Schinznach
70 Jahre: «Molly» ist eine durch und durch rüstige Seniorin

Sie schnaubt und faucht wie eh und je. Am Donnerstag, 1. Mai, wird die Dampflokomotive «Molly» der Schinznacher Baumschulbahn SchBB auf den Tag genau 70 Jahre alt. Zum Jubiläum werden Rundfahrten angeboten.

Michael Hunziker
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Die Lokomotive «Molly» dampft nach der Revision am Kessel wieder durch die Baumschule. Peter Gysel

Die Lokomotive «Molly» dampft nach der Revision am Kessel wieder durch die Baumschule. Peter Gysel

Peter Gysel

Eine Fahrt mit einer Dampflokomotive sei ein Erlebnis für alle Sinne, sagt Peter Gysel. Er ist Leiter Zugförderung und Werkstätte sowie Aktuar beim Verein Schinznacher Baumschulbahn. «Eine Dampflokomotive kann man sehen, hören und riechen.»

Angesprochen würden nicht nur hartgesottene Eisenbahn-Fans, sondern vor allem auch Familien mit Kindern. «Bei uns sind die Lokomotiven aus nächster Nähe zu bestaunen und zu erleben. Sie sind nicht bloss Nummern, sondern tragen Namen», sagt Gysel. «Das weckt Emotionen.» Die strahlenden Augen, die begeisterten Reaktionen seien der Lohn für den Aufwand, den der Verein betreibe, so Gysel.

Ursprünglich beim Kraftwerkbau im Einsatz

Am 1. Mai 1944 wurde die Dampflokomotive «Molly» in Auenstein auf dem Werkplatz des im Bau befindlichen Aare-Kraftwerks Rupperswil-Auenstein feierlich eingeweiht. Ausgeliefert wurde die Maschine - damals unter dem Namen «Wildegg» - von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM). Mit dabei waren auch die Schwesternloks «Auenstein» und «Rupperswil». In den folgenden drei Jahren verkehrten die Lokomotiven auf dem Streckennetz zwischen Biberstein und Wildegg.

Nach dem Ende der Bauarbeiten gab es für die fast neuwertigen Maschinen keine Arbeit mehr und sie wurden eingelagert. 1958 wurde die «Wildegg» für den Aushub des Flughafens Zürich Kloten für kurze Zeit reaktiviert. 1961 folgte die Ausrangierung. Die Verschrottung war 1966 bereits geplant, doch Max Kuhn, Biskuit-Fabrikant aus Turgi, konnte sie in letzter Minute erwerben. Mit neuem Farbkleid und auf Hochglanz
poliert, erhielt die «Wildegg» am Jugendfest 1967 einen neuen Namen. Als «Molly» wurde sie zum Denkmal des Bahnhofs Turgi. Wegen geplanter Umbauarbeiten am Bahnhof musste «Molly» 1993 allerdings von ihrem Sockel weichen. Durch einen glücklichen Zufall wurde eine Lösung gefunden: Die Dampflokomotive sollte als Leihgabe an den Verein Schinznacher Baumschulbahn gehen. Der Transport fand 1994 statt. Am 1. Mai 1999 konnte «Molly» wieder zum Leben erweckt werden. Ab 2011 war eine umfassende Revision am Kessel der Dampflokomotive unumgänglich. (az)

Unentgeltlich im Einsatz

Und dieser Aufwand ist nicht zu unterschätzen, der Verein investiert viel Zeit und Geld in seine Maschinen. Jeden Samstag stehen die Mitglieder im Einsatz – «mindestens», wie Gysel sagt. Und unentgeltlich wohlverstanden. In den Sommermonaten ist an den Wochenenden Fahrbetrieb angesagt, im Winter stehen vor allem Unterhaltsarbeiten in der Werkstatt auf dem Programm. Immer wieder, fährt Gysel fort, müssten Reparaturen vorgenommen werden, defekte Teile seien oft nicht mehr erhältlich und deshalb nicht ohne weiteres zu ersetzen.

Ziel des Vereins bleibe es, die Baumschulbahn weiter zu betreiben, die Maschinen – «durch gründliche Revisionen, fachmännische Behandlung und liebevolle Pflege» – dauernd zu erhalten. Gysel freut sich auf den 1. Mai: «Wir hoffen, dass wir möglichst vielen Gästen eine Freude machen können.» Alle sollen, so Gysel weiter, später zufrieden den Heimweg antreten – «und uns vielleicht wieder einmal besuchen».

Peter Gysels Familie ist eng verbunden mit der Maschine: Sein Ur-Grossonkel war Direktor in der Herstellerfabrik, sein Grossvater als Ingenieur beim Bau des des Aare-Kraftwerks Rupperswil-Auenstein beteiligt. «Das gibt eine spezielle Verbindung.»

Beim Kraftwerk-Bau im Einsatz

Die Lokomotive «Molly» kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Am 1. Mai 1944 wurde die Dampflokomotive in Auenstein auf dem Werkplatz des im Bau befindlichen Aare-Kraftwerks Rupperswil-Auenstein feierlich eingeweiht. Ausgeliefert wurde die Maschine – damals unter dem Namen «Wildegg» – von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM). Mit dabei waren auch die Schwesternloks «Auenstein» und «Rupperswil».

In den folgenden drei Jahren verkehrten die Lokomotiven auf dem Streckennetz zwischen Biberstein und Wildegg. Nach dem Ende der Bauarbeiten gab es für die fast neuwertigen Maschinen keine Arbeit mehr und sie wurden eingelagert. 1958 wurde die «Wildegg» für den Aushub des Flughafens Zürich-Kloten für kurze Zeit reaktiviert. 1961 folgte die Ausrangierung. Die Verschrottung war 1966 bereits geplant, doch Max Kuhn, Biscuit-Fabrikant aus Turgi, konnte sie in letzter Minute erwerben.

Mit neuem Farbkleid und auf Hochglanz poliert, erhielt die «Wildegg» am Jugendfest 1967 einen neuen Namen. Als «Molly» wurde sie zum Denkmal des Bahnhofs Turgi. Wegen geplanter Umbauarbeiten am Bahnhof musste «Molly» 1993 allerdings von ihrem Sockel weichen. Durch einen glücklichen Zufall wurde eine Lösung gefunden: Die Dampflokomotive sollte als Leihgabe an den Verein Schinznacher Baumschulbahn gehen. Der Transport fand 1994 statt. Am 1. Mai 1999 konnte «Molly» wieder zum Leben erweckt werden. Ab 2011 war eine umfassende Revision am Kessel der Dampflokomotive unumgänglich.

«Molly» feiert Geburtstag Am Donnerstag, 1. Mai, 13 bis 17 Uhr, führt die Schinznacher Baumschulbahn Rundfahrten durch; Abfahrt alle 30 Minuten; Erwachsene 6 Franken, Kinder 3 Franken.

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