Brugg

38 Jahre Polizist: Repol-Chef Heiner Hossli geht in Pension – das bleibt in Erinnerung

Über elf Jahre lang war Heiner Hossli Chef der Regionalpolizei Brugg. Zuvor war er lange tätig für die Kantonspolizei Aargau. Ein Blick zurück auf seine Karriere.

Wenn Oberleutnant Heiner Hossli am 31. Januar in Pension geht, endet eine 38-jährige Polizistenkarriere. Eine Karriere, auf die der Chef der Regionalpolizei Brugg stolz zurückblickt. Schlimmes hat er erlebt, aber auch Erheiterndes. «Ich würde heute wieder denselben Beruf wählen», sagt Heiner Hossli beim Gespräch mit der AZ im Rapportraum der Repol in Brugg. In diesem Monat wird er 65 Jahre alt. Er macht einen gelösten Eindruck, langsam scheint der Druck der Verantwortung von den Schultern des grossgewachsenen Repol-Chefs zu fallen. Viele Erinnerungen aus seiner Karriere kommen hoch.

Als junger Kantonspolizist hat er beispielsweise erlebt, wie ein älteres Ehepaar aufgelöst einen Einbruch meldete. Sofort rückten die Patrouillen aus. «Das Ehepaar sagte uns, dass es ein Couvert mit Geld drin nicht mehr findet», erzählt Heiner Hossli. «Einbruchspuren konnten wir allerdings keine feststellen.» Die Polizisten hätten sich daraufhin auf die Suche nach dem Couvert gemacht und es schliesslich gefunden. «Es stellte sich heraus, dass das Paar das Geld einfach so gut versteckt hatte.» Nicht jeder Einsatz in seiner Karriere hatte ein solches glimpfliches Ende.

Heiner Hossli, was hat sie in 38 Dienstjahren am meisten bewegt?

Heiner Hossli, was hat sie in 38 Dienstjahren am meisten bewegt?

Der abtretende Chef der Regionalpolizei Brugg im Interview.

Besonders nahe gegangen sind Heiner Hossli Unfälle mit Kindern. «Eltern zu sagen, dass ihr Kind tödlich verunglückt ist, ist eine der schwierigsten Aufgaben als Polizist», sagt Heiner Hossli. Er habe das leider mehrmals erleben müssen. Noch heute kommen die Erinnerungen in ihm hoch, wenn er an einer entsprechenden Unfallstelle vorbeifährt.

Um solche schlimmen Ereignisse verarbeiten zu können, habe ihm das Reden mit den Arbeitskollegen, aber auch mit der Partnerin geholfen. «Je länger ich den Job gemacht habe, desto besser ist mir das Verarbeiten gelungen», sagt er. Wertvoll war für ihn stets der Austausch mit den Musikern im Spiel der Kantonspolizei Aargau, dem er seit dem Beginn seiner Polizeikarriere angehört. «Meine Familie sagte mir beim Üben, dass man an den Tönen meines Euphoniums anmerkt, wie es mir geht.» Heiner Hossli hat dazu beigetragen, dass die Polizeimusik im Turnus an den Jugendfesten in Brugg, Aarau und Zofingen teilnimmt.

Vom Metzger zum Polizisten

Aufgewachsen ist Hossli im Fricktal. Er machte eine Lehre als Metzger, bekundete aber je länger je mehr Mühe mit dem Töten der Tiere. Er wechselte in den Verkauf, führte in der Steinen Vorstadt in Basel gar eine Metzgerei-Filiale. Später arbeitete er noch in Rheinfelden, merkte aber, dass ihn der Job nicht ausfüllt. Da kam das Inserat der Kantonspolizei Aargau genau richtig. 1979 bewarb er sich nebst vielen anderen erfolgreich für die Ausbildung. Sein Antrieb: «Ich wollte etwas zur Sicherheit in unserer Gesellschaft beitragen.»

