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Bärlauch-Lust: Nur der Echte macht kein Bauchweh und ist gesund

Bärlauch bevorzugt hunusreiche, lockere und anhaltend feuchte Böden

Bärlauch bevorzugt hunusreiche, lockere und anhaltend feuchte Böden

Jahrzehnte lang war Bärlauch ein Geheimtipp. Jetzt kommt man im Frühling fast in keinem Laden mehr an ihm vorbei. Die Pflanze ist schmackhaft und gesund - allerdings sollte sie nicht mit der giftigen Herbstzeitlosen verwechselt werden.

Beim Metzger gibts die Bärlauchwurst, beim Bäcker das Bärlauchbrot und auch die Käser haben die mit Zwiebel, Schnittlauch und Knoblauch verwandte Pflanze schon längst entdeckt. Wer etwas auf sich hält, imponiert den Gästen im Frühling mit Bärlauchpesto, Bärlauchöl im Salat und grüner (Bärlauch-)Pasta zum Lammcarré. Und wer von alledem zu zügellos genossen hat, dem hilft Bärlauch beim Kurieren der Magenverstimmung.

Was viele nicht wissen:Die Bärlauch-Lust kann tödlich enden, wenn man die falsche Pflanze isst. Bärlauch sieht dem Maiglöckchen und der Herbstzeitlosen ähnlich. Letztere enthält Colchicin, ein Zellgift, von dem weniger als 1mg pro Kilogramm Körpergewicht tödlich sein kann. Dem Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum sind in den vergangenen 10 Jahren jedes Jahr durchschnittlich 15 bis 16 Unfälle mit Herbstzeitlosen gemeldet worden. Seit 1966 endeten vier Vergiftungen tödlich.

2002: Drei tödliche Vergiftungen in einer Woche

Hugo Kupferschmidt,der Direktor des Toxikologischen Informationszentrums, vermutet gar einen Zusammenhang mit der Wiederentdeckung des Bärlauchs als vielseitig verwendbare Pflanze: «Es gab 1982 einen Todesfall und erst 20 Jahre später den nächsten. 2002 waren es aber gleich drei tödliche Vergiftungen in nur einer Woche.» Das Tox-Zentrum hat diese tragische Serie zum Anlass genommen, die Bevölkerung vermehrt auf die Verwechslungsgefahr von Bärlauch mit den Herbstzeitlosen aufmerksam zu machen. Offensichtlich mit Erfolg.

Seit 2002 ist niemand mehran einer Herbstzeitlosen-Vergiftung gestorben. Es gibt aber jedes Jahr einige Fälle von gefährlichen Verwechslungen: «Im Schnitt sind es 15 bis 35 Anfragen im Zusammenhang mit Bärlauch. Davon können wir jeweils in 2 bis 3 Fällen mit Sicherheit eine Vergiftung mit Herbstzeitlosen diagnostizieren», sagt Kupferschmidt. Das Thema sei komplex, denn auch Bärlauch könne nach zu intensivem Genuss bei empfindlichen Personen Magenprobleme verursachen. Kupferschmidt rät, bei Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen nach dem Genuss von Bärlauchmahlzeiten auf jeden Fall das Toxikologische Informationszentrum über die Notfallnummer 145 zu kontaktieren.

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