Fussball
100 Jahre FC Brugg: Als die Aufstellung angeblich im Wirtshaus ausgejasst wurde

1914 fusionierten die Sportfreunde mit den Young Boys zum FC Brugg. Der feiert am Wochenende seinen 100. Geburtstag. In seiner Geschichte hat er schon zahlreiche Geschichten geschrieben.

Ruedi Burkart
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1914 fusionierten die Sportfreunde Brugg mit YB
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Siegesfeier 1948. Heinrich Gutmann, Fritz Kohler, Ovidio Zanotta, Kurt Kellenberger, Dölf Thille, Göpf Aebi (von links).
Ein Teil des Damenteams im Jahr 1982. Hinten (von links): Pennachhio (Trainer), Perissinotto, Müller, Meier, Brunner, Leutwiler, Sidler; vorne (von links): Jahns, Micco, Schwarz, Pirpamer, Fahrni, Brunetti.
2.-Liga-Meisterschaft im Jahr 2014. Die Brugger in gelben Dresses (Georges Bahnan und Dominic Siegenthaler) beim 2:2 gegen Oftringen.

1914 fusionierten die Sportfreunde Brugg mit YB

zvg/ Otto Lüscher

Wir schreiben das Jahr 1914. In Europa brodelt es nach dem Attentat von Sarajevo, bei dem Erzherzog Franz-Ferdinand getötet wurde. Direkte Folge: Am 28. Juli bricht der Erste Weltkrieg aus. Doch vor 100 Jahren gibt es auch Positives zu vermelden. Der Panama-Kanal wird eröffnet, in Paris kommt der spätere Komiker Louis de Funès zur Welt, der Schweizer Bundespräsident heisst Arthur Hoffmann.

Und in Brugg fusionieren am 8. Mai die «Sportfreunde Brugg» und «Young Boys Brugg» zum Fussball-Club Brugg. Zweck des Zusammenschlusses: «Hebung des Fussballsports und Pflege der guten Kameradschaft sowie geselliger Zusammenkünfte.»

GC-Stühle: So sitzt der FC Brugg seit sieben Jahren

Das Stadion Au wird im Jahr 1970 eröffnet. «Die Fussmärsche der Mannschaften von den Umkleideräumen in Restaurant Casino und jenen in der Schützenmatt-Turnhalle zum Geissenschachen gehörten nun der Vergangenheit an», steht dazu in der Festschrift zu lesen.

37 Jahre später dürfen sich die Brugger laut ihrem damaligen Vize-Präsidenten Werner Schneider gar rühmen, «dass der FC Brugg jetzt in die Super League aufgestiegen ist.» Grund für die Freude: Mittlerweile ist die Infrastruktur auch dank Mitwirkung der Stadt so grosszügig wie jene bei einem Profiverein.

Richtige Super-League-Stimmung kommt im Herbst 2007 im Stadion Au auf. Bevor in Zürich das Hardturmstadion plattgewalzt wird, dürfen sich Schnäppchen- und andere Jäger bedienen und Eckfahnen, Rasenziegel oder auch Schalensitze mit nach Hause nehmen.

Da wollen die Brugger nicht hintenan stehen. «In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurden wir aktiv und holten uns vom Verein und der Stadt Zürich die Bewilligungen für 400 Stühle.» Zuerst gilt diese Bewilligung lediglich für die billigen grünen Schalensitze. Doch die Brugger stellen sich als gewiefte Verhandler heraus. Schliesslich reisen sie mit den teureren orangen Klappstühlen und einem Schmunzeln auf den Lippen wieder zurück in den Aargau.

So weht beim 2.-Liga-Verein seit einigen Jahren ein Hauch von grossen Fussball-Nächten durchs Stadion. «Dies wäre ohne die vielen Vereinsmitglieder und treuen Sponsoren gar nicht möglich gewesen», so Vereinspräsident Miro Barp in seiner Rückschau. (rubu.)

Ein Jahrhundert FC Brugg

So ein Ereignis muss gebührend gefeiert werden, sagten sich die Vereinsverantwortlichen. Und zwar nicht nur mit einem gehörigen Fest – das findet am kommenden Wochenende statt –, auch mit einer entsprechenden Würdigung in Form einer ausführlichen Festschrift. Unter der Leitung von Redaktor Hansruedi Rohr, dem früheren Vereinspräsidenten, trug ein Team Geschichten, Fotos, Belege und anderes zusammen und schuf ein übersichtlich gestaltetes und über 100 Seiten starkes Nachschlagwerk.

Denn die Geschichte des FC Brugg soll erzählt werden. 100 Jahre bieten Dutzende von erwähnenswerten Episoden. Lustigen wie auch zum Nachdenken anregenden. Die Aargauer Zeitung hat im Werk geschmökert.

