Verhütung

Beliebter als Kondome: «Pille danach» im Aargau so gefragt wie noch nie

Die Pille danach

Die Pille danach

Immer mehr Frauen nutzen das Angebot der Notfallverhütung – die «Pille danach». Oftmals sind die Kundinnen erst 16 Jahre alt. Besonders an Wochenenden ist die Nachfrage bei den Notfall-Apotheken gross. Nun reagiert der Apothekerverband.

Die «Pille danach» erfreut sich wachsender Beliebtheit. Das spüren auch die Aargauer Apotheken. «Sie wird immer öfters verlangt. An Wochenenden noch häufiger als unter der Woche», bestätigt Vreni Weber vom Aargauer Apothekerverband. Betroffen sind vor allem Jugendliche. «Ich schätze, dass rund ein Drittel der Frauen im Alter von 16 oder 17 Jahren sind», sagt Fabian Vaucher, Präsident des Aargauer Apothekerverbandes. Ein weiteres Drittel sei bis zu 20 Jahre alt.

Das bestätigt auch Daniel Aebi, Leiter der Apotheke Husmatt in Baden-Dättwil, die einen 24-Stunden-Notfalldienst führt. Bei der Apotheke gehen an den Wochenenden bis zu acht Mal mehr Pillen über den Ladentisch als an Wochentagen.

In Zürich stehen die Frauen sonntags für die Pille sogar Schlange: «Wir führen am Sonntag eine Warteliste», sagt etwa Bahnhof-Apothekerin Anita Wey gegenüber Radio Top. «Die Frauen werden der Reihe nach bedient. Die Abgabe einer Pille danach dauert etwa 15 Minuten.» So kann es vorkommen, dass Kundinnen über eine Stunde warten müssen.

Anonym und rezeptfrei erhältlich

Der Grund für die Beliebtheit? Leute würden gemäss Apothekerverband die Verhütung zu wenig ernst nehmen - oder schlicht das Verhütungsmittel falsch anwenden. «Für viele Jugendliche ist verhüten vorerst gar kein Thema, bis es dann eben doch wichtig wird», sagt Vaucher. Auch Aebi macht diese Erfahrung immer wieder und ist erstaunt, wie oft «überhaupt nicht» verhütet wird. «Irgendwann schlägt es dann eben ein», gibt er zu bedenken.

Seit neun Jahren kann die «Pille danach» völlig anonym und rezeptfrei gekauft werden. Jedoch gibt die Apotheke die Tablette nicht wie gewöhnliches Schmerzmittel ab. «Die Pille hat sehr viele Hormone und sollte nicht als gewöhnliches Verhütungsmittel verwendet werden», sagt Vaucher. Deshalb müssen die betroffenen Frauen anonym ein Formular ausfüllen. «Es geht etwa darum, herauszufinden, wie es passiert ist oder wie verhütet wurde», so Vaucher weiter.

Flyer für betroffene Frauen

Auf die alarmierende Erkenntnis der wachsenden Beliebtheit reagiert nun der Aargauer Apothekerverband: «Wir haben mit der Beratungsstelle für Familienplanung eine Zusammenarbeit aufgebaut und wollen bald ein Informationsblatt herausgeben», sagt Vaucher. Dieser Flyer soll zukünftig allen Frauen abgegeben werden, die in Aargauer Apotheken nach einer «Pille danach» fragen. Darauf wird kostenlose Hilfe der Beratungsstelle angeboten.

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