Am liebsten hätte die 19-jährige Bruggerin schon letztes Jahr einen Freiwilligeneinsatz in einem Entwicklungsland geleistet. Doch Caroline Käch stiess erst vor eineinhalb Jahren an der Kantonsschule Wettingen auf eine entsprechende Broschüre der Nichtregierungsorganisation Nouvelle Planète mit Sitz in Lausanne. Da reichte die Zeit nicht mehr für die sechsmonatige Vorbereitung.

Diesen Sommer nun hat es geklappt. Käch konnte mit sieben jungen Schweizern und Schweizerinnen während dreier Wochen im Dorf Kabanga in Uganda – nicht weit vom riesigen Victoriasee entfernt – bei der Renovation und Erweiterung einer Primarschule mithelfen. «Ich reise gerne und interessiere mich für andere Kulturen», sagt die quirlige Frau beim Gespräch mit der AZ zu ihrer Motivation. Im Vorfeld traf sich die Gruppe mehrmals in Bern und wurde seriös auf das Leben und die Arbeit im afrikanischen Land vorbereitet.

1300 Franken hat sie fürs Schulprojekt gesammelt

Neben der Sensibilisierungsarbeit ging es auch darum, hier mit kreativen Aktionen individuell Spenden für das Hilfsprojekt von Nouvelle Planète zu sammeln. Caroline Käch organisierte an der Musikschule Brugg mit kleinen Formationen ein Benefizkonzert. Hier hatte sie während 13 Jahren den Gitarrenunterricht besucht und war Teil des bekannten GuitarSoundOrchestras, das von Jürg Moser geleitet wird. Insgesamt sammelte Käch 1300 Franken für das Schulprojekt in Uganda. Sämtliche Ausgaben für Flug- und Versicherungen zahlten die Teilnehmenden selbst. 

Am 7. Juli hob das Flugzeug Richtung Afrika ab. Von einem Aufpasser sowie zwei Freiwilligen wurden die Jugendlichen – nach einem Zwischenstopp in Äthiopien – in Uganda empfangen. Den Einsatzort erreichten sie nach einer mehrstündigen Autofahrt. Untergebracht wurde die Gruppe aus der Schweiz geschlechtergetrennt in einem der neuen Schulgebäude. Nachts wurde es dort empfindlich kalt. Zwei einheimische Köche waren für die Gruppenverpflegung zuständig. Fliessendes Wasser und Strom gab es nicht. Das Trinkwasser wurde in 35-Liter-Flaschen beschafft. Die Schultoilette bestand aus einem Loch im Boden. Es hatte Fliegen und Kakerlaken. Schüler holten Wasser, damit die Schweizer «duschen» konnten. «Ich liess mir vor der Abreise extra eine Kurzhaar-Frisur machen, damit ich mich einfacher waschen konnte», erzählt Caroline Käch.

An mehreren Tagen halfen die Schweizer mit Mörtel und Steinen, das Fundament für ein neues Schulgebäude zu bauen. Dieses soll danach mit richtigen Fenstern und Licht ausgestattet werden. Daneben lief der normale Primarschulbetrieb in einfach gebauten Unterrichtsräumen. In den Pausen tauschten sich die Schweizer mit den Schülern, die alle Englisch sprachen, aus. Sie spielten zusammen Fussball, Uno oder Netzball und hatten es lustig. , sagt Käch und ergänzt: «Sie schrieben uns in Briefchen, dass sie gerne mit uns nach Europa reisen würden.» Denn die Zukunftsaussichten in Uganda sind düster.

Wer einen Job mit einem Einkommen hat, verdient laut Käch etwa 180 Franken im Monat. Das reicht nirgends hin. Und ohne Geld können die Jugendlichen auch nicht zur Schule oder an die Uni.

Der Freiwilligeneinsatz habe sie stark geprägt, bilanziert Caroline Käch. Sie sei sich bewusst geworden, wie privilegiert die Schweizer leben. «Waschmaschinen und Duschen sind bei uns selbstverständlich.» In Uganda hatten die Schweizer keinen Handy-Empfang. Über eine Solarlampe konnten sie mit etwas Glück das Handy aufladen, um mal ein bisschen Musik zu hören.

Sie durften nur noch mit Begleitung auf die Toilette

Als das Fundament gemauert war, blieb den Schweizern neben der Beschäftigung mit den Kindern auch Zeit für Ausflüge in andere Dörfer. Denn auf dem Baugerüst waren die Schweizer aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen.

Und nachdem eine 14-jährige Schülerin in der Dunkelheit auf der Toilette von fünf Männern vergewaltigt worden war, durften die Schweizer nicht mehr ohne Begleitung auf die Toilette. «Das Mädchen ging am nächsten Tag wieder normal zur Schule. Die Täter wurden nicht gefunden. Das war schon krass», erzählt Käch, die sich während des Einsatzes bestens betreut fühlte und selbst nie Angst hatte. «Sie hätten uns ruhig noch etwas mehr einspannen können», sagt die Bruggerin. So trauten sich die Einheimischen etwa nicht, die Schweizer während eines langen Mittagsschlafs zu wecken.

Die drei Wochen in Afrika gingen schnell vorbei. Im September gibt es zur Verarbeitung der Eindrücke ein Rückkehrer-Treffen. Die Stiftung Nouvelle Planète unterstützt nachhaltige Projekte lokaler Gruppen und fördert die Gleichstellung von Mann und Frau. «Länger in Uganda zu bleiben, wäre sicher auch interessant gewesen», sagt Käch. Doch die 19-Jährige hat sich für ihr Zwischenjahr nach der Matura einiges vorgenommen. Als Nächstes wird sie am Stadtfest Brugg als Helferin mitarbeiten, dann folgt ein sechsmonatiger Sprachaufenthalt in der japanischen Hauptstadt Tokio. Wenn alles klappt, wird sie in einem Jahr mit dem Medizinstudium anfangen.