir gehen davon aus, dass der Schweizer Franken im Zusammenhang mit der unsicheren Situation zwischen China und den USA wieder vermehrt gesucht wird als sichere Währung. Dies wir einen entsprechenden Kapitalzufluss bringen.»

Aktuelle Nachrichten