az Leserwandern
125 Wanderer waren trockenen Fusses unterwegs wie die Flösser

Die 16.Etappe der az Leserwanderung führte am Montag von Stilli nach Hottwil im Mettauertal. Dabei zeigt sich, dass das Wandern in der Herde lauter Vorteile hat. Man lernt viel, es gibt zu trinken und viele Weggefährten.

Sabine Kuster
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125 Wanderer gehen dem Flösserweg entlang ins Fricktal
16 Bilder
2-Der Leiter Online der az Medien begrüsst die 120 Wanderer
3-Weissweingläser aus Villigen zum Geschenk
4-Der römische Museumsweinberg in Villigen
5-Leserwanderer haben immer Vortritt
6-Aufstieg auf den eisenhaltigen Rotberg
7-Die Kinder fanden versteinerte Schnecken
8-Landschaftsführer Daniel Maurer kennt den Fundplatz für Ammoniten
9-Rast auf dem Rotberg
91-Ausblick ins Limmattal
92-kurzes Nickerchen vor dem Abstieg
93-Die Verbindungstrasse zwischen Hottwil und Mandach wird auch den Kleinen Susten genannt
94-Der Kräutergarten von Maja Stürmer
96-Anstehen für den Apero in Hottwil
95-Rebberg und Winzer in Hottwil
Gemeindeammann Mettauertal Peter Weber

125 Wanderer gehen dem Flösserweg entlang ins Fricktal

Sabine Kuster

Leserwanderer sind kluge Menschen. Sie brüten nicht Abende lang über Wanderkarten, um sich tags darauf doch zu verlaufen. Nein, sie stehen - wie gestern zum Beispiel - um 9 Uhr in Stilli bei Brugg an der Aare: ausgeschlafen und entspannt.

Ja, das Wandern in der Herde hat durchaus Vorteile. Alleine bleibt man nicht lange. Einer erzählt, warum er ein überzeugter Sandalenwanderer sei («man geht sorgfältiger») und dass er schon barfuss über ein Schneefeld gewandert sei. Eine Frau kennt - wie sich herausstellt - ein Fünftel aller jungen Männer in der Schweiz: Sie ist medizinische Assistentin im Rekrutierungszentrum in Windisch, eines von fünf in der ganzen Schweiz.

Vorteile für Herdenwanderer

Ein weiterer Vorteil des Herdenwanderns zeigte sich in Villigen: Ein Schluck Wein aus dem Vindonissa-Museumsweinberg. Dann gibts Nahrung - fürs Gehirn: Die Römer haben, so erzählt Gemeindeammann Jakob Baumann, ihren Wein nicht pur getrunken, sondern mit Wasser verdünnt, mit Honig gesüsst, gewürzt, geräuchert, mit Brombeer- oder Holundersaft gefärbt und gar entsäuert - mit Marmorstaub, Gips oder Kalk. Die Weine in Villigen und am Apéro der Gemeinde Hottwil waren Gott sei Dank der moderneren Art.

So werden die Leserwanderer mit jedem Schritt klüger: Der Landschaftsführer vom Jurapark, Daniel Maurer, weiss überall etwas zu erzählen. Die Wanderer scharen sich um ihn, so wie wohl früher die Primarschüler an seinen Lippen gehangen sind. Den Kindern zeigt er, wo sie Ammoniten finden, auf einer Anhöhe, von der aus Deutschland zu sehen ist, gibts einen Hinweis zur vergangenen und aktuellen Aus- und Einwanderung in der Schweiz.

Das vorgegebene Tempo und Stau vor einer steilen Treppe nehmen die Wanderer in Kauf. Viele sagen, sie seien hier, weil sie Dinge erführen und sähen, die sie sonst nicht entdecken würden. Alleine - als Individual-Wanderer sozusagen - suche man sich spezielle Ziele aus und verpasse das Erstaunliche gleich um die Ecke.

Flösserweg folgt keinem Fluss

Zum Beispiel dies: Der Weg über den Rotberg nach Hottwil (und heute weiter nach Laufenburg) ist der alte Flösserweg. Er folgt keinem Gewässer, sondern ist die Abkürzung, welche die Flösser im 19. Jahrhundert in der Gegenrichtung auf dem Heimweg von Laufenburg nach Stilli genommen haben. Nach dem Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat hätten sich tausende Flosse angesammelt, erzählte Maurer. Bis zu 100 Tonnen Holz wurden pro Ladung flussabwärts transportiert.

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