Windisch

35 Jahre lang war Edlef Bandixen Pfarrer– jetzt lässt er sich frühpensionieren

Der bunte Mix an Aufgaben in seinem Beruf als Pfarrer hat Edlef Bandixen all die Jahre begeistert.

23 Jahre lang war der gebürtige Schaffhauser für die reformierte Kirchgemeinde Windisch da. Nun geht der vielseitig interessierte Theologe auf Weltreise.

Das «Markenzeichen» von Pfarrer Edlef Bandixen sind seine Predigten. Er schreibt sie nicht auf, er hält sie ganz ohne Manuskript, dafür aber immer mit dem Blick auf die Menschen. «So kann ich die Gegenwart mit in meine Predigt einfliessen lassen», erklärt er sein Vorgehen.

Das kommt bei der Gemeinde an. «Die Gottesdienste werden bei allen Pfarrern überdurchschnittlich besucht, die Gemeindemitglieder sind sehr interessiert und machen gut mit und ich habe hier für mich immer eine Perspektive gesehen», sagt der Theologe einleitend.

Entspannt und mit einem Lächeln im Gesicht setzt sich Edlef Bandixen, 63, an den runden Tisch des Pfarrzimmers der Kirche Hausen und erinnert sich an seine insgesamt 35 Jahre als Pfarrer, 23 Jahre davon in Windisch.

Dabei schaut er mit seinen blauen Augen interessiert nach vorn und gibt seinem Gegenüber das Gefühl, in diesem Moment nur für ihn da zu sein. «Ich war gerne Pfarrer», betont er gleich vorneweg.

Es sei schön und spannend gewesen, mit den Menschen in einer Art Krisensituation wie Geburt, Taufe, Konfirmation, Pubertät, Heirat, Krankheit und Tod zusammen zu kommen. «Ich habe mich dabei sehr wohl gefühlt, diese speziellen Momente mit den Menschen zu teilen», sagt er.

Die Theologie als Beruf, die Mathematik als Hobby

Spezielle Momente und Erlebnisse haben Edlef Bandixen zur Theologie gebracht, denn er ist weder in einer religiösen Familie aufgewachsen, noch wurde er als Kind getauft. Als Schaffhauser Kantonsschüler trat er einer Jugendgruppe bei und wurde zusammen mit einem Freund relativ schnell Wortführer.

Das sei eine Horizonterweiterung gewesen, denn die Frage nach dem Sinn des Lebens habe ihn sehr beschäftigt, meint Bandixen.

Als Austauschstudent war er dann für ein Jahr in Amerika und hatte dort weitere religiöse Erfahrungen gesammelt, zum Beispiel liess er sich taufen. Somit entschied er sich drei Monate vor der Matura bewusst dazu, Theologie in Basel zu studieren und die Mathematik, die ihn ebenso stark interessierte, von nun an zu seinem Hobby zu machen.

Bis heute programmiert er sporadisch leidenschaftlich gerne. Im Studium lernte er dann seine Frau Claudia kennen. Nach dem Vikariat im Kanton Baselland trat er mit ihr gemeinsam seine erste Stelle in Buchberg-Rüdlingen im Kanton Schaffhausen an. Fünf Jahren später lockte die weite Welt und das Paar zog zusammen mit seinen beiden Kindern 1990 für sechs Jahre nach Chile.

«Dort habe ich mir dann das Spontane angewöhnt», kommt Bandixen auf seine Art zu Predigen zurück. «Das musste ich mir allerdings richtig erarbeiten», gibt er zu bedenken. In Chile kam ihr drittes Kind zur Welt.

Zurück in der Schweiz ging das Paar beruflich dann getrennte Wege. Seine Frau wurde Präsidentin der Aargauer Landeskirche und später Direktorin der Mission 21, er wurde Pfarrer in der reformierten Kirchgemeinde Windisch, zu der auch die Gemeinden Hausen, Habsburg und Mülligen zählen.

Während der ganzen Jahre begeisterte ihn immer der Mix seiner Arbeit aus Seelsorge, Spitalbesuchen, Unterricht mit Jugendlichen, Gottesdienste und die Erwachsenenbildung. Eines ist ihm aber besonders wichtig, die Enge «aufzubrechen» mit Geschichten aus der weiten Welt. Schon in der Bibel steht (Galater 3, 28): «Es gibt nicht mehr Juden, noch Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.»

Ein beeindruckend grosses Wissen

Bandixen ist vielseitig interessiert: an Astronomie, Biologie, Geschichte, Philosophie, an Literatur, Wissenschaft und Zeitgeschichte. Sigristin Ruth Kälin, die in dem Moment den Raum betritt, beschreibt Bandixen als sehr spannenden Menschen, der äusserst hilfsbereit sei und ein beeindruckend breites Wissen habe.

Warum stehe ich am Morgen überhaupt auf? Was ist meine Aufgabe in der Welt? Mit solchen religiösen Fragen assistierte der energiegeladene Theologe gerne den Menschen dabei, ihr Leben neu zu sehen. Er bedauert allerdings, dass die gesellschaftliche Bedeutung der Kirche in der heutigen Zeit abgenommen hat.

Nun verlässt Edlef Bandixen die Gemeinde, denn er lässt sich frühpensionieren und geht Ende Oktober für acht Monate zusammen mit seiner Frau Claudia auf Weltreise. «Wir reisen in Länder, die wir noch nicht kennen: Kambodscha, die Philippinen, Australien, Neuseeland, Tahiti, Hawaii, und zum Schluss besuchen wir meinen Studienfreund in Seattle.»

Danach werden sie noch zehn Monate in ihrer Ferienwohnung in Spanien verbringen und erst dann – zum Eintritt des offiziellen Pensionsalters – wieder zurück in die Schweiz, in ihr Haus nach Basel, ziehen. Dort wohnen bereits ihre drei Kinder.

Momentan räumt das Paar das Pfarrhaus aus. «Wir schmeissen gerade vieles weg», sagt Bandixen. Denn ein neuer Abschnitt steht bevor. Dem Pfarrer wird das positive Entgegenkommen der Menschen in seinem zukünftigen Alltag fehlen.

«Ich freue mich aber darauf, nur noch Privatperson zu sein», schliesst Edlef Bandixen mit einem leichten Augenzwinkern. Das Humorvolle, das Spontane, das Weltoffene, die Neugierde und das dem Menschen Zugewandte wird ihm sicher bleiben.

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