Baden

Zürcher Firma übernimmt umstrittenes Multibag-Angebot – Chef: «Mit uns kann man reden»

Andreas Schollenberger führt das Angebot des Multibag-Recyclingsacks mit einem eigenen gelben Sack weiter.

Andreas Schollenberger führt das Angebot des Multibag-Recyclingsacks mit einem eigenen gelben Sack weiter.

Der umstrittene Multibag-Sammelsack verschwindet, weil das Unternehmen dahinter das Angebot zurückzieht. Ein Zürcher Unternehmen will in die Bresche springen und den Recyclingsack weiter anbieten. Auch in Baden, wo der Verantwortliche eine klare Meinung dazu hat.

Knall auf Fall hat die Zofinger Firma NTPK AG ihr umstrittenes Angebot mit dem Multibag-
Recyclingsack eingestellt. Den Rückzieher nutzt nun eine andere Firma, um den Kunden dasselbe Angebot zu unterbreiten. Es handelt sich um das Kleinunternehmen Schollenberger Recycling mit Sitz in Zürich.

Kunden haben bereits ein Schreiben erhalten. Die Firma will das Multibag-Angebot weiterführen, mit fast denselben Konditionen. Übrige Multibag-Sammelsäcke können die Kunden noch verwenden. Danach erhalten sie gelbe Schollenberger-Sammelsäcke. Die Kunden können also weiterhin ihre Recycling-Abfälle wie Glas, PET-Flaschen, Kaffeekapseln, Elektroschrott oder Altkleider ungetrennt in den Sammelsack vor die Haustüre stellen.

Schollenberger hat als Subunternehmen für die NTPK AG den Multibag-Sammelsack schon seit rund einem Jahr eingesammelt. «Wie die Multibag-Kunden sind auch wir vor vollendete Tatsachen gestellt worden», sagt Geschäftsinhaber Andreas Schollenberger. Auf Kundenhinweise habe er bei NTPK-Geschäftsführer David Gloor nachgefragt, der ihm die Einstellung kurz und knapp bestätigt habe. Schollenberger geht aber davon aus, dass die offenen Rechnungen beglichen werden.

«Für uns ist das eine gute Chance»

Schollenberger hatte den eigenen Recycling-Sammelsack selbst auch schon im Angebot. Beim Einsammeln der Multibag-Säcke hätten sich Synergien ergeben, so Andreas Schollenberger. Den Service biete er schweizweit an. «Für uns ist das eine gute Chance, Multibag-Kunden zu gewinnen. Wir kennen die Kunden mit ihren Standorten schon – und sie uns auch.» Sein Unternehmen sei ein Zwei-Personen-Betrieb, miete aber Personal nach Bedarf an. Er selbst sei schon seit über 20 Jahren im Entsorgungs- und Recyclingbereich tätig.

Die Stadt Baden befand sich wegen des Multibag-Sammelsacks mit der NTPK AG im Streit. Sie pochte auf ihr Entsorgungsmonopol und fordert die Firma per Einschreiben auf, bis Ende September ihre Sammeltätigkeit einzustellen. «Sollte dieser Aufforderung nicht nachgekommen werden, würden die notwendigen rechtlichen Schritte eingeleitet», schrieb sie der NTPK AG in einem Brief.

Geht das Spielchen nun also von vorne los? Der Zuständige in Baden, Werkhof-Leiter Thomas Stirnemann, sagt: «Das Rechtslage ist klar: Für die Sammeltätigkeit braucht die Firma eine Konzession von der Stadt.» Er befürchtete einen ökologischen Nachteil wegen der Mehrfahrten durch den Abholservice, zudem geringere Einnahmen für die Stadt wegen abgeführter Wertstoffe. Die Stadt sei aber daran, beim Entsorgungsangebot für die Bevölkerung eine Auslegeordnung vorzunehmen. Ein Hauslieferservice sei grundsätzlich denkbar.

«Wir haben uns mit  Gemeinden geeinigt»

«Mit uns kann man reden», sagt Schollenberger. In der Stadt Zürich sei seine Firma als Entsorger registriert und dürfe ihre Tätigkeit offiziell ausführen. «Wir haben uns mit mehreren Gemeinden geeinigt», unterstreicht Schollenberger. Andere würden seine Firma aufgrund der Kleinstmengen an Wertstoffen gewähren lassen und forderten einzig die Angabe der abgeführten Mengen.

Sein Angebot sei ökologisch sinnvoll, kontert der Recyclingunternehmer die Kritik, weil so doch einige Fahrten von Privaten zu den Sammelstellen wegfallen würden. «Wir verdienen dank der Abokosten für den Sammelsack etwas», sagt Schollenberger zum nächsten Kritikpunkt. Die Wertstoffe brächten im Vergleich dazu nur ein Taschengeld. «Beim Alteisen sind das nur 50 Franken pro Tonne. Beim Karton legen wir zurzeit drauf.»

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