Die Nachbildung der Spanischbrötlibahn ist ein Prunkstück der Verkehrsgeschichte und fuhr bei so manchem Volksfest grosse und kleine Passagiere durch Baden. Damit könnte es nun bald vorbei sein. Der Stadtrat will die Bahn für die Strasse, die 1937 für die erste «Grosse Badenfahrt» gebaut wurde, bis Ende 2018 loswerden. Die Gründe: Die Bahn sei zu teuer und zu aufwendig im Betrieb. Ausserdem würden seit 2010 neue Regeln im Personentransport gelten, die den Weiterbetrieb erschweren würden.

Vor 80 Jahren war die Bahn Mittelpunkt – und eigentlicher Anlass – der Badenfahrt. Schliesslich feierte man damals das Jubiläum der «Schweizerischen Nordbahn», die seit 1847 von Baden nach Zürich führt und in die eine Richtung Spanischbrödli, in die andere Richtung Kurgäste transportierte. Die Technische Gesellschaft Baden baute 1937 einen Fordson-Traktor für den Verkehr auf der Strasse um.

Die Karosserie für die Wagen bauten die Badener Firmen Demuth und Bölsterli. Bau und Betrieb kosteten damals 6142 Franken. 2002 hat die Stadt die Bahn vom Badenfahrtkomitee übernommen, 75 000 Franken in die Restaurierung investiert und mit dem Stadtturnverein (STV) einen Vertrag geschlossen. Die Stadt ist seither für die Wartung und die Unterbringung zuständig, der STV für den Betrieb.

«Enttäuschung ist gross»

Hansruedi Hagen, Präsident des STV, sagt zum Stadtratsentscheid: «Die Enttäuschung ist gross, wir sind nicht glücklich darüber.» Dass die Stadt aus Kostengründen die Bahn loswerden und womöglich verschrotten will, sei traurig. Es sei richtig, dass das Strassenverkehrsamt höhere Anforderungen stelle. «Aber wir werden unsere ‹Lokführer› ausbilden lassen, damit sie in Zukunft mit dem entsprechenden Fahrausweis unterwegs sind», sagt Hagen.

Schliesslich sei die Spanischbrötlibahn ein Imageträger der Stadt – und die Badenfahrt gehöre nicht zuletzt zum immateriellen Weltkulturerbe der Unesco. Dazu gehöre auch die Spanischbrötlibahn. Der STV ist jetzt auf der Suche nach einer neuen Einstellhalle und einem neuen Besitzer. Die Stadt würde die Bahn gratis abgeben. Der Stadtturnverein selbst kann die Bahn nicht unterbringen, aber möchte weiterhin für den Betrieb sorgen. Man habe etwa mit den RVBW gesprochen, aber dort fehle es auch an Platz. Hagen schwebten auch die leeren Kavernen im Schlossberg vor, aber das habe die Stadt abgelehnt.

Thomas Stirnemann, Leiter des Werkhofs, hat Verständnis für die Kritik: «Es ist klar, dass Wehmut oder Enttäuschung da ist.» Der STV habe die Bahn immer mit viel Herzblut betrieben. «Aber irgendwann hat alles ein Ablaufdatum», sagt Stirnemann. Genauso, wie man ein Auto warten und irgendwann austauschen müsse, sei auch die Spanischbrötlibahn ans Ende ihrer Laufzeit gelangt. Ausserdem sei die Unterbringung der Bahn, die über zehn Meter lang und etwa dreieinhalb Meter hoch ist, nicht einfach. Zurzeit steht sie in der Halle des Werkhofs und wird von Werkhofmitarbeitern gewartet.

Was für Stirnemann ausschlaggebend war, sei aber vor allem das rückläufige Interesse des Publikums. Die Bahn werde immer seltener vermietet und die Betriebskosten der Bahn würden die Einnahmen um ein Vielfaches übersteigen. Sowohl die Stadtturner als auch Thomas Stirnemann hoffen auf ein versöhnliches Ende. Man wolle sich bewusst ein Jahr Zeit geben, um für die Spanischbrötlibahn eine gute Lösung zu finden, sagt Stirnemann. «Oder um der Bahn einen würdigen Abschied zu ermöglichen.»

Interessenten für die Spanischbrötlibahn können sich bei Hansruedi Hagen, Präsident des Stadtturnvereins, melden: praesident(at)stvbaden.ch oder 079 508 66 54.