Wahlen
Bei der FDP soll auch der Nachwuchs Chancen haben

Trotz Verlusten für die FDP in kantonalen Wahlen: Die Jungfreisinnigen lassen sich nicht beirren und lancierten am Samstag mit viel Zuversicht und Enthusiasmus ihre gesamtschweizerische Wahlkampagne in Wildegg.

Tim Honegger
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Diskutierten über Junge in der Politik (v. l.): Nationalrat Christian Wasserfallen (29), Ständerat Raphaël Comte (31), Nationalrat Philipp Müller (58), az-Chefredaktor und Moderator Christian Dorer, Regierungsrätin Karin Keller-Sutter (47), Grossrat Titus Meier (30), Nationalratskandidatin Alexandra Thalhammer (32). Tim Honegger

Diskutierten über Junge in der Politik (v. l.): Nationalrat Christian Wasserfallen (29), Ständerat Raphaël Comte (31), Nationalrat Philipp Müller (58), az-Chefredaktor und Moderator Christian Dorer, Regierungsrätin Karin Keller-Sutter (47), Grossrat Titus Meier (30), Nationalratskandidatin Alexandra Thalhammer (32). Tim Honegger

Dabei erhielten sie Rückendeckung von prominenter Seite: Der Aargauer Nationalrat Philipp Müller und die St.Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter erörterten auf einem Podium die Frage, was junge Politiker besser machen – zusammen mit Jungfreisinnigen: dem jüngsten Ständerat überhaupt, Raphaël Comte (NE), Nationalrat Christian Wasserfallen (BE), Grossrat Titus Meier (AG) und Nationalratskandidatin Alexandra Thalhammer (BE). Mit herausfordernden Fragen leitete az-Chefredaktor Christian Dorer das Gespräch.

Leistungsprinzip statt Altersbonus

Bereits die erste Frage stellte die erfahrenen Politiker auf die Probe: «Sind die Jungen nicht einfach eine nette Dekoration für Ihre Partei?» Unisono kam die Antwort: Der Leistungsausweis übertrumpfe die Karte «jung» bei weitem. Müller: «Es gibt weder einen Altersbonus, noch einen Jung-Malus – bei der FDP gilt das Leistungsprinzip.» Diese Chance nutzte er gleich, um einen Seitenhieb gegen die SVP zu platzieren. «Dort gibt es eine klare Altershierarchie», meint er. Als Dorer einwendete, die Volkspartei habe den jüngsten Präsidenten, entgegnete Müller: «Die Frage ist, wer Chef der Partei ist, nicht, wer Präsident ist!» Amüsiert applaudierte das mehrheitlich junge Publikum. Der 29-jährige Nationalrat Christian Wasserfallen gab dennoch zu verstehen, dass es junge Politiker nicht immer leicht haben. «Ein, zwei Fehler genügen, und man ist weg vom Fenster», mahnte er. Auch Regierungsrätin Karin Keller-Sutter erzählte von ihrem schwierigen Start in der Regierung: «Damals war die Konstellation von jung und weiblich alles andere als vorteilhaft. Ich musste kämpfen, damit ich respektiert und ernst genommen wurde.» Die Erleichterung, dass dies nicht mehr so ist, stand den weiblichen Zuschauerinnen im Gesicht geschrieben.

Vormarsch per Social Media

Die teilweise provokative Art sei ein Plus der Jungen, so der Tenor. «Es braucht mutige Jungpolitiker. So können wir provokative Vorstösse lancieren, um der politischen Stigmatisierung Gegensteuer zu geben», sagte der Neuenburger Ständerat Raphaël Comte. Müller meinte dazu, es gebe auch andere Mittel, um eine Mehrheit zu organisieren. «Das Ziel ist, aus 0,5 Prozent des Nationalrates – also einer Stimme – eine Mehrheit von 51 Prozent aus dem Boden zu stampfen. Da zeigen sich die wahren Fähigkeiten eines Politikers.»

Ebenfalls ein Plus der Jungen: Sie können besser mit Social Media umgehen, also mit Facebook, Twitter und Co. Die jungen Gesprächsteilnehmer schwärmten in den höchsten Tönen davon, wobei die Unsicherheit der älteren zutage trat. «Das Preis-Leistungs-Verhältnis von Facebook ist phänomenal», lobte Alexandra Thalhammer und sprach fast schon abschätzig von der zeit- und kostenintensiven Plakatproduktion.

Kämpferische Jungkandidaten

Dass die Aussichten auf die kommenden Nationalratswahlen alles andere als rosig sind, dessen sind sich die 15 Aargauer Kandidaten bewusst. Trotzdem geben sie sich kämpferisch und wollen einigen etablierten Politikern die Sitze streitig machen. «Wer die Hälfte der Zeit im Parlament fehlt, hintergeht das Stimmvolk», sagte Yatin Shah aus Waltenschwil – und spielte damit explizit auf die häufige Absenz von SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner an. Ein Nebenstehender doppelte nach: «Es ist an der Zeit, dass einige alte Politiker Platz für uns Junge machen.»