Brugg
111 Franken aus Internet-Betrug angenommen: Mann steht wegen Geldwäscherei vor Gericht

Dieter Minder
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Der Beschuldigte hatte das Inserat auf Facebook gefunden. (Symbolbild)

Der Beschuldigte hatte das Inserat auf Facebook gefunden. (Symbolbild)

Keystone

Ausführlich erklärte Gerichtspräsident Sandro Rossi dem Angeklagten W. Lang (Name geändert), weshalb er freigesprochen wird, der Staat die Kosten übernimmt, Lang aber die Parteikosten selber tragen muss.

Beschuldigt wurde der arbeitslose und ausgesteuerte Lang der Geldwäscherei. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen sowie eine Busse. Der Beschuldigte im Gerichtssaal Brugg schien eher verschüchtert und sprach leise. Er war ohne Anwalt an die Verhandlung gekommen.

Er wollte seine finanzielle Situation verbessern

In die Welt des Geldwaschens geriet Lang Anfang Oktober 2018, als er auf ein Inserat auf Facebook reagierte. Dort suchte jemand eine Person, die ihr mit einem Paysafe-Guthaben helfen könne und dabei etwas verdienen möchte. Lang sah darin eine Möglichkeit, seine finanzielle Situation zu verbessern, und meldete sich bei der unbekannten Person. Der Handel war einfach und Lang führte ihn nach einigem Zögern und einer Rückfrage aus. Er wollte der unbekannten Person helfen, für ihre Tochter in der Türkei mit Paysafe ein Handy zu kaufen.

Kurz darauf wurden seinem Konto 761 Franken überwiesen und er kaufte dafür für 650 Franken Paysafe-Guthaben. Er erhielt den entsprechenden Paysafe-Code und sandte diesen vereinbarungsgemäss der unbekannten Person weiter. Damit war für Lang der Handel abgewickelt. Die 111 Franken Differenz durfte er behalten. Damals sei er um das Geld froh gewesen, sagte er.

Die 111 Franken seien zwar ein hoher Anteil an der Gesamtsumme gewesen, sagte Gerichtspräsident Rossi, verglichen mit Langs Zeitaufwand von 2 bis 3 Stunden allerdings eher wenig. Dies hätte ihn stutzig machen müssen.

Er habe das Geld sofort ausgegeben, weil er kein anderes Geld gehabt habe, sagte der Beschuldigte. Später sagte er, dass ihm erst am Abend nach der Transaktion die Unregelmässigkeit bewusst geworden sei. Er hätte sie verhindert, wenn er damals «besser zwäg» gewesen wäre.

Aufgetischt wurde ihm eine plausible Geschichte

Rossi würdigte im Urteil, dass die unbekannte Person auf Facebook eine plausible Geschichte für den Bedarf des Paysafe-Guthabens aufgetischt habe. Das Bundesgericht habe festgestellt, dass es nicht reiche, wenn es einem etwas «gschmuch» sei, um den Tatbestand des Verbrechens zu erfüllen. Das Gesetz habe eindeutig grössere Geldwäscher-Kaliber im Auge.

Das Gericht sah den Nachweis eines Verbrechens nicht erfüllt, weshalb Lang freigesprochen wurde.