Region Brugg

34 Jahre lang wurde Leo Bussmann bei verrussten Heizungen gerufen – jetzt geht er in Pension

Kaminfegermeister Leo Bussmann posiert in Arbeitskleidung, mit Leiter und Werkzeug vor seinem Haus.

Kaminfegermeister Leo Bussmann posiert in Arbeitskleidung, mit Leiter und Werkzeug vor seinem Haus.

Kaminfegermeister Leo Bussmann geht in Pension, auf ihn folgen Andreas Leutwyler und Kilian Jegen.

Die Feuerungskontrollen von Öl-, Gas- oder Holzheizungen führt der Mann in Schwarz mit dem schlohweissen Haar bis Ende Dezember in Brugg und Hausen noch durch. Dann ist Schluss. 34 Jahre lang amtete der gebürtige Luzerner in der Region Brugg als Kaminfegermeister, beschäftigte anfänglich vier bis fünf Mitarbeiter, bildete fünf Lehrlinge aus und wurde alle vier Jahre in seinem Amt durch die verschiedenen Gemeinderäte bestätigt. Nachfolger für Brugg wird Andreas Leutwyler aus Ehrendingen und in Habsburg, Hausen und Windisch wird Kilian Jegen aus Baden tätig sein.

«Ich bin froh, Verantwortung abgeben zu können, und freue mich auf mehr Freizeit», sagt Leo Bussmann. Ski- und Velofahren möchte er vermehrt, aber auch Wanderungen mit seiner Frau Heidi unternehmen. Die stolzen Grosseltern freuen sich ausserdem auf mehr Zeit mit der knapp fünfmonatigen Enkelin Tina. Leo und Heidi Bussmann sind ein eingespieltes Team, beruflich wie privat: «Dank ihr konnte ich meine Einzelfirma führen, sie unterstützt mich tatkräftig», sagt Leo Bussmann. Auch am Interviewmorgen klingelt das Telefon einige Male. Es sind Kunden, die einen Termin abmachen möchten. «Die vielen Telefonate und der Kontakt mit den Kunden werden mir schon fehlen», sagt Heidi Bussmann.

Er musste im Revier wohnen

Im Oktober 1983 startete Kaminfegermeister Leo Bussmann mit seiner Einzelfirma. Beworben hatte er sich auf die Kaminfegerstelle in Villnachern, als Nachfolger von Jakob Stahel. Mit ihm bewarb sich auch dessen Sohn, der Bussmann im Auswahlverfahren unterlag. «Das passte der Familie nicht, denn mit dem Junior wäre die 3. oder 4. Generation Kaminfeger am Start gewesen», erklärt Leo Bussmann. Die Familie rekurrierte, verlor aber.

Bussmann kümmerte sich fortan um die Gemeinden Villnachern, Habsburg, Hausen, Windisch, Umiken, Effingen, Elfingen und Bözen. Dieses Revier war durch den Regierungsrat festgelegt und der Kaminfegermeister musste im Revier wohnen. «Deshalb zogen wir an die Unterdorfstrasse nach Hausen», erzählt der Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Immenser Zeitverlust am Bözberg

Die Bastelräume wurden kurzerhand zu Garderobe mit Dusche und WC umgebaut, auf den Abstellplätzen in der Garage das Material gelagert. Ein weiterer Meilenstein folgte 1987, als die Familie Bussmann ins eigene Haus an der Hauptstrasse 53 in Hausen zog.

Mit dem neuen Brandschutzgesetz 1989 gab es auch für Leo Bussmann einige Veränderungen. Fortan wurde er von den verschiedenen Gemeinden gewählt und konnte auch sein Arbeitsrevier aussuchen. «Wir gaben die drei Gemeinden Effingen, Elfingen und Bözen ab und konnten Brugg dazugewinnen.» Der Grund dafür war verkehrstechnisch begründet: «Damals gab es den A3-Abschnitt zwischen Brugg und Frick noch nicht. Jeden Morgen hinter beladenen Lastwagen herzufahren, bedeutete einen immensen Zeitverlust. So arbeiteten wir nicht mehr auf der anderen Seite des Bözbergs an der Sonne, sondern im nebligen Brugg», sagt Leo Bussmann und lacht. Eine weitere Änderung betrafen die sogenannten Reinigungsfristen: War es früher üblich, die Anlage zweimal jährlich zu reinigen, so durfte dies nur noch einmal pro Jahr geschehen.

Leo Bussmann musste Mitarbeiter entlassen. Einer, der seit 30 Jahren mit ihm arbeitet, ist Sepp Iten. Er wird weiterhin in der Region tätig sein, und zwar neu als Angestellter von Kilian Jegen.

Mini-Kaminfeger für die Kunden

Zur Arbeit des Kaminfegers gehört die Reinigung von Feuerungsanlagen aller Art, Reinigung und Wartung von Lüftungsanlagen, Brandschutz- sowie Umweltschutzberatung und die Feuerungskontrollen. «Würde man diese Arbeit in einer Firma machen, täte man dies nicht sehr lange», ist Leo Bussmann überzeugt. Der Kundenkontakt, gepaart mit einer abwechslungsreichen Tätigkeit, mache diesen Beruf interessant.

3621 Anlagen betreut Bussmanns Firma; viele Anlagen werden allerdings nur sporadisch gereinigt. «Und jetzt im Winter kann es auch den einen oder anderen Notfall geben. Etwa wenn Heizungen total verrusst sind. Da rücken wir auch nach Feierabend noch aus», erklärt er.

Als Glücksbringer werden die Kaminfeger gehandelt. «Da kommt es schon mal vor, dass die Leute die Arbeitskleidung berühren wollen. Als junger Mann ist mir das komisch vorgekommen, heute nicht mehr.» Damit einem das Glück hold bleibt, verteilt Leo Bussmann jeweils Mini-Kaminfeger an die Kundschaft. Dieser spricht er seinen Dank für das Vertrauen und den Behörden für die gute Zusammenarbeit aus.

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