Brugg

19 Jahre in der Kirchgemeinde: Pfarrer Suter engagierte sich über den Beruf hinaus

Pfarrer Christoph Suter wird nach 19 Jahren in Brugg pensioniert.

Pfarrer Christoph Suter wird nach 19 Jahren in Brugg pensioniert.

Pfarrer Christoph Suter blickt heute auf fast zwei Jahrzehnte in der reformierten Kirchgemeinde zurück. Eine intensive Zeit, in der er nicht nur Krippenspiele selbst schrieb, sondern sich auch ehrenamtlich einsetzte. Nun geht er Ende Juli in den Ruhestand.

«Dankbar gespannt»: So umschreibt Pfarrer Christoph Suter seine Befindlichkeit angesichts des bevorstehenden Ruhestands. «Ich bin wirklich dankbar, wenn ich auf die 19 Jahre zurückblicke, in denen vieles gelungen ist», stellt er fest. «Ich komme gerade von einem Taufbesuch. Ich kenne die Eltern des Kindes, und ich kannte die Grosseltern. In all den Jahren sind viele persönliche Kontakte entstanden. Das ist schön.»

In den 19 Jahren, in denen er in Brugg gewirkt hat, habe sich aber auch vieles verändert, sagt Christoph Suter. «Die reformierte Kirchgemeinde ist um beinahe einen Drittel kleiner geworden. Hauptgründe sind aber nicht, wie vermutet werden könnte, die Kirchenaustritte.» Die Reformierte Kirchgemeinde Brugg weist überdurchschnittlich viele ältere Gemeindeglieder auf. Jährlich gibt es zwischen 40 und 50 Beerdigungen, aber nur 10 bis 15 Taufen. «Erstaunlicherweise hat aber das Leben in der Kirchgemeinde nicht abgenommen», so Suter. «Die Gottesdienstbesuche sind so gut wie eh und je.» Das Zusammenleben in der Kirchgemeinde werde intensiver. Und es scheine, dass es auch ein Stück weit verbindlicher wird. «Über die Zukunft der Kirche wird ja oft gejammert. Ich bin da aber getrost. Das Proprium, das Wesentliche der Kirche, nämlich dafür zu sorgen, dass das Evangelium nicht vergessen geht, das wird bleiben», ist Suter überzeugt.

Theologie statt Chemie

Zur Theologie und zur Seelsorge gekommen ist Christoph Suter, der in Oberentfelden aufgewachsen ist, gewissermassen auf indirektem Weg. «Ich habe eine Primarlehrerausbildung gemacht und drei Jahre unterrichtet», erklärt er. «Ich war dann drauf und dran, Chemie zu studieren, mit dem Ziel Höheres Lehramt.» Er habe aber das Seminar für Kirchenmusik gemacht und dabei stundenlang in der Kirche auf der Orgel geübt. Da spiele man in der Regel geistliche Musik. «Und so bin ich zum Studium der Theologie gekommen», sagt Suter. «Ich musste aber zuvor die alten Sprachen nachholen. Das hat mich nächtelang beschäftigt.»

Schon im Theologiestudium habe er sich gerne mit der Kirchen- und der Dogmengeschichte befasst, sagt Christoph Suter und gibt zu bedenken: «Wenn man nicht weiss, woher man kommt, weiss man nicht, wo man sich befindet, und man weiss nicht, wohin man gehen wird.» Alle grossen Geschichten seien längst geschrieben, stellt er fest. Sie müssten aber immer wieder neu durchbuchstabiert werden. Grosse Geschichten gebe es aber nicht nur in der Bibel, sondern in allen Kulturen. «Diesen Geschichten nachzudenken, sie neu zu entdecken und sie – zusammen mit Menschen – mitzuerleben, ist der tiefste Reichtum des Pfarrerberufes. Die grossen Geschichten dürfen nicht vergessen gehen. Wenn mir an der Gesellschaft etwas Sorge bereitet, dann ist es die geistige Verarmung. Statt nachzudenken, wird oft bloss mit Schlagwörtern argumentiert.»

Ende Juli werden Christoph Suter und seine Gattin Pia nach Aarau an die Stockmattstrasse umziehen. «Ja, ich werde Brugg – und vor allem die Menschen, die hier leben – vermissen», sagt er. «Ich habe die Jahre hier als erfreulich erlebt.» Die Zusammenarbeit mit der Kirchenpflege sei stets gut gewesen. «Ich hatte nie das Gefühl, dass sie mich als ihren Angestellten betrachtet. Ich hatte viele Freiräume.»

Die Freiräume genutzt

Christoph Suter hat diese Freiräume genutzt. So unter anderem für die Krippenspiele, die er selber schrieb und für deren Aufführungen er bei den Lehrpersonen der Schulen stets ein gutes Echo gefunden hatte. Im Bereich der Erwachsenenbildung hat er viele Vortragsreihen nicht nur zu biblischen Themen erarbeitet. Auch über seine Aufgaben als Pfarrer hinaus, hat sich Christoph Suter engagiert. So etwa in der Freiwilligengruppe um Peter Menziger, die sich tatkräftig für den Unterhalt des Brugger Ferienhauses – des Salomonstempels – in Hemberg einsetzt. «Jeder hat mitgebracht, was er an beruflichen Erfahrungen auszuweisen hat», sagt er zu diesen Arbeitseinsätzen. «Da brauchte man nicht gross zu diskutieren.»

Und jetzt, im Ruhestand? Bereits im kommenden Winterhalbjahr werde er in der reformierten Kirchgemeinde Lenzburg eine kleine Stellvertretung übernehmen, sagt Christoph Suter zu seinen Zukunftsplänen. «Weil ich gerne Velo fahre, überlege ich mir, ob ich den Tourenleiterkurs bei Pro Senectute machen soll. Ich überlege mir zudem, mich im Projekt Senioren in der Schule zu engagieren. Ich arbeite ja gerne mit Kindern.» Auch die Kontakte zu Brugg dürften wohl nicht abreissen. «Mit dem Velo bin ich – je nach Wind – in 40 bis 50 Minuten in Brugg», meint er jedenfalls und lächelt.

Abschiedsgottesdienst von Pfarrer Christoph Suter, 26. Juni, 10 Uhr, Stadtkirche Brugg.

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