Bezirk Brugg
14 von 26 Gemeinden im Bezirk Brugg haben einen Gemeindeweibel

Über die Hälfte aller Gemeinden im Bezirk Brugg schätzen die flexible Einsatzbereitschaft der Weibel. Eine Umfrage zeigt: 14 von 26 Gemeinden besitzen einen Weibel. In Mülligen flogen sogar fünf Bewerbungen auf eine Stellenausschreibung ein.

Claudia Meier
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Gemeinden mit Weibel im Bezirk Brugg

Gemeinden mit Weibel im Bezirk Brugg

Auf die jüngste Stellenausschreibung für einen Gemeindeweibel (siehe Box) sind in Mülligen fünf Bewerbungen eingegangen. Der Gemeinderat hat sich für eine Weibelin entschieden. Eine Umfrage bei allen Gemeinden im Bezirk Brugg macht deutlich, dass 14 von 26 Gemeinden noch immer einen Gemeindeweibel haben (siehe Karte).

Dienste zum Wohl der Bevölkerung

Der Gemeindeweibel verteilt im Auftrag der Verwaltung die Wahl- und Abstimmungsunterlagen, die Einladungen für die Gemeindeversammlung und/oder die amtlichen Mitteilungsblätter. Im Eigenamt wird auch das Brötliexamen-Brot für Senioren vom Weibel ausgetragen. In der Gemeinde Lupfig übt ein Ehepaar dieses Amt aus. In der Gemeinde Birr ist es der ehemalige Postbeamte. Die Weibelin in Schinznach-Dorf verpackt auch das Abstimmungsmaterial selber. Eine ganz besondere Ehre steht dem Weibel in Mandach zu: Ernst Keller - im Dorf bekannt als Peschi - ruft am Silvester jeweils das neue Jahr aus. Verwaltungsleiterin Nelly Schwarz aus Rüfenach schätzt an diesem Dienst, dass es manchmal wichtige Rückmeldungen gibt. (CM)

Eine von ihnen – vermutlich die amtsälteste im Bezirk – ist Ruth Küffer aus Scherz: Seit bald 29 Jahren übt sie dieses Amt gewissenhaft und speditiv aus. Die gebürtige Scherzerin wollte 1984 – nachdem sie 12 Jahre in Brugg gelebt hatte – mit ihrer Familie zurück aufs Land.

«Ich meldete mich für diese Stelle, weil ich Scherz gut kenne. Die Arbeit konnte ich gut erledigen während dem die beiden Kinder in der Schule waren», sagt Küffer am langen Tisch im Sitzungszimmer der Gemeindeverwaltung. Seit ihrem Amtsantritt ist die Einwohnerzahl in Scherz von gut 400 auf 640 gestiegen.

Botengänge in Scherz zu machen, ist ziemlich anspruchsvoll: Die Häuser sind nämlich nicht fortlaufend nummeriert: Neben der Nummer 212 ist die Nummer 130. Deshalb steckt Küffer die Stimmkarten immer persönlich – in der für ihre Tour richtigen Reihenfolge – in die Couverts bevor diese dann von Dritten mit dem Informationsmaterial bestückt werden. Wenn nicht gerade Hudelwetter herrscht, ist Küffer mit dem Velo im Einsatz, um die weit über 300 Briefkästen zu füttern. «Für mich ist das Austragen eine Art Fitness», sagt sie und lacht.

Brot anstelle von Papier

Vor etwa vier Jahren musste in der Gemeinde Scherz einmal kurzfristig das Wasser abgestellt und die Bevölkerung möglichst schnell darüber informiert werden. Küffer war zur Stelle und machte sich mit dem Velo sofort auf den Weg. «Seither verteile ich auch das amtliche Mitteilungsblatt. Dafür bekomme ich einen fixen Betrag. Für die anderen Touren werde ich im Stundenlohn bezahlt», so die 64-Jährige.

In ganz grosser Mission unterwegs ist Küffer jeweils am Samstag vor dem Brötliexamen. Dann bringt sie allen über 65-Jährigen ein 750 Gramm schweres Brot. Insgesamt verteilt sie – wohlverstanden mit dem Auto – über hundert Brote. «Ich läute bei allen und manchmal reicht die Zeit für einen kurzen Schwatz», erzählt die Weibelin stolz. Es käme ihr niemals in den Sinn, während des Brötliexamens in die Ferien zu fahren, so Küffer.

Anfang Jahr bekommt sie jeweils einen Terminplan, mit allen bekannten Daten für die Botengänge. Ruth Küffer ist nach 29 Jahren noch nicht amtsmüde: «Ich habe es in all den Jahren sehr genau genommen und mache diese Arbeit gerne nochmals vier Jahre, falls mich der Gemeinderat wieder für die nächste Amtsperiode wählt.»

Zwei Weibel in Habsburg

Die 400-Seelen-Gemeinde Habsburg hat sogar zwei Gemeindeweibel. Rolf Züllig verteilt das Abstimmungsmaterial und ist auch für das Wasserzähler-Ablesen verantwortlich. «Er kennt das Dorf wie seine eigene Westentasche», so Fabienne Häfeli, Leiterin der Gemeindekanzlei. Für die Verteilung der Dorfzeitung «Habsburg Info» habe die Gemeinde einen separaten Weibel. Aktuell bekleide Schüler Ramon Schmid dieses Amt, teilt Häfeli mit.

Einige Gemeinden gaben an, dass sie früher einen Weibel hatten. «Aus Kostengründen wird in Villigen auf den Gemeindeweibel verzichtet. Die Qualität der Postzustellung wird leider immer schlechter, jedoch teurer. Man muss sich bald überlegen, diesen Dienst wieder einzuführen», so Gemeindeschreiber Markus Vogt. Konkrete Pläne gebe es im Moment nicht.