Brugg

Vorsorgeauftrag und Beistandschaft: Unsicherheiten aus der Welt schaffen

Vorsorgefragen interessieren besonders Seniorinnen und Senioren, wie sich an der Infoveranstaltung zeigte. (Symbolbild)

Vorsorgefragen interessieren besonders Seniorinnen und Senioren, wie sich an der Infoveranstaltung zeigte. (Symbolbild)

Eine Informationsveranstaltung im Salzhaus klärte über Vorsorgeauftrag und Beistandschaft auf.

Dass die Themen Vorsorgeauftrag, Beistandschaft und Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) viele, vor allem ältere Semester, beschäftigt, zeigte sich am Mittwochnachmittag. Die Pro Senectute hatte zusammen mit den Sozialen Dienstleistungen Region Brugg zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Ziel des Anlasses war es, die Teilnehmer über Vorsorgeauftrag, die Rolle der KESB und die der Beistände aufzuklären. Zahlreiche Interessierte waren ins Salzhaus Brugg geströmt und lauschten den Referaten von Rico Dubois von der Pro Senectute, Chantale Imobersteg (Gerichtspräsidentin Bezirksgerichts Brugg) und Gabriela Oeschger (Geschäftsführerin der Sozialen Dienstleistungen Region Brugg).

Zuerst referierte Rico Dubois über den Vorsorgeauftrag. Er erklärte, dass per 1. Januar 2013 das Kindes- und Erwachsenenschutzrecht in Kraft getreten ist, das mehr Selbstbestimmung für den Fall der Urteilsunfähigkeit vorsieht. Mittels Vorsorgeauftrag können Personen selber bestimmen, wer sie in welchen Belangen vertreten soll, sollten sie ihre Urteilsfähigkeit verlieren. Das kann aufgrund des Alterns, einer Krankheit oder eines Unfalls der Fall sein. Der Vorsorgeauftrag umfasst dabei die drei Bereiche Personensorge, Vermögenssorge und Vertretung im Rechtsverkehr. Für jeden dieser drei Bereiche kann eine andere Person als Vorsorgebeauftragter eingesetzt werden, man kann einer Person aber auch alle Bereiche anvertrauen. Der Vorsorgeauftrag muss, wie die letztwillige Verfügung, von Hand geschrieben oder von einem Notar beglaubigt sein. Wichtig ist, dass man den Vorsorgeauftrag abschliesst, wenn man noch urteilsfähig ist.

Beistände schulden Rechenschaft

Im Anschluss ergriff Gerichtspräsidentin Chantale Imobersteg das Wort. Sie legte die Arbeit der KESB im Hinblick auf den Vorsorgeauftrag dar. Sie erklärte, der Vorsorgeauftrag könne auf dem Bezirksgericht hinterlegt, aber auch zu Hause aufbewahrt werden. Wichtig sei, dass das Gericht im Falle einer Urteilsunfähigkeit Kenntnis vom Vorsorgeauftrag erhalte. Danach prüft das Gericht, ob der Vorsorgeauftrag gültig ist und ob die als Vorsorgebeauftragter eingesetzte Person dazu geeignet ist.

Der Vorsorgebeauftragte kann diese Verpflichtung auch ablehnen. Nimmt er den Vorsorgeauftrag an, erhält er eine Vertretungsurkunde. Damit kann der Vorsorgebeauftragte belegen, welche Berechtigungen er hat. Anschliessend schreitet die KESB nur ein, wenn die Interessen der urteilsunfähigen Person durch den Vorsorgebeauftragten nicht mehr gewahrt werden. Ansonsten sind keine Zustimmungen seitens der KESB nötig. Imobersteg schloss ihr Referat mit der Vorstellung der verschiedenen Arten von Beistandschaften.

An dritter Stelle trat Gabriela Oeschger ans Mikrofon. Sie erläuterte die Rolle eines Beistands, der dann zum Zug kommen kann, wenn kein Vorsorgeauftrag vorhanden ist und eine Person Hilfe, etwa in finanziellen Angelegenheiten, benötigt. «Ein Klient kann wünschen, ob er lieber einen Mann oder eine Frau als Beistand möchte und ob dieser eine Fremdsprache beherrschen soll», erklärte Oeschger. Ab kommendem Januar seien 14 Beistände im Dienst, man könne also fast alle Wünsche berücksichtigen.

Sie erklärte weiter, dass die Beistände unter der Kontrolle der KESB stehen und nicht einfach schalten und walten können, wie es ihnen beliebt. Alle zwei Jahre muss ein Beistand bei der KESB einen Rechenschaftsbericht einreichen. Falls er die Finanzen des Klienten betreut, muss er auch eine detaillierte Abrechnung aller Buchungen einreichen.

«Das gibt manchmal ganz schöne Aktenstapel», so Oeschger. Wichtig bei einer Beistandschaft ist der persönliche Kontakt zwischen Klient und Beistand. Ein Vertrauensverhältnis sei zentral, ein Beistand könne aber nicht jede Woche bei jemandem vorbeigehen.

Kritik an Zustimmung der KESB

Anschliessend wurde die Diskussionsrunde eröffnet. Eine Zuhörerin fragte, warum die KESB einem Vorsorgeauftrag zustimmen müsse, wenn sie doch im Familienrat einstimmig als Vorsorgebeauftragte gewählt worden sei. Gerichtspräsidentin Imobersteg erklärte, das Gesetz schreibe dies so vor. «Die Zustimmung des Gerichts ist keine Schikane.» Es gehe darum, sicherzustellen, das alles so laufe wie sich das die nun urteilsunfähige Person damals gewünscht habe. Es könne nämlich sein, dass eine als Vorsorgebeauftragte gedachte Person selber nicht mehr in der Lage sei, diese Aufgabe zu übernehmen.

Auch die Kosten beschäftigten viele der Anwesenden. Dazu konnte Imobersteg keine konkreten Angaben machen, sagte aber, ein Beistand könne ein Honorar von 500 bis 4000 Franken geltend machen. Verfügt eine verbeiständete Person nicht über genügend Geld, muss sie das Honorar nicht selber bezahlen.

Abgerundet wurde der Nachmittag durch einen ungezwungenen Apéro, bei dem die Referenten sowie verschiedene Berufsbeistände den Teilnehmenden weiter Red und Antwort standen.

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