Brugg-Windisch

100 Franken pro Semester – Studenten stören sich an Materialkosten

Campus Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW Brugg-Windisch. (Archivbild)

Den Studierenden wird ein Beitrag verrechnet für Skripte in Papierform. Die Dozierenden würden aber kaum noch welche verteilen, sondern Digitalversionen anbieten.

Für den 23-jährigen Wirtschaftsstudenten an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) geht die Rechnung einfach nicht auf. Seit er in Brugg-Windisch studiert, zahlt er pro Semester 700 Franken Studiengebühr und 100 Franken Materialkosten.

Erst mit der Zeit hat der junge Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, festgestellt, dass aufgrund der zunehmenden Digitalisierung immer mehr Studierende ihre Skripte digital runterladen und direkt auf dem Notebook bearbeiten. Ausgedruckte Skripte werden von den Dozierenden nur noch vereinzelt abgegeben. Mit anderen Worten: Die Studierenden zahlen die 100 Franken pro Semester und bekommen dafür ziemlich wenig Papier. Über das ganze Bachelorstudium gerechnet, betragen die Materialkosten 600 Franken für Vollzeitstudenten und 800 Franken für Teilzeitstudenten.

Ein Blick ins Archiv dieser Zeitung zeigt, dass der Fachhochschulrat vor zwölf Jahren die Semestergebühren von 700 auf 800 Franken steigern wollte. Doch aus der Studentenschaft regte sich heftiger Widerstand. In der Folge hat sich auch an der Pädagogischen Hochschule FHNW bis heute nichts an den 700 Franken Studiengebühren und an den bisherigen 100 Franken Materialkosten pro Semester geändert.

Keine Materialgebühr für Technik

An der FHNW in Brugg-Windisch sind die drei Hochschulen für Technik, Wirtschaft und Pädagogik vertreten. Werden allen Studierenden die 100 Franken Materialkosten in Rechnung gestellt? Wofür ist dieser Betrag genau gedacht? Warum zahlen Teilzeitstudenten unter dem Strich mehr als Vollzeitstudenten? Hat die FHNW noch nie darüber nachgedacht, im Zeitalter der Digitalisierung diese Materialkosten zu reduzieren? Oder denkt die FHNW grundsätzlich über eine Erhöhung der Semestergebühren nach?

Dominik Lehmann, Leiter Kommunikation FHNW, verweist zuerst auf die Gebührenordnung, wo die Studiengebühren der FHNW einheitlich festgelegt sind und vom Regierungsausschuss der Trägerkantone genehmigt werden. «Die Festlegung von Materialgebühren liegt in der Kompetenz der einzelnen Hochschulen der FHNW, die entsprechenden Hochschulregelungen werden vom Direktionspräsidenten genehmigt», fährt Lehmann fort. Dass die Hochschule für Technik FHNW bei ihren Studierenden keine Materialkosten von 100 Franken pro Semester erhebt und auch noch nie erhoben hat, sagt Lehmann erst beim Nachhaken. Der Grund dafür sei der hohe Digitalisierungsgrad. An der Hochschule für Technik FHNW werde nur sehr selten Papier verteilt. Bei Bedarf können die Studierenden auf eigene Kosten Kopien erstellen

Für Papier und Softwarelizenzen

Mit den Materialgebühren bei der Pädagogischen Hochschule und der Hochschule für Wirtschaft sind laut dem FHNW-Sprecher einerseits die effektiven Materialkosten und andererseits auch Kosten für fachspezifische Softwarelizenzen abgegolten. Ob hier im Zusammenhang mit der zunehmenden Digitalisierung eine Anpassung vorgesehen ist, sagt Lehmann nicht. Nur so viel: «Die Kalkulation der Kosten, die Möglichkeiten zur Reduktion des Materialverbrauchs und die entsprechenden Materialgebühren werden an den Hochschulen regelmässig geprüft.»

An der Hochschule für Wirtschaft finden laut Dominik Lehmann in diesem Sinne regelmässig Gespräche mit den Studierendenvertretungen zu diesem Thema statt. Und an der Pädagogischen Hochschule werde diese Frage im Zusammenhang mit der geplanten Digitalisierungsstrategie zurzeit geprüft. Da die Studien- und Materialgebühren semesterweise erhoben werden, führe dies tatsächlich dazu, dass Studierende, die ihr Studium über längere Zeit absolvieren, diese Gebühren ebenfalls länger entrichten.

Der erwähnte Wirtschaftsstudent kann mit diesen Erklärungen wenig anfangen. Er sagt: «Dass die Hochschule für Technik keine Materialgebühren erhebt, ist mit der Begründung, dass ja auch Softwarelizenzen in den ‹Materialkosten› beinhaltet sind, paradox. Die Technikstudenten werden ja sicherlich teurere Software verwenden als die Wirtschaftsstudenten.» Zudem bezweifelt der 23-Jährige, dass dieses Problem der Studierenden von der FHNW erkannt wurde. Dieser Meinung ist auch ein 27-jähriger Student. «Diese 100 Franken Materialgebühren sind ein Witz», sagt er.

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