Gewässerschutz
Beyeler will beim Gewässerschutz bis Ende März eine Lösung

Durch eine Verdoppelung der Mindestabstände für Neubauten entlang von Fliessgewässern von 4 auf 8 Meter verliert der Aargau eine Menge Bauland. Allerdings steht nun fest, dass kleinere Bäche nicht betroffen sind. Einige Fragezeichen bleiben aber.

Hans Lüthi
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Nach altem Abstand gebaut: Siedlung an der Bünz in Wohlen. aw

Nach altem Abstand gebaut: Siedlung an der Bünz in Wohlen. aw

Aargauer Zeitung

Der vom Bund massiv verschärfte Gewässerschutz wirkt sich auf die Bauzonen an Bächen, Flüssen und Seen aus. Konkret verdoppelt sich der Abstand zu künftigen Neubauten von 4 auf 8 Meter, plus die Breite der Gewässersohle. Aber es tönt heute weniger dramatisch als noch vor einem Monat: «Wir können zumindest eine Teil-Entwarnung geben», freut sich Felicitas Siebert, Leiterin der Abteilung für Baubewilligungen im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU).

Natürliche Gewässer

Das Bundesparlament hat den Gewässerschutz als Gegenvorschlag zur Initiative «Lebendiges Gewässer» verschärft, um die Revitalisierung und Ökologie zu verbessern. Als die Aargauer Regierung die Umsetzung de facto verweigerte, klagten der Aargauische Fischereiverband, Pro Natura, Birdlife und WWF mit Erfolg beim Verwaltungsgericht. Dieses hat den Aargauer Vollzug ausser Kraft gesetzt. Nun gelten bis zur definitiven Klärung das Gewässerschutzgesetz und die Verordnung des Bundes. Die grösseren Abstände müssen auch in der Übergangszeit angewendet werden. (Lü.)

Von den Landflächen, die entlang der vielen Flüsse in den Bauzonen liegen, sind nicht mehr alle betroffen. Gespräche mit dem Bund ergaben diese Klärung: Weniger als 2 Meter breite Bäche sind nicht tangiert, das sind 74 Prozent der Aargauer Gewässer. Die über 15 Meter breiten Flüsse Aare, Limmat, Reuss und Rhein auch nicht, sie entsprechen 8 Prozent der Gewässerlängen.

Probleme an den kleinen Flüssen

Die Sorgen um den Verlust von Bauzonen drehen sich um die kleineren Flüsse, die zwischen 2 und 15 Meter breit sind. Dazu gehören Suhre, Wyna, Bünz und Surb, um nur die bekanntesten zu nennen. Effektiv betroffen von der neuen Verordnung des Bundes sind 90 der 3000 Kilometer Gewässer in 175 Gemeinden. Offen ist die Definition «dicht überbautes Gebiet», denn hier sind weiterhin geringere Abstände möglich. «Die Gemeinden bekommen sicher ausreichend Spielraum», verspricht Siebert. Derzeit sei vieles im Fluss, aber Baudirektor Peter C. Beyeler wolle bis Ende März eine Lösung.

Koordination zwischen Kantonen

Vorbereitete und hängige Standesinitiativen diverser Kantone, der Aargau inbegriffen, streben einen besser umsetzbaren Gewässerschutz an. Das gilt für die Landwirtschaft ebenso wie für die Bauzonen. «Wegen des Begriffs ‹dicht überbaut› sind wir in engem Kontakt mit dem Bund», betont Patrick Rötheli, Leiter der Sektion Gewässernutzung im BVU. Dabei geht es um eine gleiche Behandlung aller Kantone - damit die Braven nicht die Dummen sind. Bei den Gemeinden und Planern lösen die offenen Fragen Unsicherheit aus: «Wir haben viel mehr Anfragen und Beratungen», sagt Patrick Rötheli, der direkt in den Vollzug involviert ist. Für konkrete Antworten ist es in vielen Fällen allerdings noch zu früh.

Gefahr der weiteren Zersiedlung

Der Schutz der Gewässer wird im Aargau nicht bestritten, der Kanton gilt im Gegenteil als Pionier bei der Schaffung neuer Auen. Beim Verlust von viel Bauland befürchten Kanton und Gemeinden jedoch eine weitere Zersiedlung. «Das muss mit dem neuen Raumplanungsgesetz behandelt werden», fordert FDP-Grossrätin Renate Gautschy, Präsidentin der Aargauer Gemeindeammänner-Vereinigung. Für die Bauern ist der drohende Landverlust entlang den Bächen und Flüssen unverändert drastisch.

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