Hausen
14 Millionen Franken und ein Zentrum für die Generationen

Die Gemeindeversammlung genehmigte Mehrzweckhalle – Stromkonzession wurde indes abgelehnt.

Dieter Minder
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Gemeindeschreiber Christian Wernli (r.) wurde verabschiedet. Er erhielt, überreicht von Vizeammann Roger Eichenberger, einen Werkzeugkasten.

Gemeindeschreiber Christian Wernli (r.) wurde verabschiedet. Er erhielt, überreicht von Vizeammann Roger Eichenberger, einen Werkzeugkasten.

Dieter Minder

«Wir haben alle Projekte angenommen, damit erhält Hausen ein schönes Zentrum», sagte Gemeindeammann Eugen Bless um 21.50 Uhr. Soeben hatte die Gemeindeversammlung dem Bauvorhaben Mehrzweckhalle für insgesamt 13,895 Millionen Franken zugestimmt (siehe Box ganz unten).

Um zu dokumentieren, dass der ganze Gemeinderat hinter dem Vorhaben steht, stellte jedes Mitglied ein Teilprojekt vor. Neben der Doppelturnhalle mit Mehrzwecknutzung sind dies die Optionen für die Erdsondenheizung, den Gemeindesaal, die Photovoltaikanlage und das Untergeschoss des Werkhofs. Daniel Meyer, Leiter Finanzen, zeigte mit dem überarbeiteten Finanzplan, welche finanziellen Konsequenzen das Projekt hat. Die Anlage soll auf 35 Jahre abgeschrieben werden, was, inklusive Unterhalt, zu jährlichen Kosten von rund 737 000 Franken führen wird. Deshalb dürfte der Steuerfuss ab 2018 rund 99 Prozent betragen und die Pro-Kopf-Verschuldung 2019 auf rund 3800 Franken ansteigen, um ab 2021 wieder zu sinken.

In der Diskussion wurde von verschiedenen Personen die Frage aufgeworfen, ob sich Hausen das Projekt leisten könne. Ein Redner zog seinen Rückweisungsantrag zurück, weil er nicht in der Lage war, diesen zu formulieren. Ein anderer stellte einen Rückweisungsantrag mit der Forderung, statt einer Doppelturnhalle eine Eineinhalbturnhalle zu projektieren. Als er damit einige Lacher aus der Versammlung erntete, zeigte er sich äusserst ungehalten. In der Abstimmung unterlag sein Rückweisungsantrag mit nur 3 Ja-Stimmen gegen eine grosse Mehrheit.

Finanzplan ist eine Prognose

Ein anderer Votant wollte die im Finanzplan vorgestellte Steuererhöhung zurückweisen. Dies war aber unmöglich, da der Finanzplan lediglich eine Prognose beziehungsweise ein Planungsinstrument des Gemeinderats ist. Ein weiter Votant bedauerte, dass für die Mehrzweckhalle wieder ein altes Bauernhaus geopfert werde.

Gemeindeammann Bless gab zu bedenken, dass das Projekt für die nächsten 50 Jahre genügen müsse: «Wir sollten an die Zukunft denken». Hausen werde weiter wachsen, weshalb auch ein grösserer Gemeindesaal notwendig sei. Die heutige Mehrzweckhalle, mit maximal 300 Plätzen, stösst immer wieder an ihre Kapazitätsgrenze. Darauf wies unter anderen Schulpflegepräsident Stefano Potenza hin.

Stimmberechtigte schielen nach Gewinnbeteiligung

Den Strom beziehen die Hausemer von den Industriellen Betrieben Brugg (IBB Strom AG). Das wird weiterhin so bleiben, doch bis auf weiteres gilt der bisherige Konzessionsvertrag. Mit sehr grossem Mehr hat die Gemeindeversammlung den neuen Konzessionsvertrag zurückgewiesen. Sie folgte damit einem Antrag aus der Versammlung.

Die Redner zeigten sich zufrieden mit den Leistungen der IBB, kritisierten aber vor allem die mit 20 Jahren lange Vertragsdauer. «Im Hinblick auf den sich stark wandelnden Strommarkt ist die Vertragszeit auf 5 Jahre zu beschränken», forderte ein Redner. Ein weiterer befürchtete, dass die Stadt Brugg die IBB verkaufen könnte, ohne dass Hausen ein Mitspracherecht hätte: «Dann könnte unser Stromnetz den Chinesen gehören.» Kritisiert wurde auch, dass die Stadt Brugg als Aktionärin am Gewinn der IBB beteiligt sei, während Hausen leer ausgehe: «Wir erhalten lediglich die Konzessionsabgabe.» Die Gemeinde werde nun mit den IBB in neue Verhandlungen treten und damit die Vorbehalte der Versammlung berücksichtigen, teilte Gemeindeammann Eugen Bless nach der Abstimmung mit.
Mit sehr grossem Mehr wurde neun Personen das Bürgerrecht der Gemeinde Hausen zugesichert.

Ebenso einstimmig und ohne Diskussion genehmigte die Versammlung die Rechnung 2015. Diese schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 875 000 Franken. Weil die Gemeinde aber nur 984 000 Franken der Nettoinvestition von 3,57 Millionen Franken selber bezahlen konnte, resultiert ein Fehlbetrag von 2,5 Millionen Franken. Gemeinderätin Sabine Rickli wies noch auf die Aktiensteuern hin. Mit einem Anteil von 3 Prozent ist dieser in Hausen sehr gering. «Damit kann uns auch nichts passieren, wenn einmal eine Firma wegzieht», sagte sie. Da lediglich 225 der 2259 Stimmberechtigten gekommen waren, unterliegen die Beschlüsse, ausgenommen die Einbürgerungen, dem fakultativen Referendum. Nach dem geschäftlichen Teil wurde Gemeindeschreiber Christian Wernli verabschiedet. Er verlässt die Gemeinde nach 10 Jahren. Anschliessend teilte Vizeammann Eichenberger mit, dass er auf Ende Jahr aus persönlichen Gründen demissionieren werde. (dm)