Coronavirus
50 Ansteckungen im Süssbach: Brugger Pflegezentrum isolierte sich von der Aussenwelt

Das Pflegezentrum musste wegen Coronafällen für eine Woche komplett schliessen. Die beiden betroffenen Stationen sind noch immer geschlossen. Die Situation bleibt angespannt.

Maja Reznicek
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Das Pflegezentrum Süssbach an der Fröhlichstrasse ist aktuell nur teilweise geöffnet.

Das Pflegezentrum Süssbach an der Fröhlichstrasse ist aktuell nur teilweise geöffnet.

Maja Reznicek

Keine Besuche, keine Tagesbetreuung, keine Restaurantbesuche für Externe: Nachdem sich 14 Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Coronavirus angesteckt hatten, isolierte sich das Pflegezentrum Süssbach am 9. November von der Aussenwelt. Zwei Wochen sollte der interne Lockdown dauern. Sieben Tage später konnte das Zentrum in Brugg aber teilweise wieder öffnen.

Laut der Unternehmenswebsite war durch die schnelle temporäre Schliessung eine Lokalisierung der Infizierungen möglich. Ein eigenes, internes Testcenter habe es erlaubt, grosszügig Tests nach den BAG-Vorgaben durchzuführen und die nötigen Schritte zum Schutz der Angehörigen zu unternehmen. Hanspeter Müller, CEO des Pflegezentrums Süssbach, erklärt: «Wir haben alle Mitarbeitenden und Kunden, die im Zusammenhang mit infizierten Personen standen, durchgetestet. Daraus ist klar hervorgegangen, dass die Ansteckungen sich auf zwei von neun Stationen beschränken.»

Isolation erschwert psychische Hilfe

Seit dem 16. November stehen alle Bereiche unter den bisherigen vom Kanton geprüften Schutzmassnahmen wieder offen – ausser die beiden betroffenen Stationen. Diese und deren Mitarbeitende sind bis heute isoliert. «Wir hatten anfänglich ein Notfallkonzept, das 15 Infizierte auf einer Station vorsah. Das musste rasch angepasst und die Kunden auf den jeweiligen Stationen isoliert werden.» Denn die Zahlen stiegen schnell: Insgesamt gab es 50 Coronafälle, darunter 15 beim Personal. Drei Menschen verstarben in direktem Zusammenhang mit dem Virus.

Die Infektionen hatten laut Hanspeter Müller wenig spürbare bis starke Auswirkungen auf die Bewohnerinnen und Bewohner. Die Isolation erschwere insbesondere die psychische Hilfe für die Betroffenen. Der CEO des Pflegezentrums führt aus: «Die Unterstützung durch Angehörige oder Seelsorger konnte nur über das Telefon erfolgen. Ansonsten haben wir die interne Betreuung verstärkt, sodass mehr Zeit für Gespräche und Unterhaltung blieb.»

Das Pflegezentrum soll so bald wie möglich ganz öffnen

Die Lage ist und war gemäss Müller für alle Beteiligten ein enormer physischer und psychischer Aufwand. Zudem musste das Personal anderer Stationen die Lücken, die durch positiv getestete Mitarbeitende und deren zehntägige Quarantäne entstanden sind, füllen.

Letzten Donnerstag wurde eine weitere Infektion auf einer dritten Station des Pflegezentrums festgestellt. Hier konnte man sich laut Hanspeter Müller auf eine Zimmerisolation beschränken. Es sei ihnen wichtig, nur dort zu isolieren, wo man unbedingt müsse. «Bei vielen Kunden und Angehörigen ist der erste Lockdown, wo alles geschlossen war, noch in schlechter Erinnerung. Dort wollen wir, wenn möglich, nicht mehr hin.»

Nach zwei Wochen noch nicht symptomfrei

Ziel sei es nun, sobald sich die Situation verbessere, das ganze Pflegezentrum Süssbach wieder zu öffnen und ausschliesslich Einzelpersonen zu isolieren. CEO Hanspeter Müller fügt aber an: «Zwei Wochen Isolation reichen oft nicht. Danach sind die meisten noch nicht symptomfrei und Vorerkrankungen sind spürbar.» Trotzdem sollen in dieser Woche bereits einige Bewohnerinnen und Bewohner die geschlossenen Stationen verlassen können.

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