Remigen

16-jährige Aargauerin auf dem Weg nach oben: Das Ziel ist das Nationalkader für Dressurreiten

Die 15-jährige Dressurreiterin Chiara Savaris aus Remigen beim Training in der Reithalle Lengnau.

Die 16-jährige Dressurreiterin Chiara Savaris aus Remigen beim Training in der Reithalle Lengnau.

Die 16-jährige Chiara Savaris aus Remigen will mit Aragorn den Sprung in das Jugend-Nationalkader der Dressurreiter schaffen. Ihr grosses Vorbild: Christine Stückelberger.

Chiara Savaris aus Remigen teilt sich nicht nur die Initialen mit Christine Stückelberger, der erfolgreichsten Schweizer Dressurreiterin und Olympiasiegerin von Montreal 1976, sondern auch ihre Leidenschaft für den Dressursport. Und sie ist auf dem besten Weg eine würdige Nachfolgerin Stückelbergers zu werden.

Die 16-Jährige ist Mitglied des Kavallerieverein Brugg und im Jugend-Regionalkader des Zentralschweizer Kavallerie- und Pferdesportverbands (ZVK). Als Einzige hat sie 2020 die Aufnahme geschafft. Chiaras Ziel ist es, 2021 in das Jugend-Nationalkader aufgenommen zu werden.

Hinter diesem Erfolg steckt harte Arbeit. Täglich verbringt Chiara rund drei Stunden bei den Pferden – neben der Schule. Sie besucht die erste Klasse der WMS in Baden. Zwar hätte sie den Notendurchschnitt für die Kanti gehabt, um mehr Zeit für die Pferde und ihren Sport zu haben, entschloss sie sich aber dazu, die Wirtschaftsmittelschule zu wählen. «Die Schule darf trotzdem nicht zu kurz kommen und hat absolute Priorität», versichert Mutter Alexandra Savaris. Vor wichtigen Prüfungen wird entsprechend auch einmal einen Tag auf den Besuch im Stall verzichtet. Dann bewegen Mutter Alexandra oder Schwester Christina die Pferde.

Ihre Schulkollegen zeigen Verständnis dafür, dass Chiara mit ihrem Hobby stark angebunden ist und selten Zeit zum Abmachen hat. «Sie finden cool, was ich mache», sagt Chiara.

Die Deutsche Dorothea Cieslak betreut und trainiert Chiara nun seit zwei Jahren und fährt dafür zwei Mal pro Woche aus dem thurgauischen Pfyn in den Reitstall Frauchiger nach Lengnau, wo Savaris Pferde eingestallt sind. Nebst dem täglichen Reiten macht Chiara zusätzlich zwei bis drei Mal Fitness pro Woche. Zudem achtet sie auf ihre Ernährung und besucht einmal monatlich einen Mentalcoach in Biel.

Die Savaris sind eine Pferdefamilie

Zusammen mit ihrer Mutter Alexandra und ihrer jüngeren Schwester Christina, die im Springsport aktiv ist, bestimmen die Pferdemädels den Kurs der Familie Savaris. Vater René, Inhaber eines Heiztechnik-Unternehmens in Brugg, ist kein «Rösseler», steht aber hinter der Leidenschaft seiner Frau und Töchter. Das muss er auch, denn einen Sponsor hat Chiara bislang nicht. Die Eltern finanzieren den Unterhalt der Pferde und die Reitstunden ihrer Töchter. Lediglich der ZKV beteiligt sich mit einem Förderbeitrag an der reiterlichen Ausbildung Chiaras.

