Grosser Rat
Bis zu 150'000 Long-Covid-Patienten in der Schweiz zu befürchten?

An der Grossratssitzung wurden diverse Vorstösse rund um die Coronapandemie, den Massnahmen dagegen und gesundheitlichen Langzeitfolgen eingereicht.

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In der Grossratssitzung wurden diverse Vorstösse bezüglich Crorona eingereicht.

In der Grossratssitzung wurden diverse Vorstösse bezüglich Crorona eingereicht.

Sandra Ardizzone / AGR

(mku) An der letzten Grossratssitzung vor den Frühlingsferien wurden mehrere Vorstösse zu Covid-19 eingereicht. Einer stammt von der GLP-Fraktion (Sprecherin Béa Bieber). Viele leiden noch Wochen oder Monate nach der Erkrankung an ihrer Infektion, heisst es im Vorstoss. Long-Covid gebe viele Rätsel auf. Spezialisten sprächen davon, dass es in der Schweiz bis zu 150'000 Long-Covid-Patienten geben könnte, halten die Grünliberalen alarmiert fest.

Von der Regierung wollen sie wissen, ob es im Aargau ein Controlling für Long-Covid gebe und in wie vielen Fällen eine stationäre Rehabilitation verordnet worden sei. Zudem fragen die Grünliberalen, ob deswegen mit einer längerfristigen Belastung des Gesundheitswesens zu rechnen sei. Schliesslich auch, welche Auswirkungen Long-Covid bei Arbeitsausfällen, Krankheitstagen und den Gesundheitskosten habe.

Haben gewisse Bevölkerungsgruppen überproportional häufig Corona?

Lutz Fischer-Lamprecht (EVP, Sprecher), Christian Minder (EVP) und Martin Brügger (SP) wurden auch durch Informationen von Menschen, die im Contact-Tracing, in Spitälern und Schulen arbeiten, auf eine Frage aufmerksam. Nämlich auf die, «ob und wenn ja, warum, manche Bevölkerungsgruppen bei den Infizierten überproportional vertreten sind». Diese Informationen seien für zielgerichtete Prävention wichtig. Zudem hälfen sie, «Vermutungen und Verdächtigungen, wie sie in verschiedenen Medien immer wieder geäussert werden, sachlich einzuordnen und gegebenenfalls zu widerlegen».

Jetzt wollen die drei wissen, welchen Einfluss ökonomische Gründe (Arbeiten, bei denen Personenkontakte trotz Coronamassnahmen unumgänglich sind, enge Wohnverhältnisse) auf das Infektionsgeschehen haben, und welche individuelle und kulturelle. Falls Zahlen zum kulturellen oder sozioökonomischen Hintergrund der Hauptbetroffenen bisher nicht erhoben oder ausgewertet wurden, wollen die drei weiter wissen: Ist die Regierung bereit, solche künftig zu erfassen und für wissenschaftliche Studien bereitzustellen – um die Wirksamkeit von Massnahmen bei zukünftigen Pandemien zu verbessern?

Coronatest und Impfung auch für Sans-Papiers

Mit einem Postulat fordern Lea Schmidmeister (Sprecherin), Jürg Knuchel und Lelia Hunziker (alle SP) den Regierungsrat zur Prüfung auf, welche Massnahmen erforderlich seien, um den gleichberechtigten Zugang aller im Aargau wohnhaften Personen zu Coronatests und Impfungen sicherzustellen. Dabei sei namentlich aufzuzeigen, wie der kosten- und repressionsfreie Zugang für sämtliche Personen auf der Liste der säumigen Prämienzahler sowie für alle Sans-Papiers sichergestellt werde. Nötigenfalls sei ein kosten- und repressionsfreier Zugang für sie unverzüglich zu schaffen.

Zudem soll sichergestellt werden, heisst es weiter, «dass Menschen ohne hausärztliche Betreuung kostengünstig oder kostenfrei zu einem ärztlichen Attest gelangen, um als Hoch- risikopatient oder Hochrisiko- patientin erfasst und prioritär geimpft zu werden, wenn die Kriterien erfüllt sind».

Gibt es im Aargau mehr Kindsmisshandlungen?

Nicole Müller-Boder (SVP) verweist in einer Interpellation auf einen Bericht des Kantons Zürich, wonach Kindsmisshandlungen im Coronajahr um 10 Prozent zugenommen hätten. Das alarmiert sie sehr. Man vermute einen klaren Zusammenhang mit Corona. Von der Regierung will sie wissen, ob es auch hier eine Zunahme der Kindsmisshandlungen gebe? Weiter fragt sie, ob es bei Kindern und Jugendlichen mehr psychische Erkrankungen gebe. Die Grossrätin will ausserdem wissen, ob es wegen der Coronapandemie mehr arbeitslose Lehrabgänger gebe. Schliesslich fragt Müller-Boder auch, ob die Regierung Handlungsbedarf sehe, «um Kindern und Jugendlichen die Situation zu erleichtern und sie zu unterstützen».