Am 1. April 1980 nahm Heiner Hossli die Ausbildung in Angriff. Jede freie Minute verbrachte er damit, die verschiedenen Gesetze zu lernen. «Das war sehr anspruchsvoll», erinnert er sich. Die Schreibmaschine mussten die angehenden Polizisten übrigens selber in die Schule mitnehmen. «Darauf haben wir das Zehn-Finger-System gelernt», sagt Heiner Hossli und schmunzelt. Die Polizeischule galt damals als härteste Schulbank im Aargau.

Die Kantonspolizei Aargau stand zu dieser Zeit unter dem Kommando von Oberst Léon Borer. Die Ausbildung dauerte bis Ende März 1981. Danach wechselte Heiner Hossli ins Amtshaus in Aarau, wo er bis 1989 die ersten Erfahrungen an der Polizeifront sammeln und das Polizeihandwerk vertiefen konnte.

Flugbegleiter bei der Swissair

Eine ganz besondere Zeit waren die Monate Dezember 1989 und Januar 1990, in denen Heiner Hossli Flüge der Swissair begleitete. Nach etlichen Flugzeugentführungen in den 1970er-Jahren, beschloss der Bundesrat, Kantonspolizisten und Angehörige des Grenzwachtkorps als zivile Flugbegleiter einzusetzen, um die Sicherheit an Bord zu erhöhen. Später, nach den Anschlägen vom 11. September 2001, wurden auch Armeeangehörige eingesetzt.

Für Heiner Hossli war es eine spannende Zeit – und eine schlaflose. «Während des Fluges durften wir nicht schlafen», erklärt er. «Und nachher wollte ich doch noch etwas sehen vom Ort, wo wir gerade waren.» Auf welchen Flügen er überall zum Einsatz kam, darf er aus Gründen der Geheimhaltung nicht sagen. Mit diesen Einsätzen entdeckte Heiner Hossli das Fliegen für sich, vorher sei dies nie Thema gewesen.

Ab Frühjahr 1990 konnte Heiner Hossli die interne Kaderausbildung bei der Kapo absolvieren, welche 9 Monate dauerte. Darin einbegriffen war unter anderem auch ein Stage bei der Kantonspolizei Zürich. 1991 wurde er stellvertretender Postenchef in Baden, wo er erste Erfahrungen in einer polizeilichen Führungsposition machte. 1998 wechselte Heiner Hossli als Postenchef nach Niederrohrdorf. Die Herausforderung reizte ihn, weil er zusammen mit der Gemeinde die neuen Räumlichkeiten des Polizeipostens von Grund auf gestalten konnte. «Aufbauarbeit liegt mir», sagt er.

Jobtausch führte nach Brugg

Zu einer Jobrotation kam es im Jahr 2004, als Heiner Hossli den Platz mit dem Postenchef in Brugg tauschte. Nach einem Jahr fanden beide, dass es ihnen am neuen Ort so gut gefällt, dass der Jobtausch definitiv wurde. «Brugg war grösser, hier sah ich mehr Entwicklungsmöglichkeiten», sagt Heiner Hossli. Dazu kam, dass die Bezirksstrukturen bei der Kantonspolizei aufgehoben und Zentren gebildet wurden. Mit dem Norden, also in Brugg, begann man mit der Umstrukturierung. Stellvertreter von Hossli war damals der heutige Kapo-Mediensprecher Roland Pfister.

In dieser Zeit arbeitete Heiner Hossli auch eng mit Werner Friedli zusammen, der zu dieser Zeit den Wechsel von der Stadtpolizei Brugg in die Regionalpolizei Brugg begleitete und umsetzte. «Er hat das sehr gut geplant und gestartet», sagt Hossli. Als Friedlis Stelle frei wurde, bewarb sich Hossli, der sich vom Job noch andere Aufgaben erhoffte, die er bei der Kapo nicht hatte: die Rekrutierung von neuen Mitarbeitern, das operative Geschäft sowie die Finanzierung. «Zudem reizte mich, dass der Aufbau der neuen Regionalpolizei noch nicht abgeschlossen war, auch neues Personal fehlte noch», erinnert sich Hossli.

