Habsburg
6-Meter-Sturz von «Belinda»: Pro Natura will den Untergrund erforschen – und sucht Spender

Nach dem Sturz der Kuh «Belinda» in ein Loch auf ihrer Weide will die Naturschutzorganisation Pro Natura den Untergrund genauer erkunden. Für den Aushub fehlt ihr allerdings noch Geld.

Michael Hunziker
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Kopie von Trächtiges Rind stürzt in sechs Meter tiefe Habsburger Doline
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Rind Belinda fiel in ein Erdloch und musste von Feuerwehr und Grosstier-Rettungsdienst geborgen werden.
Rind Belinda fiel in ein Erdloch und musste von Feuerwehr und Grosstier-Rettungsdienst geborgen werden.
Rind Belinda fiel in ein Erdloch und musste von Feuerwehr und Grosstier-Rettungsdienst geborgen werden.
Rind Belinda fiel in ein Erdloch und musste von Feuerwehr und Grosstier-Rettungsdienst geborgen werden.
Rind Belinda fiel in ein Erdloch und musste von Feuerwehr und Grosstier-Rettungsdienst geborgen werden.
Rind Belinda fiel in ein Erdloch und musste von Feuerwehr und Grosstier-Rettungsdienst geborgen werden.
Rind Belinda fiel in ein Erdloch und musste von Feuerwehr und Grosstier-Rettungsdienst geborgen werden.
Rind Belinda fiel in ein Erdloch und musste von Feuerwehr und Grosstier-Rettungsdienst geborgen werden.
Rind Belinda fiel in ein Erdloch und musste von Feuerwehr und Grosstier-Rettungsdienst geborgen werden.
Rind Belinda fiel in ein Erdloch und musste von Feuerwehr und Grosstier-Rettungsdienst geborgen werden.

Kopie von Trächtiges Rind stürzt in sechs Meter tiefe Habsburger Doline

Tele M1/Philipp Ammann

Es war eine spektakuläre Rettungsaktion: Im Sommer stürzte die trächtige Kuh Belinda in ein 6 Meter tiefes Erdloch auf der Weide in Habsburg. Mit einem Bagger musste das Tier – das glücklicherweise unverletzt blieb – herausgezogen werden.

Beim Erdloch handelte es sich nicht, wie ursprünglich angenommen, um eine natürliche Doline. Im Untergrund befand sich stattdessen ein geheimnisvoller Raum mit einem gemauerten Gewölbe. Die Kantonsarchäologie vermutete eine Zisterne, ein Wasserreservoir. In etwa 12 Metern Tiefe kam – als weitere Überraschung – ein in den Fels gehauener Torbogen zu einer weiteren Kaverne zum Vorschein.

Zum Vorschein kam eine Zisterne; Pro Natura sucht nun Sponsoren, um den Untergrund zu erforschen.

Zum Vorschein kam eine Zisterne; Pro Natura sucht nun Sponsoren, um den Untergrund zu erforschen.

zvg / Pro Natura

Die Naturschutzorganisation Pro Natura machte sich als Eigentümerin der Weide auf die Suche nach Spenden, um den Untergrund erforschen zu können. Nach wie vor sei der Aushub des Lochs nicht voll finanziert, stellt Geschäftsführer Johannes Jenny fest. Es seien zwar Beiträge gesprochen, aber: «Das reicht noch nicht.» Konkret: Gemäss Offerte wird für das Herausnehmen und Deponieren der geschätzten 24 Kubikmeter Material mit 18 000 Franken gerechnet. «Es fehlen noch 5500 Franken», sagt Jenny. Derzeit werde am Loch nicht gearbeitet, bis die ganze Summe beisammen sei.

Nach Aushub herrscht Klarheit

Ist das Material gehoben, können sich Höhlenforscher ans Vermessen und Aufzeichnen machen. Pro Natura hofft, dass dann das Geheimnis definitiv gelüftet werden kann, was es mit dem Gemäuer tatsächlich auf sich hat. Will heissen: Ob es sich um einen Teil einer Wasserversorgung handelte, wie die Kantonsarchäologie vermutet, oder doch eher um Gipsabbaustollen, wie dies viele im Dorf glauben.

Was ebenfalls aussteht, fügt der Geschäftsführer an, ist eine sichere Bestimmung des Alters. Sei das Gewölbe mit vernünftigem Aufwand zugänglich, könnte hier eine zweite dendrochronologische Untersuchung weiterhelfen – vorausgesetzt, es werden geeignete Balken gefunden. Dendrochronologie ist eine Datierungsmethode, bei der die Dicke der Jahrringe von historischen Hölzern verglichen wird.

Von den Resultaten all der Untersuchungen hängt laut Jenny ab, wie es anschliessend weitergeht mit dem unterirdischen Gebäude. Als Quartier für Fledermäuse oder als Ausflugsziel von geologisch Interessierten könne die Kaverne auf jeden Fall dienen. «Erweist sich das Gewölbe als so stabil, wie es im Moment aussieht, könnte zum Beispiel eine metallene Industriewendeltreppe eingebaut werden», führt Jenny aus. «Damit würde die Idee des leider kürzlich verstorbenen ehemaligen Eigentümers und seines Enkels umgesetzt, dass Schüler und Studenten die besondere Geologie des Habsburger Untergrunds erleben könnten.»

Alles Weitere sei Spekulation, fährt Jenny fort. Möglich sei, dass gegenüber dem sichtbaren, hangseitigen Torbogen ein Gang Richtung Tal zutage komme. «Dass die Oberfläche des Weges mehrmals absackte, spricht dafür.» Allerdings: «Das Ausgraben und Begehbarmachen, sodass eine neue Habsburger Attraktion entsteht, übersteigt die Möglichkeiten von Pro Natura Aargau und ist nicht ihre Aufgabe.»

Sicher hätte ein gutes Projekt von Gemeinde, Heimatschutz und weiteren Interessierten eine Chance bei Stiftungen und dem Lotteriefonds, ist Jenny überzeugt. «Aber um ein gutes Projekt zu planen, muss man erst wissen, wozu die Anlage einst diente und dies herauszufinden, ist wichtiger Zweck des Aushubs von Lehm und Dreck.»

Stiftung übernimmt Kosten

Nach wie vor hofft Pro Natura auf Beiträge Privater und Firmen. «Spenden lohnt sich übrigens», betont der Geschäftsführer. «Sobald das Gebäude leer und sicher ist, dürfen die grosszügigsten Spender als Erste einen Blick in den Habsburger Untergrund und auf die Muster der uralten Jurameeresablagerungen werfen.»

Übrigens: Nicht klar war bis anhin, wer für die Rettungskosten von Kuh Belinda aufkommt. Die Versicherungen bezahlten bisher nichts, hält Jenny fest. «Tierhalter und Pro Natura Aargau sind jedoch ausserordentlich froh und dankbar, dass die ‹Susy Utzinger Stiftung› den Einsatz des Grosstier-Rettungsdienstes aus Zürich finanziert.»

Spenden-Postkonto 50-11011-8 mit dem Vermerk «Belindas Loch».