Windisch

2005 wurde ihr Haus zerstört - nun schwillt die Reuss wieder bedrohlich an

Rosmarie und Walter Müller gestern Mittag auf der Brücke vor ihrem Haus (rechts). Der Pegelstand der Reuss war nicht besorgniserregend. Für die Nacht wurden allerdings starke Regenfälle gemeldet.

Rosmarie und Walter Müller gestern Mittag auf der Brücke vor ihrem Haus (rechts). Der Pegelstand der Reuss war nicht besorgniserregend. Für die Nacht wurden allerdings starke Regenfälle gemeldet.

Der Aargau rüstet sich nach den Wetterprognosen gegen Hochwasser. Bewohner von Unterwindisch, das 2005 überflutet worden war, hoffen auf Hochwasserschutzsperren entlang der Reuss. Unter ihnen Rosmarie und Walter Müller, deren Haus 2005 zerstört wurde.

«Die Reuss ist im Parterre, wir sind im Estrich.» Das sagte Rosmarie Müller ihren Arbeitskollegen am 23. August 2005 am Telefon. Kurz zuvor hatte es einen Knall gegeben, die Reuss schoss ins Haus und bahnte sich einen Weg durch Küche und Stube und Schlafzimmer. Die Windischer Familie flüchtete in den Estrich. Es sollte zwei Stunden dauern, bis Walter und Rosmarie Müller mit einem Schlauchboot abgeholt wurden. Sieben Monate lang konnten sie nicht mehr ins Haus zurück. Sie verloren vieles, woran ihr Herz hing.

Blick auf Unterwindisch am 24. August 2005, im roten Kreis das Haus der Familie Müller.

Blick auf Unterwindisch am 24. August 2005, im roten Kreis das Haus der Familie Müller.

Mittlerweile gibt es in Unterwindisch Wasserschutzelemente. Letzte Woche hat die Feuerwehr diese montiert. Sie bleiben vorläufig. Denn die Hochwassergefahr für Unterwindisch ist noch nicht gebannt.

Die Reuss in der Stube

Das pensionierte Ehepaar Müller lebt nun also hinter Hochwasserschutzwänden. Das Rauschen der Reuss ist hörbar. Bedrohlich war es gestern kurz vor dem Mittag allerdings nicht, als Walter Müller den Grill einheizte fürs Zmittag.

Trotzdem sagt seine Frau: «In Momenten wie diesen möchte ich am liebsten wegziehen.» Denn wer könne ihr schon garantieren, dass es zu keiner Überschwemmungen komme? Auch ihr Mann ist nicht restlos überzeugt, dass die Reuss nicht doch einen Weg finden könnte, um das Haus zu fluten. Zwar kennt er sich mit hohen Pegelständen aus und hat mehr als einmal in seinem Leben Sandsäcke gestapelt – schliesslich ist er in diesem Haus aufgewachsen. Niemals aber hätte er damit gerechnet, dass die Reuss mit einer derartigen Wucht kommen würde. Das Album auf dem Küchentisch erinnert an die Zerstörung.

Rosmarie Müller sagt deshalb: «Ich fühle mit den Leuten im Emmental.» Für sie sei nach der Flut das Wichtigste gewesen zu erleben, dass man nach einem solchen Unglück nicht alleine dastehe. Und so zeigt das Album dann auch die vielen Menschen, die halfen den Schlamm wegzuschaufeln und so dazu beitrugen, das überschwemmte Windischer Unterdorf wieder bewohnbar zu machen.

Die Aare im Keller

Doch die Reuss ist nicht der einzige Fluss, der Müllers bedroht. Im Keller drückt zusätzlich das Wasser der Aare rein. Es ist Grundwasser und so klar, dass man es trinken könnte. Gegen die Aare sind Müllers aber besser gerüstet: Sobald sich der Schacht im Keller mit Wasser füllt, wird das Wasser automatisch nach draussen gepumpt. Der Schlauch, durch den das Wasser abfliesst, war in den letzten Tagen mehrmals im Einsatz.

Wallbach: Auch im unteren Fricktal müssen die Beaver-Elemente vielleicht kurz nach dem Rückbau wieder aufgebaut werden.

Wallbach: Auch im unteren Fricktal müssen die Beaver-Elemente vielleicht kurz nach dem Rückbau wieder aufgebaut werden.

Nun bleibt dem Ehepaar nichts anderes übrig, als abzuwarten. Rosmarie Müller ist froh, wenn ihr Mann abends zu ihr sagt: «Du kannst ins Bett, es ist ruhig, alles ist gut.» Besonders gut schlafen wird sie trotzdem nicht.

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