Höhere Technische Lehranstalt
50 Jahre Technik: Aargauer Flaggschiff in Brugg-Windisch feiert Geburtstag

Nach einem halben Jahrhundert hat sich die Höhere Technische Lehranstalt (HTL) als Hochschule für Technik etabliert. Die Zahl der Studierenden und Dozierenden hat sich vervielfacht. Geändert haben sich die Lernmethoden.

Claudia Meier
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50 Jahre Technik: Aargauer Flaggschiff in Brugg-Windisch feiert Geburtstag
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Mit der Habsburger-Studentenverbindung und ihrem Autorennen wurde das Studium nie langweilig
Walter Guttropf (mitte), Professor für Produktionstechnik und Automation mit Werkstattchef Gerhard Friedli (links) an einem Industrieseminar
Zum HTL-Studium gehört auch das Essen in der Mensa
Die HTL wurde 1993 Standort von einem der fünf nationalen Microswiss-Zentren - einem Kompetenzzentrum für Mikroelektronik

50 Jahre Technik: Aargauer Flaggschiff in Brugg-Windisch feiert Geburtstag

zvg

In den letzten 50 Jahren haben 8325 Personen ein Diplom an der Hochschule für Technik in Brugg-Windisch erworben. Heute Samstagnachmittag und -abend treffen sich über 800 Absolventen, Dozierende und Angestellte zu einer Feier im Campus-Neubau. Es wird ein grosses Wiedersehen mit zahlreichen Klassentreffen geben. Gelegenheiten, um in alten Diplomzeitungen zu blättern und Erinnerungen aufzufrischen.

Als die Höhere Technische Lehranstalt (HTL) am 2. November 1965 im Bezirksschulhaus Windisch, im Gemeindehaus Windisch und in der Gewerbeschule Brugg ihren Betrieb aufnahm, standen die markanten Gebäude der Architekten Bruno und Fritz Haller auf der Klostermatte noch im Bau.

Niemand ahnte damals, dass sich diese drei Glas- und Stahlkonstruktionen ein halbes Jahrhundert später so gut auf dem Campus-Areal integrieren lassen. Während Jahren war die HTL auf der tertiären Bildungsstufe das Flaggschiff des Kantons Aargau.

Seit 2006 ist die Technik eine von neun Hochschulen im Verbund der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) der vier Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn.

HTL bot vor ETH Informatik an

Als der heutige Ausbildungsleiter, Stefan Höchli, 1983 seine Stelle als Dozent für Deutsch, Geschichte und Staatskunde an der HTL antrat, war die Schule klar strukturiert.

Angeboten wurden die Studienrichtungen Elektrotechnik, Maschinenbau, Informatik sowie Hoch- und Tiefbau. 40 Professoren und Lehrbeauftragte unterrichteten damals etwa 400 Studierende.

In der Zwischenzeit sind rund 250 Personen in der Lehre an der Hochschule für Technik in Brugg-Windisch für über 1600 Studierende tätig. Eine Sensation war laut Stefan Höchli, dass die HTL 1980 als erste Hochschule der Schweiz und ein Jahr vor der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) mit dem Informatik-Studiengang begann. Heute zählt die Informatik-Abteilung zu den grössten in der ganzen Schweiz.

Arbeitgeber dank Projektarbeit

Die Computer veränderten die Arbeitswelt. In den 1980er-Jahren herrschte enormer Ingenieurmangel. Die Studierenden folgten von Anfang bis zum Schluss einem fixen Stundenplan.

Sie wurden von den Firmen richtiggehend umworben und waren nach dem Abschluss vom ersten Tag an produktiv tätig. «Es gab eine Zeit, da mussten wir schauen, dass die Studierenden nicht mehr als zwei Firmeneinladungen pro Woche hatten», erzählt Stefan Höchli und schmunzelt.

Später habe es aber auch Phasen gegeben, in denen man den Studierenden zeigen musste, wie man sich richtig bewirbt und in der Arbeitswelt Fuss fasst. Etwa ein Drittel der Studierenden lerne heutzutage über Projektarbeiten den zukünftigen Arbeitgeber kennen, so der Ausbildungsleiter weiter.

Das Studienprogramm hat sich grundlegend verändert. Nur noch im ersten Semester ist das Programm mehrheitlich vorgegeben. Seit der Bologna-Reform müssen nicht mehr ganze Semester, sondern jeweils nur noch einzelne Module bestanden werden. Durch diese Umstrukturierung ist der Zusammenhalt unter den Studierenden und der Kontakt zu den Dozierenden loser geworden.

«Die methodischen Kompetenzen haben einen höheren Stellenwert bekommen. Dabei geht es um die Fähigkeit, sich selbstständig in neue Gebiete einzuarbeiten», sagt Höchli. «Die Studierenden haben dadurch zwar weniger Konserven im Rucksack, verfügen aber über bessere Navigationsmöglichkeiten.» Mit anderen Worten: Es gibt immer verschiedene Wege, um ans Ziel zu gelangen.

Am meisten Frauen in Informatik

Seit der Fusion zur FHNW im Jahr 2006 habe sich die Zahl der Neueintritte an der Hochschule für Technik für den Bachelor-Studiengang von 250 auf über 500 verdoppelt, so Höchli.

Der Frauenanteil ist mit 30 Prozent bei der iCompetence am höchsten. Das ist eine neue Profilierung im Studiengang Informatik, in der Informatik, Design und Management verbunden und der Schwerpunkt auf interdisziplinäre Kompetenzen gelegt wird. Etwa die Hälfte der heutigen Technik-Studierenden in Brugg-Windisch stammt aus dem Kanton Aargau.

Gewachsen ist in den letzten 50 Jahren nicht nur die Zahl der Studierenden und Dozierenden, sondern auch die anwendungsorientierte Forschung. Stefan Höchli betont, dass die Mehrheit der Dozierenden zusätzlich in der Forschung tätig ist.

Das hat zur Folge, dass die Hochschule für Technik auch räumlich über die Hallerbauten hinausgewachsen ist. Sechs von zwölf Instituten – vor allem jene, die spezielle Geräte und Einrichtungen erfordern – werden in den Bauten aus den 1960er-Jahren betrieben. Zwei weitere sind im ehemaligen Schaller-Frewi-Gebäude und vier im Campus-Neubau angesiedelt.

Wirtschaft bezahlte Abschlussreise

Die Beziehung zur Wirtschaft mag sich geändert haben, bleibt aber nach wie vor zentral. Legendär sind die Geschichten, als zum Studienabschluss dicke Diplomzeitungen entstanden und so manche Anekdoten aus der Studienzeit und dem Privatleben preisgegeben wurden. Finanziert wurden diese Dokumente mit zahlreichen grosszügigen Inseraten von der Wirtschaft.

Da blieben oft mehrere Zehntausend Franken übrig, mit denen die Klasse beispielsweise auf Abschlussreise nach Schottland gehen und später noch weitere Treffen bezahlen konnte. Für Studierende jüngeren Semesters ist das kaum mehr vorstellbar.

Und es werden genau diese Diplomzeitungen sein, die heute Samstagabend so viel zu reden geben. Stefan Höchli arbeitet im OK für dieses Fest mit: «Wir sind sehr gespannt, wie viele Absolventen wir noch kennen. Und wir hoffen natürlich, dass wir diese Diplomzeitungen beim nächsten Jubiläum in zehn Jahren wieder zeigen können.»