Brugg-Rottweil

100 Jahre verbunden: Es lebe die älteste Städtefreundschaft

Ein prächtiges Geschenk von der Stadt Brugg an ihre Partnerin, die deutsche Stadt Rottweil. ZVG

Ein prächtiges Geschenk von der Stadt Brugg an ihre Partnerin, die deutsche Stadt Rottweil. ZVG

Heute wird der Internationale Tag der Städtepartnerschaften gefeiert. Brugg und Rottweil können dabei auf die wohl älteste Städtefreundschaft im deutschsprachigen Raum anstossen. Sie gibt es seit 10 Jahren.

Den Anfang dazu machte 1913 der Brugger Männerchor Frohsinn, welcher der ehemaligen eidgenössischen Bündnisstadt Rottweil einen Besuch abstattete. Hilfsaktionen nach den beiden Weltkriegen legten den Grundstein für eine Freundschaft, die nicht nur die Ebene der Behörden, sondern auch jene der Vereine und Einzelpersonen umfasst.

1913 waren es 450 Jahre her, seit Rottweil durch ein Bündnis mit der Eidgenossenschaft den Status eines «zugewandten Ortes» erhalten hatte. Die Brugger Sänger wurden mit allen Ehren in Rottweil empfangen und gaben zusammen mit dem Männergesangsverein Rottweil ein Wohltätigkeitskonzert zugunsten der Krankenpflege. Die Brugger verstanden sich auf Anhieb gut mit den «Neckarschweizern».

«Brugger Volksküche» in Rottweil

Ein Jahr darauf kam es zum Gegenbesuch in Brugg. Die ganze Stadt war auf den Beinen und bereitete den Gästen aus dem Norden einen würdigen Empfang. Am Abend gaben beide Chöre ein Konzert, dessen Kollekte für das neu gegründete Bezirksspital sowie das Kinderheim bestimmt war. Als 1923 in Deutschland Hyperinflation herrschte und die Not weite Gesellschaftsschichten ergriffen hatte, führten die Brugger Sänger spontan eine Geldsammlung zugunsten ihrer Rottweiler Sängerkameraden durch. Ernst Laur dachte bereits weiter und Ende Jahr unterbreitete er dem «Frohsinn» den Antrag, dass «in Rottweil eine Volksküche eingerichtet und den Bedürftigen beigestanden werde».

In Brugg bildete sich ein Hilfskomitee mit Vertreterinnen und Vertretern aller grösseren Vereine, und gemeinsam konnten sie innerhalb kurzer Zeit mehr als 10 000 Franken Spendengelder verbuchen, die in Rottweil für den Betrieb einer «Brugger Volksküche» eingesetzt wurden. Zusätzlich ermöglichten die Spenden rund 90 unterernährten Kindern einen mehrwöchigen Kuraufenthalt. Der von mehr als 400 Personen gespendete Betrag entsprach etwas mehr als dem damaligen dreifachen Jahreslohn eines Arbeiters.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland wiederum grosse Not und 1946 wandte sich der Rottweiler Bürgermeister mit einem Hilfegesuch an den Brugger Stadtrat. Obwohl die Stadt zu diesem Zeitpunkt bereits die Tiroler Gemeinde Brixlegg unterstützte, war die Hilfeleistung für die befreundeten Rottweiler selbstverständlich. Stadtschreiber Hans Riniker und Schulpflegerin Gertrud Comte organisierten mithilfe der Schule innerhalb von 18 Monaten drei grosse Spendenaktionen. Während die Geldspenden für die «Brugger Schulspeisung» eingesetzt wurde, waren auch Kleider- und Schuhspenden willkommen. Die Stadt Rottweil bedankte sich mit Christbäumen für die Brugger Hilfe.

Einzigartige Freundschaft

Freundschaftliche Kontakte verbanden von nun an die beiden Stadtbehörden, und gegenseitige Einladungen zu den wichtigsten Anlässen im öffentlichen Stadtkalender vertiefen und pflegen diese bis heute. Bald schon nahmen auch verschiedene Vereine mit dem jeweiligen «Partnerverein» Kontakt auf, sodass die freundschaftlichen Verbindungen nicht nur auf der Ebene der Behörden, sondern auch in der Bevölkerung gepflegt werden. Sowohl in Rottweil wie auch in Brugg weisen Tafeln am Stadteingang und Strassennamen auf die Verbindung hin. Seit dem 75-Jahr-Jubiläum 1988 erinnert am Schwarzen Turm ein Stein aus dem Rottweiler Schwarzen Tor – ebenso ein Stein aus Brugg in Rottweil – an die Städtepartnerschaft. Damit diese einzigartige Städtefreundschaft auch in Zukunft nicht abreisst, muss sie gepflegt werden.

*Titus J. Meier Historiker, lebt in Brugg.

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