Fahrausweisentzug
Bei Junglenkern schaut die Polizei genauer hin

Die Polizei nimmt fehlbaren Autofahrern immer schneller den Führerausweis ab. Gerade bei den Junglenker nimmt sie es besonders genau - zur Abschreckung.

Maja Sommerhalder
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Es kommt ab und zu vor, dass Unfallverursacher den Führerausweis sofort abgeben müssen. az Es kommt ab und zu vor, dass Unfallverursacher den Führerausweis sofort abgeben müssen. az

Es kommt ab und zu vor, dass Unfallverursacher den Führerausweis sofort abgeben müssen. az Es kommt ab und zu vor, dass Unfallverursacher den Führerausweis sofort abgeben müssen. az

Ein Autolenker baut einen Unfall und die Polizei nimmt ihm sofort den Führerausweis ab. Solche Meldungen gab es in den letzten Tagen immer wieder. So schickte die Polizei den Ausweis eines Junglenkers sofort wieder an das Strassenverkehrsamt zurück. Grund: Beim Staffelegg-Zubringer in Küttigen verlor der Junglenker am Dienstag die Herrschaft über sein Auto und prallte gegen ein Brückengeländer. So erging es auch einem 19-Jährigen, der in Würenlingen auf die Gegenfahrbahn geriet und mit einem Lastwagen kollidierte.

Ebenfalls mussten die Autolenker die Führerausweise auf der Stelle abgeben, die vor kurzem in Magden, Frick und Lenzburg Personen auf den Fussgängerstreifen anfuhren. Auch die Frau, die vor drei Tagen in Zuzgen kurz einnickte und in eine Hausmauer prallte, durfte nicht mehr mit dem Auto nach Hause fahren.

Alkohol oder renitentes Verhalten

Es kommt öfter vor, dass die Polizei nach Unfällen den Führerausweis auf der Stelle abnimmt und dem kantonalen Strassenverkehrsamt schickt. «Der Unfall muss aber gewisse Voraussetzungen erfüllen. Natürlich liegt es im Einzahlfall auch im Ermessen der Polizisten», so Bernhard Graser von der Kantonspolizei. Gerade bei Selbstunfällen von Junglenkern, die einen Führerausweis auf Probe haben, schaut man etwas genauer hin: «Man neigt dann eher dazu, die Fahrtauglichkeit nochmals überprüfen zu lassen.» Gründe für einen sofortigen Führerausweisentzug nach Unfällen sind unter anderem:

Wenn der Verursacher offensichtlich angetrunken ist, unter Drogen- oder Medikamenteneinfluss steht.

Wenn er die Verkehrsregeln verletzt oder einen groben Fahrfehler gemacht hat.

Wenn der Verdacht besteht, dass der Lenker gesundheitliche Probleme hat.

Wenn der Lenker einen Unfall mit Todesopfer verursacht hat.

Wenn der Unfalllenker durch renitentes Verhalten oder eine rücksichtslose Fahrweise auffällt.

Strassenverkehrsamt entscheidet

Ob und wie lange der Unfallverursacher nicht fahren darf, entscheidet das Strassenverkehrsamt Aargau, wie Mitarbeiter Matthias Obrecht erklärt: «Unsere Entscheidungsgrundlage ist das Polizeiprotokoll. Teilweise werden dann weitere Abklärungen angeordnet oder es wird auf die Strafuntersuchung gewartet.»

Bei leichten Widerhandlungen wird der fehlbare Lenker verwarnt, bei schwereren kommt es zum Ausweisentzug. Die Länge des Führerausweisentzuges hängt von der Schwere des Vergehens ab, erklärt Matthias Obrecht. «Zudem kommt es auch darauf an, ob es sich um eine Wiederholungstat handelt.»

Der Führerausweisentzug dauert mindestens einen Monat. «Er kann aber auch unbefristet sein. Beispielsweise, wenn der Lenker gesundheitliche, psychische oder Suchtprobleme hat», so Matthias Obrecht. Jedenfalls sind im Aargau Führerausweisentzüge nach Unfällen keine Seltenheit. Im Jahr 2009 waren es 906. Diese Zahl ging aber in den letzten 15 Jahren massiv zurück – 1995 waren es noch 2537.