Ständeratswahl

Bruderer souverän, Egerszegi fällt zurück

Einen Monate vor der Wahl schmiltz der Umfrage-Vorsprung von Christine Egerszegi (FDP) auf Ulrich Giezendanner (SVP). Pascale Bruderer (SP) bleibt souverän an der Spitze des Kandidatenfeldes für die Ständeratswahl. Das zeigt die az-Umfrage.

In kaum einem Kanton sind die Ständeratswahlen im Herbst so spannend wie im Aargau. Dies nicht nur, weil elf Kandidatinnen und Kandidaten um die beiden begehrten Sitze des viertgrössten Kantons kämpfen, sondern auch weil sich zuvorderst ein äusserst spannendes Fernduell zwischen der «Bisherigen» Christine Egerszegi (FDP) und den beiden «Neuen» Ulrich Giezendanner (SVP) und Pascale Bruderer (SP) abspielt.

Aus der ersten, im Juni publizierten Exklusivumfrage der az Aargauer Zeitung gingen überraschend Bruderer und Egerszegi fast gleichauf deutlich als Führende hervor. Ulrich Giezendanner blieb weit hinten, gefolgt von Geri Müller (Grüne) und Kurt Schmid (CVP). Jetzt liegt die neue, im September erhobene Befragung vor. Alle inzwischen offiziell gemeldeten Kandidierenden konnten angegeben werden – auch der «wilde» SVP-Kandidat Lieni Füglistaller.

Bruderer allein an der Spitze

Obwohl sich die Stimmen mit mehr Kandidierenden natürlich stärker verteilen, verliert die in den Medien auf geschickte Weise fast omnipräsente Pascale Bruderer gegenüber der Umfrage im Juni nur 5 Prozent und ist auf Ständeratskurs. Ein für die SP historischer Sieg beginnt sich abzuzeichnen. Christine Egerszegi bleibt an zweiter Position. Allerdings verliert sie 13 Prozentpunkte. Damit verringert sich ihr Abstand auf den trotz Kandidatur Füglistaller praktisch stabilen Ulrich Giezendanner.

Einen Viertel der Nennungen verliert Geri Müller (Grüne). Er bleibt an vierter Stelle, fällt aber deutlich zurück. Noch enttäuschender dürfte der aktuelle Zwischenstand für Kurt Schmid (CVP) sein. Er kommt noch auf 5,6 Prozent und wird von Lieni Füglistaller überholt. Roland Bialek konnte von seinen vier «Duell aktuell»-Auftritten nicht profitieren. Markant zurückgefallen ist auch GLP-Kandidat Peter Schuhmacher.

Gedämpfte und grosse Freude

Spitzenreiterin Pascale Bruderer (SP) ist Politprofi genug, um sich nicht vor dem 23. Oktober in Siegerpose zu stellen: «Ich freue mich natürlich über die grosse Unterstützung, aber Umfrage bleibt Umfrage. Eine Befragung per Telefon und die wirkliche Wahl sind zwei Paar Schuhe», relativiert sie ihren grossen Vorsprung. «Zurücklehnen können wir uns nicht, jetzt kommt die entscheidende Phase, in der es gilt, die Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren», betont Bruderer.

Uneingeschränkt und spontan ist die «grosse Freude» von Ulrich Giezendanner (SVP). Man hört durchs Telefon, wie ihm ein Stein vom Herzen fällt, weil er durch seine Konstanz jetzt näher zum Frauenduo aufgerückt ist: «Jetzt bekomme ich wieder neue Hoffnung, meine Chancen sind wieder intakt», freut sich der SVP-Mann. Blitzartig erkennt er bei der Durchgabe der Zahlen, dass er mit Lieni Füglistallers phänomenal guten Zahlen praktisch gleichauf mit Mitkonkurrentin Christine Egerszegi wäre.

«Vielleicht gibts noch Überraschungen»

Ob aber Füglistaller zu seinen Gunsten verzichten könnte? «Vielleicht gibt es noch Überraschungen, ich habe ein gutes Verhältnis zu ihm», betont Giezendanner, ohne aber noch präziser zu werden. Der «wilde» SVP-Kandidat selber winkt ab und wiederholt seine Theorie, wobei er seinem Nationalratskollegen aus Rothrist doch überhaupt keine Stimmen wegnehme. «Zur Verfügung stehen dem Aargau zwei Ständeratssitze, die Wählenden haben damit die Chance, zwei Personen aus der SVP ihre Stimme zu geben», erklärt Füglistaller im Brustton der Überzeugung.

Gross ist seine Freude und hörbar seine Genugtuung, weil er jetzt auf Anhieb auf den fünften Platz vorgerückt ist und sogar den CVP-Spitzenmann Kurt Schmid hinter sich lässt. Die übrigen Kandidaten lässt er weit hinter sich, worüber sich Füglistaller nach all den Parteiquerelen jetzt doppelt bestätigt sieht. Sein Kommentar: «Ich hoffe, das sei ein Zeichen der Wählerinnen und Wähler, weil ich hinstehe und einen guten politischen Leistungsausweis vorzeigen kann.»

Enttäuschung und Erstaunen

Deutlich zurückgefallen ist der Badener Vizeammann und Grüne Nationalrat Geri Müller, den es aber nicht aus den Socken haut. Zu den neuen Zahlen meint er, «es besteht ein gewisser Abstand von den ersten zwei Frauen zum dritten Kandidaten und noch viel mehr zum Rest». Positiv findet er, dass Pascale Bruderer von der SP den Spitzenplatz belegt. «Ich muss im Endspurt die Kampagne für die Ständeratswahl verstärken», lautet Müllers persönliches Fazit.

Ernüchtert bis konsterniert ist ob der Hiobsbotschaft Kurt Schmid (CVP), seit 25 Jahren Lengnauer Ammann und Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes: «Mich überrascht, dass alle verlieren, aber ich sehe das Resultat nicht als relevant an. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass diese Umfrage mit dem Endresultat identisch ist», zweifelt Schmid. Er ist dennoch optimistisch, «weil ich mit der Medienarbeit in jüngster Zeit sicher noch punkten konnte». Wenig erfreut über die neuen Zahlen ist Ständerätin Christine Egerszegi (Spalte links).

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