«Mülligen – das Walddorf an der Reuss», lautet der offizielle Slogan. Dieser Wald aber will gepflegt sein. Rund 100 Hektaren sind es auf dem Gemeindegebiet, davon befinden sich 40 Hektaren im Besitz der Ortsbürgergemeinde. Die Krux: Die Holzpreise sind im Keller, die Waldwirtschaft ist seit einiger Zeit ein defizitäres Geschäft. Die Ortsbürgergemeinde musste die forstwirtschaftlichen Aufgaben deshalb über die Forstreserve finanzieren. Diese wurde 2014 restlos aufgebraucht.


Im November 2014 beschloss die Ortsbürgergemeindeversammlung, die im Budget 2015 vorgesehenen Leistungen zu streichen. Mit anderen Worten: Der Holzschlag im Löh, inklusive Waldrandpflege, wurde wegen des finanziellen Engpasses nicht ausgeführt.

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Gemeinde steht in der Pflicht

Der Gemeinderat schlägt der Gemeindeversammlung vor, den Unterhalt und die Pflege des Waldes mit einem sogenannten «Waldbatzen» zu finanzieren. Die Rede ist von einem jährlichen Beitrag von 20 Franken pro Einwohner.


«Als Gemeinde sind wir verpflichtet, den Wald zu schützen, zu bewirtschaften und zu pflegen», sagt Gemeindeammann Ueli Graf. «Es handelt sich nicht nur um eine Vorgabe für die Ortsbürgergemeinde, sondern um eine gemeinsame Aufgabe.» Graf verweist auf den im Jahr 2012 unterzeichneten forstwirtschaftlichen Betriebsplan, mit dem – unter anderem – der Pflichthiebsatz festgelegt wird. «Wir stehen in der Verantwortung und wird müssen den vorgeschriebenen Holzschlag sowie die anstehenden Waldpflegearbeiten durchführen lassen.» Mit einem Pro-Kopf-Beitrag der Einwohnergemeinde kämen – bei 1050 Einwohnern – 21 000 Franken zusammen. «Damit könnte der Pflichthiebsatz ausgeführt werden.»


Zeitpunkt für Fusion nicht reif

Die Mitglieder einer Arbeitsgruppe, die sich mit der Zukunft der Ortsbürgergemeinde befasst, sprachen sich bereits 2012 für einen «Waldbatzen» aus. Ein solcher Beitrag wurde schon in früheren Jahren ausgerichtet, damals in der Höhe von 10 Franken.


Eine andere Möglichkeit eines künftigen Weges wäre eine Zusammenlegung von Ortsbürger- und Einwohnergemeinde. Dafür scheine der Zeitpunkt allerdings noch nicht reif, sagt Gemeindeammann Graf. Sowieso: Die Initiative müsste von den Ortsbürgern kommen und nicht von ihm als Gemeindeammann. Aber selbst bei einer Fusion, betont Graf, könne sich die Gemeinde beim Waldunterhalt und bei der Waldpflege nicht aus der Verantwortung stehlen.

Will heissen: Ob die 40 Hektaren Wald der Ortsbürger- oder der Einwohnergemeinde gehören, spiele keine grosse Rolle. «Die Arbeiten fallen gleichwohl an und kosten genau gleich viel.»
Bei der Debatte um den Pro-Kopf-Betrag darf laut Graf nicht vergessen gehen, dass die Ortsbürgergemeinde in der Vergangenheit einige Projekte der Gemeinde finanziell unterstützt hat. Als Beispiel nennt er den Beitrag an den Bau der Mehrzweckhalle oder die Landverkäufe. Die Ortsbürgergemeinde habe damit mitgeholfen, das Dorf zu gestalten und zu entwickeln.


Zweiter Anlauf für Waldbatzen

Der jährliche Pro-Kopf-Beitrag an die Ortsbürgergemeinde stand bereits an der Gemeindeversammlung im letzten November zur Diskussion. Gestellt wurde damals der Antrag aus der Versammlung, dieser Waldbatzen sei lediglich für das Jahr 2016 zu sprechen.
In der Abstimmung wurde der Antrag des Gemeinderats dem abweichenden Antrag aus der Versammlung gegenübergestellt. Ersterer obsiegte zwar klar mit 70 zu 29 Stimmen.

Allerdings ging in der Folge unter, den Antrag des Gemeinderats in der Schlussabstimmung genehmigen zu lassen. «Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, die den Antrag des Gemeinderats ablehnen wollten, konnten ihren Willen nicht äussern», erklärt Graf. Nach einer Anfrage aus der Bevölkerung sowie nach Rücksprache mit dem Rechtsdienst der Gemeindeabteilung des Kantons Aargau habe der Gemeinderat beschlossen, das Geschäft noch einmal zu traktandieren. «So schaffen wir eine saubere Grundlage.» Weiter entscheidet die Gemeindeversammlung über die Rechnung 2015, eine Kreditabrechnung sowie eine Einbürgerung.