Per 1. November 2007 übernahm er die Nachfolge von Werner Friedli. Zu seinen Aufgaben gehörte damals auch das Erarbeiten eines einheitlichen Polizeireglements. «Es war nicht einfach, jede Gemeinde davon zu überzeugen. Zudem hatten die ländlichen Gemeinden andere Bedürfnisse als die eher städtischen.» Im November 2008 wurde das Reglement in Kraft gesetzt. 2016 musste es wegen Gemeindefusionen und Veränderungen in der Gesellschaft revidiert werden. Eine weitere Herausforderung war der Umbau des Polizeigebäudes an der Unteren Hofstatt und der Umzug der Regionalpolizei von der «Alten Post» an den heutigen Standort im Kornhaus im Jahre 2011.

Der Wandel der Gesellschaft hatte in den letzten Jahren einen grossen Einfluss auf den Polizeiberuf. «Grundsätzlich stelle ich fest, dass der Polizei gegenüber weniger Respekt erbracht wird. Tätliche Angriffe sind häufiger geworden», sagt Heiner Hossli. Dazu komme das veränderte Freizeitverhalten. «Heute erhalten Clubs Betriebsbewilligungen bis um 4 Uhr morgens. Entsprechend haben Ruhestörungen und Vandalismus zugenommen.»

Nahe am Schusswaffeneinsatz

Einen besonders hektischen Tag musste der Repol-Chef genau heute vor einem Jahr erleben. Der 8. Januar 2018 war für die Repol herausfordernd. Am Morgen waren Mitarbeitende der Repol bei einem Tötungsdelikt von zwei Frauen als Erste am Tatort in Hausen. Über Mittag wurde die Repol von einem Mann in psychischen Ausnahmezustand angegriffen.

Zuerst beschädigte er auf dem Parkplatz ein Patrouillenfahrzeug. Dann stürmte er mit einem Langmesser auf den Posten und wütete da. Teile des Schalters und ein Bild gingen kaputt. «In vorbildlicher Zusammenarbeit mit der Kapo, der Grenzwache und der Stadtpolizei Baden mit Hundeführer, konnte die Situation gelöst und der Täter verhaftet werden», sagt Heiner Hossli. «Ich bin froh, dass die Schusswaffe als letztes Mittel nicht eingesetzt werden musste.» Der Fall sei innerhalb des Teams gut verarbeitet worden.

Mehr Sorgen bereitete Hossli in seiner Karriere die Gesundheit seiner Mitarbeitenden, beispielsweise der schwere Töffunfall eines Polizisten. Eine Herausforderung sei auch die Rekrutierung von Personal gewesen. «Der Markt ist ausgetrocknet», sagt er.

Hin und wieder eine schlaflose Nacht hatte er wegen längeren Prozessen wie Budgetierung oder den neuen Verträgen mit den Gemeinden. Aber letztlich sei der Job als Repol-Chef sehr abwechslungsreich und spannend gewesen, auch, weil das Einsatzgebiet relativ gross ist. Eine Besonderheit der Repol Brugg ist die Flussrettung. Auf diese ist Hossli besonders stolz, zumal der Repol im Juni 2016 die Rettung eines vierjährigen Mädchens gelang.

Wie Heiner Hossli betont, war es für ihn wichtig, mit der Bevölkerung, den Behörden, den Partnerorganisationen und auch mit den Mitarbeitenden einen respektvollen Umgang zu pflegen und einvernehmliche Lösungen zu finden. «Diese Haltung war sicher die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit», meint er und habe dazu geführt, dass die Repol als verlässlicher Partner wahrgenommen wird.

Reisen und musizieren

Als Pensionär wird Heiner Hossli weiterhin Musik – in der Polizeimusik und bei den Staufberg-Musikanten – machen. Zudem will er mehr Zeit dem Töfffahren mit seiner Gold Wing widmen und mit seiner Partnerin auf Reisen gehen. Auf dem Programm stehen zum Beispiel Vietnam, Island und Australien.

Die zwei Grosskinder, die in Nordirland leben, möchte er ebenfalls häufiger besuchen. Zurücklehnen und die Beine hochlagern, das passe nicht zu ihm. «Ich fühle mich noch sehr gut und fit», sagt er. Ein Teilzeitjob könne er sich gut vorstellen. Was genau, lässt er noch offen.

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