Unteres Aaretal

Bau will Stück vom Milliarden-Kuchen

Neben den alten Blöcken ist das neue Kraftwerk auf der Beznau-Insel geplant. Rechts Böttstein, im Hintergrund Zwilag, PSI West und Ost. Foto: Axpo

Neben den alten Blöcken ist das neue Kraftwerk auf der Beznau-Insel geplant. Rechts Böttstein, im Hintergrund Zwilag, PSI West und Ost. Foto: Axpo

Die Axpo und das Paul-Scherrer-Institut (PSI) präsentieren ihre vielen Grossprojekte. Vorerst interessiert sich die Region, primär die Baubranche, wie sie vom riesigen Investitionskuchen ein paar Stücke abschneiden kann.

«Unsere Konstante ist die Veränderung», sagt PSI-Vizedirektor Martin Jermann bei der Präsentation neuer Grossprojekte. Wenn das Forschungsinstitut an der Weltspitze mithalten wolle, müsse es alle zehn Jahre ein neues Grossprojekt lancieren. Dieses Jahr wird die Synchrotron Lichtquelle Schweiz (SLS) im Ufo-Rundbau schon zehnjährig. Der neue Beschleuniger Swissfel bringe einen Quantensprung, der Standort im Würenlinger Unterwald sei wegen der nötigen Ruhe und der Nähe zum PSI zwingend. Das 278 Millionen Franken teure Projekt ist weit fortgeschritten und soll von 2013 bis 2016 gebaut werden. Auf der Villiger Seite ist die High-Tech-Zone mit 3,8 Hektaren im Aufbau, für den Vollausbau rechnen die Planer mit 80 Millionen Franken Investitionen.

Beznau-Insel als Grossbaustelle

Starke Veränderungen prägen auch die Atominsel Beznau: Der Bau beider Kraftwerke bis 1969 und 1971 hat 800 Millionen Franken gekostet, «seither haben wir 1600 Millionen Franken in Beznau investiert». Das erklärt Stephan W. Döhler, Leiter der Axpo Kernenergie, und stellt weitere Grossprojekte vor: Vier riesige Notstromdiesel in zwei grossen Neubauten und die neuen Deckel der Reaktordruckbehälter werden bis 2015 weitere 250 Millionen Franken verschlingen. Danach wird auch das über 100 Jahre alte Wasserkraftwerk abgerissen und völlig neu gebaut. Sechs Milliarden für Beznau 3.

«In meiner Schulzeit zählte die Erde 3,6 Milliarden Menschen, jetzt sind es 6,8 Milliarden. Der CO-Ausstoss ist so hoch wie nie und steigt weiter», betont Döhler. Darum wolle die Axpo auch künftig «sicher, zuverlässig und wirtschaftlich CO-freien Strom produzieren» und habe zusammen mit der BKW die Gesuche um Rahmenbewilligung eingereicht und zwei schlüsselfertige Ersatzkernkraftwerke – so die offizielle Bezeichnung – bereits ausgeschrieben. Gerechnet wird mit Kosten von mindestens 6 Milliarden Franken für Beznau3, die Bauzeit ist für 2017 bis 2023 vorgesehen. Beteiligt an den Partnerwerken sind die Axpo mit 59 Prozent (inklusiv 10,4% BKW), die Alpiq mit 25,5% und BKW mit 15,5%. Die Ausschreibungen müssen nach GATT WTO erfolgen, gültig ist das Aargauer Submissionsdekret.

8,2 Prozent der Arbeitsplätze

Beim Info-Anlass im PSI, organisiert vom Wirtschaftsforum Zurzibiet, stellt Präsident Markus Birchmeier klar, es gehe nicht um politische, sondern um rein wirtschaftliche Fragen. Im Auftrag der KKW-Planerin Resun AG hat die Ecoplan in einer Studie die wirtschaftlichen Folgen eines neuen Atomkraftwerks abgeklärt. Fokussiert wurde dabei auf die engere Region, konkret auf Böttstein, Döttingen, Villigen, Würenlingen, Klingnau und Full-Reuenthal. In diesem Gebiet wohnen 40 Prozent der 535 Beznau-Mitarbeitenden. Mit der «indirekten Wertschöpfung kommen wir auf 591 Vollzeitstellen oder 8,2 Prozent der Arbeitsplätze», erklärt Corinne Mühlebach von der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Zusätzlich 2400 Beschäftigte

Beim Szenario Stilllegung ohne Ersatz gingen die Arbeitsplätze nach den 10 bis 15 Jahren für den Rückbau sukzessive auf null zurück – ohne neue Produktion durch ein nichtnukleares Kraftwerk. Einen enormen Schub brächte vor allem die Bauzeit mit 1 Milliarde Franken Investition pro Jahr. «Im Mittel wären sechs Jahre lang 2000 bis 2400 Personen auf der Baustelle, in Spitzenzeiten bis zu 3000», rechnet Mühlebach. Das ergäbe 30 Prozent mehr Stellen, das neue AKW selber kommt mit nur 400 Stellen aus, trotz doppelter Leistung im Vergleich zu heute. Für die regionale Baubranche rechnet die Studie mit plus 30 Millionen im Jahr, für das Gastgewerbe mit plus 15 Millionen Franken. Bei Verzicht auf Beznau3 – nach einem Nein des Volks – wird ein düsteres Bild gemalt: Abnahme von Wirtschaft und Arbeitsplätzen, höhere Steuern. Ausgeklammert: Fragen wie Minderwert der Häuser, Steuern und Abgeltungen, ebenso Alternativen zum nuklearen Szenario.

Baubranche hofft auf Aufträge

Vorerst interessiert sich die Region, primär die Baubranche, wie sie vom riesigen Investitionskuchen ein paar Stücke abschneiden kann. Chancen bestehen durchaus, aber der Weg ist steinig und erfordert enorme Vorleistungen. Michael Zehnder von der Döttinger Baufirma Birchmeier zeigte, was es brauchte, um beim Totalunternehmer Westinghouse die Aufträge für die Gebäude der Notstromdiesel zu bekommen. «Die Chancen sind vorhanden, aktive Firmen werden gesucht», machte er seiner Branche Hoffnung.

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