Zu ihren Vorbildern zählt Chiara – nebst ihrer Trainerin und ihrer Mutter – unter anderem die Dressurreiterinnen Catherine Dufour (DK) und Charlotte Dujardin (GB) sowie Ingrid Klimke (DE), die auch im Spring- und im Vielseitigkeitssport erfolgreich ist. «Ich finde die Abwechslung schön, die sie ihren Pferden bietet», sagt Chiara. Auch ihre Pferde haben einen abwechslungsreichen Stundenplan. Nebst Weide im Sommer oder Sandplatz im Winter, wechseln sich Trainings in der Reithalle, Ausritte im Gelände, Arbeit an der Longe, und Bewegung in der Führmaschine ab.

Ein kleiner brauner Wallach brachte Chiara zur Dressur

Duke of CH heisst der Schweizer Warmblut-Wallach, der Chiara überhaupt erst zum Dressursport gebracht hat. Der kleine Braune war zuvor im Spring- und Military-Bereich unterwegs, bis er vor fünf Jahren zur Familie Savaris kam. Auch Chiara startete anfänglich mit ihm an Springturnieren, merkte aber mit zunehmender Höhe, dass der Respekt davor zu gross wurde. So konzentrierte sie sich auf Dressuraufgaben und stellte fest, dass der vielseitig ausgebildete Duke ihr viel beibringen konnte.

Aber auch Chiara konnte den Wallach weiter dressurmässig fördern und ihm letztlich Lektionen der Schweren Klasse beibringen. Mit Duke schaffte sie dann auch den Einzug in das Regionalkader. «Er ist mein Seelenpferd», sagt Chiara. «Sein freches Gesicht kann mir jeden Tag versüssen.» Infolge eines Griffelbeinbruchs ist Duke derzeit nicht reitbar. Nach erfolgreicher Operation befindet er sich in Rehabilitation und darf nur leicht bewegt werden. «Er ist ein Kämpfer», sagt Chiara. In das ganz grosse Viereck wird er jedoch nicht mehr zurückkehren. Mutter Alexandra hofft aber, dass der 19-jährige Wallach nach Ausheilung noch an kleineren Prüfungen eingesetzt werden kann.

Der Ausfall Dukes hatte auf Chiaras Turnierplan Auswirkungen. Das erste Turnier der Saison im Februar musste sie ausfallen lassen. Ein Nachfolger ist indes bereits gefunden: Seit knapp zwei Wochen steht der 12-jährige Trakehner-Wallach Aragorn im Stall in Lengnau. Er stammt aus Luxemburg und wurde durch Kontakte von Chiaras Trainerin vermittelt. «Ein gut ausgebildetes Dressurpferd zu finden ist nicht einfach», sagt Dorothea Cieslak.

Der erste Start mit Aragorn ist Anfang April geplant

Chiara probierte fünf Pferde in Deutschland aus, um letztlich Aragorn im Nachbarland zu finden. Die Chemie stimmte sofort zwischen den beiden. «Bereits nach dem ersten Probereiten folgte er Chiara auf Schritt und Tritt», sagt Alexandra Savaris strahlend.

Auch unter dem Sattel zeigt er sich vielversprechend. Zwar noch etwas schüchtern in der neuen Umgebung, lässt er in der Reithalle bereits sein Potenzial durchblicken. «Ich bin begeistert von ihm. Er macht einen super Job», sagt Chiara.

Anfang April bestreiten die beiden anlässlich der Dressurtage in Hitzkirch ihr erstes gemeinsames Turnier. «Turniere sind immer ein Highlight», schwärmt Chiara. «Aber auch ein gutes Training, bei dem ich wieder ein Stück mehr mit meinem Pferd zusammenwachse, ist wunderbar.» Sportlich möchte Chiara denn auch immer besser werden und nächstes Jahr bereits in Prüfungen der Schweren Klasse starten. Auch internationale Starts möchte sie längerfristig verbuchen. «Olympia wäre ein Traum, aber ich will realistisch bleiben.»

Nach Abschluss der Schule möchte Chiara Jura studieren. Eine Karriere als reine Berufsreiterin kann sie sich derzeit nicht vorstellen. «Pferde werden aber immer ein wichtiger Teil meines Lebens sein.»

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