Landwirtschaft
Bauern wollen keine Gratis- Zweitausbildung

Pro Jahr geben um die 60 Bauern im Aargau ihren Betrieb auf. Der Bund würde den Landwirten eine Umschulung zahlen

Deborah Balmer
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Immer mehr Bauern geben ihre Betriebe auf (Symbolbild)

Immer mehr Bauern geben ihre Betriebe auf (Symbolbild)

Keystone

Was machen eigentlich Bauern, nach dem Leben in der Landwirtschaft? Dann, wenn sie den Hof für immer schliessen müssen. Jörg Amsler, vom Bundesamt für Landwirtschaft (BWL) kennt die
Statistik: Es gibt Bauern, die nach ihrem Leben in der Landwirtschaft Koch, Religionspädagoge, Lokführer oder Krankenpfleger geworden sind. Unterstützt durch den Bund. Nicht selten arbeiten Bauern, die den Betrieb aufgeben mussten, als Agrarkaufmann weiter, eine Art KV im Landwirtschaftssektor. Seit 2004 bietet der Bund betroffenen Landwirten eine Umschulung an. Doch: Gesamtschweizerisch haben das Angebot gerade mal 18 Landwirte angenommen, schreibt die «Berner Zeitung BZ».

Kein einziger Aargauer Bauer hat umgesattelt

Und im im Kanton Aargau? Nicht ein einziger Aargauer Bauer hat in all den Jahren mithilfe des Bundes umgesattelt. Im Vergleich: Im Kanton Bern haben in derselben Zeitspanne sechs Landwirte das Angebot angenommen. Dabei ist es nicht so, dass im Aargau keine Höfe schliessen: «Im Jahr 2000 gab es noch 4265 Bauernhöfe im Kanton - 2009 waren es noch 3747», sagt Roland Hofer, vom Departement Finanz- und Ressourcen.

Um die 60 Höfe oder knapp zwei Prozent schliessen also jährlich im Aargau. Viele Bauern geben den Betrieb auf, weil sie keinen Nachfolger oder Nachfolgerin finden. In vielen Fällen sind aber auch gesundheitliche Probleme im Spiel.
Die Hilfe für ausstiegswillige Bauern ist laut Jörg Amsler eine strukturelle Massnahme: «So haben umliegende Landwirte mehr Land zur Verfügung.» Der Bund würde 6000 Franken pro Jahr an Ausbildungskosten zahlen, schreibt die «Berner Zeitung BZ». Eine Familie mit vier Kindern könne monatlich maximal 4000 Franken beantragen. Bedingungen: Die Person darf nicht älter als 52 sein und muss mindestens noch zehn Jahre arbeiten können.

Für Ralf Bucher vom Bauernverband Aargau ist klar, wieso nur wenige Bauern im Kanton das Angebot nutzen: «Die Bedingungen sind zu hart.» Zwar darf der Hof weiter bewohnt werden, aber das ganze umliegende Land muss verpachtet werden. Speziell den Schweizern sei aber der Landbesitz sehr viel wert: «Man fühlt sich mit dem Boden verbunden und gibt ihn nicht so einfach her.» Zudem sei der Betrag des Bundes nicht besonders hoch. «So ist es sicherlich einfacher, als Bauer einem Nebenerwerb nachzugehen und den Betrieb weiterzuführen», bemerkt Bucher.

Im Aargau hats viele Bauern mit Nebenwerwerb

Bauern mit Nebenerwerb gibt es im Aargau im nationalen Vergleich besonders viele: «Dabei fliessen ja auch die Direktzahlungen weiterhin, sofern der Betrieb nicht zu klein ist», sagt Bucher. Und auch wer den Hof ganz aufgeben müsse, finde meist schnell wieder Arbeit: Da Bauern Allrounder seien, sei es für diese auch nicht schwierig eine neue Arbeit anzunehmen: Nicht selten arbeiten sie als Lastwagenchauffeure, auf dem Bau oder auch im Büro, so Bucher.