Jagdverordnung

Bauernverband hält nichts von einer Schonzeit für Rabenkrähen

Krähen können auf Äckern grosse Schäden anrichten.  Toni Widmer

Krähen können auf Äckern grosse Schäden anrichten. Toni Widmer

Aargauer Bauern wehren sich vehement gegen die neue Schutzabsicht aus Bern. Während der Regierungsrat der Vernehmlassung positiv gestimmt ist, halten die Bauern gar nichts von einer Schonzeit für Rabenkrähen.

Der Bund will seine Jagdverordnung anpassen. Er beabsichtigt, den Wildtierschutz durch die Einführung von Wildruhezonen zu stärken und den Kantonen im Falle erheblicher Konflikte einen «pragmatischeren Umgang» mit geschützten Arten, insbesondere Grossraubtieren, zu ermöglichen. Zur Vernehmlassung sind bis 15. Juli auch die Kantone eingeladen.

Die Aargauer Regierung begrüsst in ihrer Stellungnahme die Stossrichtung grundsätzlich. Konflikte zwischen Schutz- und Nutzungsinteressen nähmen bei verschiedenen Wildtierarten zu und erforderten eine Anpassung der Rechtsgrundlagen, hält sie fest. Insgesamt werde der Handlungsspielraum der Kantone erhöht, was «Aarau» freut. Der Kanton nimmt zu diversen Änderungen Stellung. In vier Kästchen (unten auf dieser Seite) und in diesem Artikel greifen wir einige heraus. Dazu äussern sich auch die Vizepräsidentin des Aargauischen Tierschutzvereins, Franziska Herzog, Ralf Bucher (Geschäftsführer des Aargauischen Bauernverbandes) und Otto Merki (Geschäftsführer des Aargauischen Jagdschutzvereins).

Bund: Rabenkrähen gleichstellen

Gerade bei den Bauern besonders viel zu reden gibt die Absicht des Bundes, für Rabenkrähen eine Schonzeit von fünfeinhalb Monaten einzuführen. Dies, um ihnen wie allen anderen Wildtieren eine Schonung hauptsächlich in der Phase der Brut- und Aufzuchtzeit zu geben, also etwa von Mitte Februar bis Ende Juli. Zur Schadenabwehr auf Feldern (z. B. Mais oder Kirschenplantagen) stünden den Kantonen immer noch genügend Möglichkeiten offen, argumentiert der Bund. Das sieht der Aargau ganz anders.

So eine Schonzeit verursache bei der Schadenabwehr grosse Probleme. Denn mit der Neuregelung könnten Krähenschwärme zur Zeit der Schäden (meist im Mai) nicht mehr bejagt werden. Davon wäre der Aargau mit seinen Gemüse- und Maisfeldern stark betroffen. Er verlangt eine Ausnahme für schadenstiftende Schwarmvögel auf landwirtschaftlichen Kulturen.

Den Sinn einer Schonzeit für diese Vögel sieht Otto Merki vom Jagdschutzverein nicht. Sehr deutlich wird Ralf Bucher vom Bauernverband: «Schonzeit für Rabenkrähen? – Das geht gar nicht!» Das sei «falsch verstandene Tierliebe». Ausgerechnet im Mai, wenn Schonzeit sein soll, «richten sie am meisten Schäden an», ärgert er sich. Es gebe genug dieser Vögel in der Schweiz. Die Vogelwarte schätze den Bestand auf 250000. Brutpaar-Schonung wäre für ihn «der äusserste Kompromiss». Man agiere ja nicht bei einzelnen Vögeln, sondern bei Schwärmen.

Tierschützer: Freude ob Schonzeit

Anders sieht dies Franziska Herzog. Sie begrüsst, dass der Tierschutz-Forderung nach einer Schonzeit für die häufigen Rabenvögel Rabenkrähe, Elster und Eichelhäher Gehör geschenkt wurde «und insbesondere dem Muttertier-Schutz bei sämtlichen genannten Arten ein höheres Gewicht beigemessen wird».

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