100 Jahre FC Brugg – das läuft bis Sonntag

Morgen: Finaltag des Aargauer Cups.

Freitag, 30. Mai: Städtliturnier mit Plauschteams aus der Region.

Samstag, 31. Mai: Heimspieltag. Alle Teams des FCB tragen ihr Meisterschaftsspiel im Stadion Au aus.

Höhepunkt: das 2.-Liga-Derby um 18 Uhr gegen Windisch.

Ab 20.15 Uhr Zeltparty mit Musik und DJ bis 2 Uhr morgens. Eintritt gratis.

Sonntag, 1. Juni: Kinderfussballtag.

Im Jahr 1914 gibt es noch kein Klubhaus. Der neu gegründete FC Brugg führt eine einzige Mannschaft. Und: Der Vorstand diktiert die Aufstellung für die Spiele! Im Jahr 1931 scheitert ein Versuch, eine Spielkommission einzusetzen, kläglich. Grund: Der Kommission wird vorgeworfen, die Aufstellungen jeweils im Wirtshaus auszujassen. So schaut halt der Vorstand wieder zum Rechten.

Mit den Jahren wächst der Verein immer mehr. Im Jahr 1948 folgt ein weiterer Meilenstein. Eine Gruppe Italiener wünscht, eine eigene Italiener-Mannschaft zu gründen. Der Vorstand stimmt dem Begehren zu. Aber nur unter der Voraussetzung, «dass die Spieler ihre Mitgliederbeiträge im Voraus bezahlen».

Erst zu Beginn der 1980er-Jahre wird dieses Team mit Bezeichnung CLI vollständig in den FC Brugg integriert. Dann sind auch die Damen im FC Brugg willkommen. Im Jahr 1981 nimmt der Verein erstmals ein Damenteam auf. Auch wenn sich die sportlichen Erfolge in überschaubarem Rahmen halten, die Frauen sind eine Bereicherung für den Klub.

Dank der Fussball-WM 1974 kommt der FC Brugg zum immer noch gültigen Stadionrekord. Folgendes trägt sich zu: Um sich für die Endrunde in Deutschland vorzubereiten, gastiert die australische Nationalmannschaft im Hotel Bären in Birr und trainiert im Brugger Stadion Au. Vor ihrer Abreise, am 6. Juni 1974, testen die «Aussies» in Brugg gegen die Young Boys.

4000 Schaulustige lassen sich dieses Spektakel nicht entgehen. Die Australier geniessen die Brugger Gastfreundschaft so sehr, dass sie den FCB kurzerhand einladen. Und so reist im Januar 1976 eine 23-köpfige Brugger Delegation nach Australien. «Sie schwärmen heute noch von dieser Reise», ist in der Festschrift nachzulesen.

Sportlich hat der FC Brugg bewegte Jahre hinter sich. Die 1. Mannschaft spielt in der Saison 2007/08 noch in der 1. Liga, zwei Jahre später findet man sich in den Niederungen der 3. Liga wieder. Aktuell steht das Team von Trainer Eros Barp in der regionalen 2. Liga im Mittelfeld. Dank des jüngsten 1:0-Siegs in Wettingen ist der Ligaerhalt vor dem abschliessenden Derby gegen Windisch gesichert (siehe auch Kasten).

In all den Jahren ist der FC Brugg zu einer regionalen Grösse gewachsen. Mit aktuell über 550 Mitgliedern, darunter rund 400 Aktive, ist er gar der Mitglieder-stärkste Brugger Verein. Auch eine interessante Zahl: Über 60 Prozent aller FCB-Akteure gehören noch dem Juniorenalter an. Zwar ist mit Miro Barp der Präsident an der Generalversammlung diesen Frühling zurückgetreten, führungslos ist der Verein allerdings keineswegs.

Aktuell amtet ein Dreier-Team mit Christian Arrigoni, Stefano Gortana und Christian Wichmann an der Vereinsspitze. «Wir sind zuversichtlich, dass wir die Vakanz nächstens beheben können», so Barp. Intensive Gespräche mit einer interessierten Person sind bereits geführt worden.

Ebenso wichtig wie talentierte Fussballer sind in einem Verein die Gönner. Und da befinden sich die Brugger wieder in einer beneidenswerten Situation. Im Jahr 1999 zählte die FCB-Gönnervereinigung gerade noch vier Personen, aktuell sorgen sich knapp 160 Personen um das finanzielle Wohl des Vereins. Kurz und gut: Das zweite Jahrhundert des Fussball-Club Brugg kann beginnen!