Auf offener Strasse erschoss Afrim M. im April 2009 seine Frau. Sie wartete in Riniken auf das Postauto, als ihr Mann mit einem Revolver fünf Schüsse auf die Mutter der drei gemeinsamen Kinder abfeuerte. Der Staatsanwalt sprach im Jahr 2013, beim ersten Prozess gegen den Kosovaren, von «einer öffentlichen Exekution».

Die Frau hatte nach dem Ende der von Streit und Gewalt geprägten Beziehung getrennt von ihrem Mann gelebt. «Die Ehre der Familie ist grösser als alles andere», sagte er kurz nach der Tat seiner Mutter am Telefon. Das Bezirksgericht Brugg verurteilte den Kosovaren 2013 wegen Mordes zu 20 Jahren Freiheitsstrafe und einer vollzugsbegleitenden ambulanten psychotherapeutischen Massnahme.

Kein mildes Urteil

Kein mildes Urteil

Der Mörder von Riniken ist heute vor dem Aargauer Obergericht gestanden. Der Angeklagte erhoffte sich ein mildes Urteil, was er aber nicht bekam.

Zufrieden damit war weder die Staatsanwaltschaft noch die Verteidigung – sie zogen das Urteil weiter. Das Obergericht wies allerdings beide Berufungen ab. Weil dem Beschuldigten dabei das rechtliche Gehör nicht gewährt worden ist – die Vernehmlassung der Staatsanwaltschaft zur Berufungsantwort sei ihm nicht zugestellt worden –, hob das Bundesgericht den Entscheid des Obergerichts allerdings wieder auf.

Kinder verziehen ihrem Vater

Deshalb muss der Fall am Dienstagmorgen nochmals behandelt werden. Zwei Kantonspolizisten bringen Afrim M. in den Gerichtssaal. Er trägt einen dunklen Anzug und sagt: «Mir geht es gut.» Im Gefängnis habe sich ihm ein neues Kapitel in seinem Leben geöffnet. Stellt die Richterin eine Frage, beugt er sich leicht nach vorne, hört aufmerksam zu.

Die Dolmetscherin sitzt da, kommt aber nicht zum Einsatz. Der Beschuldigte spricht Deutsch – und viel. Wortreich beschreibt er seinen Alltag im Gefängnis. Um 6 Uhr stehe er auf, verteile das Essen an die anderen Gefangenen, arbeite tagsüber im technischen Dienst. Velos, Spielzeug, Kinderwagen – er repariere alles Mögliche.

Ein öffentlicher Tatort: An der Bushaltestelle in Riniken erschoss Arfim M. 2009 seine Ehefrau. (Archiv)

Ein öffentlicher Tatort: An der Bushaltestelle in Riniken erschoss Arfim M. 2009 seine Ehefrau. (Archiv)

Auf die Frage, welche Pläne er für die Zeit nach dem Gefängnis habe, antwortet Afrim M.: Eine Zukunft aufbauen, für die Kinder da sein, nie wieder gegen das Gesetz verstossen. Zu seinen zwei Söhnen und der Tochter habe er Kontakt. «Sie haben mir verziehen.» Das bestätigt auch sein Anwalt: Die Kinder pflegten ein sehr enges Verhältnis zum Vater, besuchten ihn im Gefängnis.

Wie gefährlich ist der Täter?

Umstritten vor Gericht sind die Fragen, ob die Tat geplant war und wie gefährlich Afrim M. ist. Sein Verteidiger betont: «Er hatte keinen Plan, seine Frau zu töten.» Die Tat sei «aus dem Momentum» geschehen, nachdem sie ihm am Telefon gedroht hatte, er sehe die Kinder nicht mehr.

Der Staatsanwalt widerspricht: Allein schon das davor erstellte Testament spreche gegen ein ungeplantes Vorgehen. Auch die Gefährlichkeit von Afrim M. hält er nach wie vor für gross und beantragt die Verwahrung.

Dagegen wehrt sich der Verteidiger. «Die Gefahr von weiteren schweren Delikten besteht nicht. Er hat mit sich und der Welt Frieden geschlossen.» Stattdessen fordert er, Afrim M. wegen vorsätzlicher Tötung zu verurteilen und die Freiheitsstrafe zu verkürzen.

Doch das Obergericht bestätigt die 20 Jahre Freiheitsstrafe wegen Mordes und lehnt die Verwahrung ab. Den definitiven Entscheid dürfte nun das Bundesgericht fällen. Der Verteidiger sagt kurz nach dem Prozess, er gehe davon aus, dass das Urteil weitergezogen werde.

Mordfall in Riniken

Mordfall in Riniken (TeleM1 13.12.2012)