Baden/Wettingen

Zum Dorfjubiläum: Historisches Museum Baden widmet der Nachbargemeinde drei Fotoshows

975 Jahre lang gibt es die Gemeinde Wettingen. Ihre Geschichte erzählt das Historische Museum Baden nun fotografisch nach. Auch der FC Wettingen ist in Form von einer Selfie-Kabine vertreten. Hier können die Besucher im Wettinger Trikot Weltstars wie Diego Maradona den Ball abluchsen.

Die fotografische Geschichte von Wettingen kann ab sofort im Historischen Museum Baden begutachtet werden. Zu Ehren der 975-Jahrfeier zeigt das Museum mehrere Fotoshows, die visuell nacherzählen, wie es sich im letzten Jahrhundert in Wettingen so gelebt hat.

Das Historische Museum Baden widmet der Nachbargemeinde ein Fotoprojekt, «denn für uns hört Geschichte nicht bei politischen Grenzen auf – wir verstehen uns nicht nur als städtisches, sondern auch als regionales Museum», so Heidi Pechlaner Gut.

Die Bildungsleiterin des Museums hat die Fotoshows gemeinsam mit der Wettinger Historikerin Katja Bianchi Waldis kuratiert. Das Bildmaterial wurde grösstenteils vom Fotoarchiv der Gemeinde Wettingen zur Verfügung gestellt, einige Bilder steuerte das Badener Stadtarchiv bei. Seit Januar haben sich die Historikerinnen dafür durch 3000 Fotos gearbeitet.

«Wettingen hat einen aussergewöhnlich grossen Fotoschatz. Hier wurde bereits früh in grosser Weitsicht das Dorfleben dokumentiert. Daraus könnte man 100 weitere Fotoshows machen», sagt Bianchi Waldis.

Es wurden vorerst allerdings nur drei Fotoshows mit gesamt 141 Bildern, die ihren Weg in den Kinoraum des Museums gefunden haben. Die historischen Fotografien – die Zeitspanne reicht vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1980er Jahre – werden in den Diashows mittels ruhiger bis dynamischer Piano- und Geigenmusik in Szene gesetzt.

Fotoshow mit Stimmfilm-Stimmung

Moderiert werden die Fotoshows nicht, nur durch kommentierte Texteinblendungen findet eine Kontextualisierung statt, die eine historische Einordnung vornimmt. Dadurch kommt zuweilen eine thematisch passende Stummfilm-Stimmung auf, schliesslich sind bis auf wenige Ausnahme die meisten Fotografien schwarzweiss.

Die Fotoshows sind je maximal zehn Minuten lang und geben damit einem breiten Publikum einen sorgfältig kuratierten Einblick in die Geschichte Wettingens. Was nicht heisst, dass Hobby-Historiker nicht auf ihre Kosten kommen, können am Empfang des Museums zu jeder gezeigten Fotografie auf Wunsch tiefergehende Informationen eingeholt werden – zum Beispiel, wann genau das Foto aufgenommen wurde und wen es zeigt.

Thematisch konzentrieren sich die drei Fotoshows auf verschiedene Facetten von Wettingen: Architektur, Gewerbe und Vereinsleben. Die Dokumentation der baulichen Entwicklungen beginnt mit frühen Fotografien des Wettinger Klosters, Luftaufnahmen des Dorfkerns und der Eröffnung des Bahnhofs. Die Show schliesst mit dem Bau der Hochhäuser, mit welchen Architekt Walter Hunziker das Flair amerikanischer Grossstädte sinnierte – man versteht schnell, wie sich Wettingen dadurch zum grössten Dorf des Aargaus entwickelte.

Die weiteren Fotoshows zeigen Arbeit und Freizeit der Menschen, welche Wettingen in dieser Zeit des Booms mit Leben füllten. Die Gewerbe-Fotoshow zeigt die Arbeit in der Spinnerei des Klosters, in den Rebbergen, den Wechsel hin zur Dienstleistungsgesellschaft mit der Eröffnung verschiedenster Läden. Erzählt wird aber auch vom ältesten Wirtshaus der Schweiz, gut besuchten Operetten und einem kurzlebigen FKK-Sonnenbad.

Fussballlegende Diego Maradonna den Ball wegschnappen

Die Entwicklungen von Wettingen als vielfältiger Vereinsstadt werden ebenfalls sorgfältig durchleuchtet. So konnten konfessionelle oder politische Einstellungen schonmal zu Abspaltungen von Musik- und Turnvereinen führen. Der FC Wettingen hat sich sowieso im Historischen Museum verewigt: Als Teil der Dauereinstellung wurde eine weitere Selfie-Kabine integriert, in welcher die Besucher Weltfussballer und SSC-Napoli-Spieler Diego Maradona im UEFA-Cup-Spiel von 1989 den Ball abluchsen dürfen.

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