Hausen/Lupfig
4200 Tonnen verschmutztes Aushubmaterial entsorgt: Nun kann wieder Leben einkehren auf Reichholdareal

Die Altlastensanierung ist abgeschlossen zwischen Hausen und Lupfig – Das Vorgehen bei der Bebauung ist aber anders als ursprünglich geplant.

Michael Hunziker
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Arealentwickler Alex Römer kümmert sich seit acht Jahren um das Reichholdareal.

Arealentwickler Alex Römer kümmert sich seit acht Jahren um das Reichholdareal.

Michael Hunziker

Die Sommersonne wärmt die noch vorhandenen grauen Betonfundamente, saftig grüne Pflanzen wachsen aus den kleinsten Ritzen. Das weitläufige Reichholdareal zwischen Hausen und Lupfig wirkt unberührt und unbelebt – wie immer. Im Hintergrund aber werden mit Hochdruck die Vorbereitungen vorangetrieben für die geplante künftige Bebauung, sagt auf einem Rundgang Alex Römer, Arealentwickler bei der Grundeigentümerin Hiag Immobilien.

Mit rund 75'000 Quadratmetern ist das Gelände der früheren Reichhold-Chemie eine der grössten Industriebrachen im Aargau. Vorgesehen ist eine industriell-gewerbliche Nutzung, entstehen soll hier ein zusammenhängendes, zentral gelegenes, gut erschlossenes, gemischt genutztes Arbeitsquartier. Letzten Sommer ist – als Meilenstein – die Altlastensanierung abgeschlossen worden. Stellenweise wurde das belastete Erdreich bis in eine Tiefe von acht Metern ausgegraben. Insgesamt 4200 Tonnen verschmutztes Aushubmaterial wurden fach- und umweltgerecht entsorgt, hält Römer fest. Unliebsame Überraschungen blieben in beiden Etappen – die erste erfolgte 2016 – aus.

Auf das Zementwerk folgte die Chemiefabrik

Das Reichholdareal auf den Gemeindegebieten von Hausen und Lupfig hat eine lange und bewegte Vorgeschichte. 1928 wurde an diesem Standort die Portland-Cement-Werke Hausen AG erstellt. Nach deren Ende folgten die Dr. Münzels Chemische Werke, die Öle veredelten für die Lack- und Farbenindustrie. 1951 schloss sich das Unternehmen der amerikanischen Reichhold Chemicals Inc. an, einem Hersteller von Kunstharzen und Chemikalien. Die Hiag Immobilien erwarb die Industriebrache im Jahr 2012. (mhu)

Die Messungen im Nachgang haben ergeben, dass das Ziel erreicht worden ist: die möglichst weitgehende Reduktion des BTEX-Schadstoffgehalts. Die Abkürzung steht für die Substanzen Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylol, wie sie bei der Produktion von Farben zum Einsatz kommen können. Das Reichholdareal gilt gemäss Altlastenkataster nun nicht mehr als sanierungs-, sondern nur noch als überwachungsbedürftig. Kurz: Der Weg ist frei für eine Bebauung, fasst Römer zusammen. Dieser Weg aber ist ein anderer als anfänglich geplant.

Die interessierten Firmen wollen Rechtssicherheit

Neu soll ein Gestaltungsplan ausgearbeitet werden für das ganze Areal. Ursprünglich war beabsichtigt, auf der Basis des Masterplans von 2014 lediglich Teilgestaltungspläne auszuarbeiten für die entsprechenden Teilbereiche von einzelnen Bauvorhaben.

Bei Gesprächen mit interessierten Firmen habe sich vor allem der Zeitfaktor als kritisch herausgestellt bei einem solchen Vorgehen, führt Römer aus. Anders ausgedrückt: Die Firmen wollen Rechtssicherheit, eine verlässliche Aussage darüber, wann sie einziehen können. Aus diesem Grund sei die Erkenntnis gereift, eine rechtsverbindliche Grundlage für das ganze Areal zu schaffen. Es gelte den goldenen Mittelweg zu finden, erklärt der Areal­entwickler, denn gewahrt bleiben müsse auf der anderen Seite auch die Flexibilität für die Bedürfnisse der kommenden Nutzer.

Definiert werden mit dem Gestaltungsplan beispielsweise die Baubereiche, Baulinien und Gebäudehöhen, die Verbindungen für den Langsamverkehr oder die grosszügigen Grünflächen. Entlang der Hauptstrasse, ist vorgesehen, entstehen hochwertige, mehrgeschossige Gebäude für Büros und Gewerbe, davor eine Baumallee mit Hochstammbäumen. Im hinteren Bereich – Richtung Autobahnzubringer – werden die höheren, industriell geprägten Hallen erstellt. «Wir suchen eine gewisse Qualität und Arbeitsplatzdichte, einen spannenden Mix», stellt Römer fest. Nicht erlaubt sind reine Lager- oder Logistik-­Unternehmen mit geringer Arbeitsplatzdichte, grosse Baumärkte oder Einkaufszentren mit einem hohen Verkehrsaufkommen. Ein kleinerer Shop mit einer Tankstelle dagegen oder ein Hotel sind durchaus denkbar.

Auch der Untergrund ist anspruchsvoll

Um die Entwicklung so richtig zu lancieren, um mit der Bebauung überhaupt beginnen zu können, brauche es einen grösseren sogenannten Ankernutzer, gibt Römer zu bedenken. Derzeit laufen Gespräche mit zwei Industriekonzernen, lässt er sich entlocken. Beide planen Produktionshallen und Bürogebäude. «Eine solche Kombination ist gut vorstellbar.»

Im September soll der Gestaltungsplan den Gemeinden präsentiert werden. Verläuft alles reibungslos, erfolgt noch in diesem Jahr die Eingabe für die kantonale Vorprüfung sowie der Start des Mitwirkungsverfahrens. Im Sommer 2021 könnte ein bewilligter Gestaltungsplan vorliegen.

Parallel zu diesem Verfahren wird in einem separaten Projekt das Baufeld vorbereitet. Der Untergrund sei recht anspruchsvoll, sagt Römer und verweist auf die bestehenden Mäuerchen, Fundamente und Gruben. Es stelle sich die Frage, was abgebrochen oder abgetragen, aufgefüllt oder überbaut werden kann. «Hier laufen verschiedene Überlegungen.»

Solche Ansiedlungsprojekte können lange dauern

Römer kümmert sich mittlerweile seit acht Jahren um die Entwicklung des Reichhold­areals. Langweilig, antwortet er auf die entsprechende Frage, ist es ihm noch nie geworden. «Es ist hoch spannend, welche Themen hier zusammenkommen.» Auch die Coronapandemie habe die Grundeigentümerin nicht daran gehindert, die Tätigkeiten mit voller Kraft voranzutreiben, versichert er.

Ansiedlungsprojekte in dieser Grössenordnung mit verschiedensten Involvierten, ist sich Römer bewusst, können lange dauern. Als angenehm bezeichnet er die Zusammenarbeit und den Austausch mit den Gemeindebehörden und dem Kanton, das Interesse der Bevölkerung. «Wir sind optimistisch, dass wir für ein solches Areal in dieser Grösse an Toplage attraktive Nutzer finden werden», sagt er und erwähnt die fast unbegrenzten Möglichkeiten bei der Ausgestaltung der Räumlichkeiten, die Lage direkt am Autobahndreieck, den Gleisanschluss oder die geplante Bushaltestelle auf dem Areal. «Auch ich freue mich darauf, wenn die ersten Bagger auffahren und wieder Leben einkehren kann.»

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