Brugg
125. Ausgabe der Neujahrsblätter besticht durch Vielfalt und Qualität

Die Neujahrsblätter handeln von der regionalen Geschichte, aber auch von Kultur, Gesellschaft und Archäologie. Zu Adventsbeginn stellte das Verlagshaus Effingerhof AG die neuste Version vor. Unter anderem auch mit einem Referat von Titus J. Meier.

Max Weyermann
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Vernissage der Brugger Neujahrsblätter 2015 am Sonntagabend im Salzhaus.

Vernissage der Brugger Neujahrsblätter 2015 am Sonntagabend im Salzhaus.

Max Weyermann

Die Publikation aus dem Verlagshaus Effingerhof AG ist immer wieder lesenswert, und die jeweils zu Adventsbeginn stattfindende Vorstellung bietet zudem Gelegenheit, sich im Brugger Salzhaus zum gesellschaftlichen Stelldichein einzufinden und sich über die Kultur in der Region zu freuen.

«Das alljährlich erscheinende Neujahrsblatt überrascht immer wieder als Schatzkiste mit reichem Text- und Bildinhalt aus unserer Region», hielt Cédric Kaiser, Geschäftsführer der Effingerhof AG, in seiner Einleitung fest. Er dankte allen in die Produktion involvierten Kräften, von der fünfköpfigen Redaktion mit Peter Belart, Stefan Höchli, Alfred Schaffner, Brigitte Süess und Irene Wegmann über die Autoren bis hin zu den Gestaltern und Druckfachleuten im Effingerhof. Zuvor hatten die Berner Sängerin Gabriela Grossenbacher, bekannt geworden als Viertelfinal-Teilnehmerin des Wettbewerbes «Voice of Switzerland» 2013, und der Aargauer Musiker und Komponist Michael Hammer das rund 200 Köpfe zählende Publikum auf den Anlass eingestimmt.

«Die Berner kommen»

Inhaltsbezogen im Mittelpunkt der Vernissage stand Titus J. Meier mit seinem Referat über die komplexen politischen Verhältnisse in unserer Gegend im 15. Jahrhundert. Der Brugger Historiker nahm konkret Bezug auf seinen im jüngsten Neujahrsblatt enthaltenen Artikel mit dem Titel «Die Berner kommen! Brugg und die Ereignisse von 1415». Er zeigte auf, wie die Habsburger ihren Einfluss in den ehemaligen Stammlanden im westlichen Aargau an die Eidgenossen verloren. Die Brugger kapitulierten am 20. April 1415 und blieben zusammen mit den anderen eroberten Regionen und Kleinstädten bis 1798 unter der Herrschaft der Berner.

Neujahrsblatt-Redaktionsmitglied Alfred Schaffner stellte die insgesamt 19 Beiträge im 125. Jahrgang vor. In der Rubrik «KunstKultur» sind die beiden Windischer Lehrerinnen und Künstlerinnen Jacqueline Weiss und Kathrin Siebenhaar unter dem Titel «je me souviens» mit Camera-obscura-Fotos vertreten.

«Rückkehr» nennt der in Aarau lebende und an der Fachhochschule Nordwestschweiz lehrende Germanist Fridolin Stähli eine an seine Kindheit erinnernde, feinsinnige Geschichte. Literarisch geht es sodann mit nicht weniger fragilen Gedichten des Zürcher Schriftstellers und Forschers und Thilo Krause weiter, die er mit «Schon war es Abend» überschrieben hat. Journalistin Irene Wegmann, Windisch, und Fotograf Michael Jaussi, dokumentieren mit «Ein Sommer im Zeichen des Theaters» die Aufführungen des von Autor und Regisseur Adrian Meyer verfassten Stücks «Hinz und Kunz», das sich um die Geschichte des Windischer Unterdorfes dreht.

Psychiatrische Dienste gewürdigt

Journalist Heinz Haug, Schöftland, zeigt im Artikel «Nano-Gold und Silber-Gelb», weshalb die Königsfelder Kirchenfenster dank modernster Technik und althergebrachtem Handwerk in neuem Licht erstrahlen. Claudia Marek, Journalistin aus Villnachern, würdigt mit «Andere Sichtweisen» die aus mehr als 2500 Werken ehemaliger Patienten bestehende Sammlung der Psychiatrischen Dienste Aargau.

Der Beitrag des Brugger Arztes Fritz Senn ist dem Maler Adolf Stäbli gewidmet, dessen Zitat «Meine Malerei ist Erlebnis, nicht Erfindung» die Überschrift bildet. Der Buchabschnitt «Gesellschaft» ist vorab der Wiederinstandsetzung des Schlosses Wildenstein (Autor Jürg Stüssi-Lauterburg, Historiker,Windisch, Bilder Annabarbara Gysel, Veltheim), Auswanderergeschichten des Stillemer Historikers Max Baumann, dem Berner Einmarsch in den Aargau (Titus J. Meier) sowie der Vergangenheit und Zukunft des Kunzareals in Unterwindisch (Irene Wegmann) gewidmet. Annabarbara Gysel hält Ausblick auf das «Glockenfest 2015» der Reformierten Kirchgemeinde Veltheim-Oberflachs zu Ehren des 600. Geburtstages der beiden ältesten Glocken in der Kirche Veltheim, und Bezirkslehrerin Marie-Louise Reinert, Wettingen, beschreibt den seit 2008 alljährlich in Brugg stattfindenden Schweizerischen Lateintag.

Die letzten verbliebenen Hochstudhäuser von Hausen dokumentiert die Basler Archäologin Cécile Gut, und Journalist Peter Belart stellt den pensionierten Brugger Druckfachmann Paul Bieger vor. Mit der Revitalisierung der Brugger Altstadt befassen sich Architekt und Raumplaner Samuel Flükiger und Verkehrs- und Raumplaner Jürg Dietiker. Elektroingenieur Martin Brügger plädiert für ein gesundes Nebeneinander von Natur und Bevölkerung auch im städtischen Raum.

Die Rückblicke «Der Bezirk Brugg vor 100 Jahren» (Peter Berthele, Untersiggenthal) und Jahreschronik (Barbara und Jürg Stüssi-Lauterburg, Windisch) bilden den Abschluss des rund 150 Seiten zählenden Werkes.