Im Gartenrestaurant Baregg scheint die Sonne. Urs Meier sitzt da, vor sich das iPhone und einen Latte Macchiato. Das iPhone vibriert und vibriert. Mal meldet sich FCZ-Sportchef Fredy Bickel, mal ein Nachwuchsspieler und auch der FCZ-Medienchef hat ein Anliegen. Meier entschuldigt sich jedes Mal höflich, spricht dann energische oder auch väterliche Worte in sein Headset und widmet sich anschliessend wieder seinem Gegenüber. Alle wollen etwas von Meier, nur der Latte Macchiato kommt zu kurz. «Ich muss aufpassen, dass ich mit den vielen Spielernamen kein Durcheinander bekomme», sagt Meier, «sonst wirft man mir noch vor, ich sei mit dem Kopf nicht voll bei der Sache.»

Seit dem 9. April ist der bald 51-jährige aus Rütihof ein gefragter Mann. Seit diesem Tag ist Meier nicht mehr bloss U21-Trainer des FCZ, sondern auch interimistischer Cheftrainer der Zürcher Super-League-Equipe. «Ich bin der Einzige im Verein mit einer Uefa-Pro-Lizenz», erklärt Meier seinen Aufstieg. Deshalb wurde er dem (ebenfalls) interimistischen Fischer-Nachfolger Harald Gämperle zur Seite gestellt. «Ich bin da, weil es das Reglement verlangt», ist sich Meier bewusst, «aber ich sage auch meine Meinung.»

Meier als Cheftrainer, Gämperle als Co-Trainer: Diese Konstellation gab es schon einmal. Im Herbst 2003 holte Meier den bei YB entlassenen Ostschweizer zum FC Baden. Einen Lohn erhielt Gämperle beim damaligen Challenge-League-Club nicht, «dafür konnte er sich im Schaufenster präsentieren», sagt Meier. Nur zehn Wochen später lotste Bickel Gämperle zum FCZ. Es begann ein bemerkenswerter Aufstieg. Als Assistent von Lucien Favre wurde Gämperle Schweizer Meister und wechselte dann mit dem Romand zur Hertha nach Berlin, bevor er 2010 wieder zum FCZ zurückkehrte.

Keine Hektik

Meiers Weg war ein anderer. Er widmete sich dem Nationalteam Liechtensteins und trainiert seit 2007 den FCZ-Nachwuchs. Und diesem gehört sein Herz, auch heute noch. «Nachwuchsarbeit ist Knochenarbeit», sagt Meier, «dafür gibts wenig Lorbeeren, aber es sind erfüllte Tage.» Aber auch die Freude über das unverhoffte Super-League-Engagement ist ihm anzumerken. «Das Flair der grossen Bühne hat mir gefehlt, es macht Spass, wieder am Puls zu sein.»

Vom Rummel aus der Ruhe bringen lässt sich der sechsfache Schweizer Meister (fünfmal als Spieler, einmal als Assistent) nicht: «Als 50-Jähriger mit 20 Jahren Trainererfahrung haut mich nichts mehr aus den Socken.» Rückhalt gibt ihm die Familie. Mit Lebenspartnerin Sandra hat er eine Tochter (12), aus erster Ehe einen Sohn (16). Beide spielen Fussball.

Meiers Zeit auf der Super-League-Trainerbank ist befristet. Ende Saison übernimmt Rolf Fringer. Dass Fringer nicht schon früher das Ruder übernommen hat, kann Meier verstehen: «Ich finde es gut, dass er die Zeit nutzt, um sich einen Überblick über den Verein zu verschaffen. Eine Analyse ist Istzustands ist wichtig.» Dafür sind Meiers Tage nun umso hektischer. «Zwei Trainerjobs gleichzeitig geht eigentlich nicht», erklärt er und hofft, dass sich der FCZ für seinen Einsatz erkenntlich zeigt.

Meier blickt auf die Uhr, der nächste Termin wartet. Er bezahlt die Rechnung und irgendwann während des Gesprächs hat er es auch geschafft, seinen Latte Macchiato leer zu trinken.