Zehn Franken kostet eine Busfahrt von Rütihof nach Baden und retour. «Horrend teuer», findet Ursula Koller. Die Rütihöflerin fühlt sich benachteiligt. Schlechter gestellt als beispielsweise die Wettinger oder die Neuenhofer, die deutlich weniger bezahlen. Der Grund dafür ist einfach: Baden, Wettingen und Neuenhof liegen in derselben Tarifzone, Baden und Rütihof in zwei verschiedenen Zonen. Das will Koller nun angehen. Auf petitio.ch hat sie eine Petition lanciert. Ihr Vorschlag: Die Stadt Baden soll den Rütihöflern die Kosten für die zusätzliche Zone zahlen.

«Die Stadt Baden müsste uns als Steuerzahler doch eigentlich unterstützen», findet die 69-Jährige. Sie könne nicht nachvollziehen, dass innerhalb derselben Gemeinde verschiedene Tarife gelten würden, sagt Koller. Eine Meinung, mit der sie in Rütihof nicht alleine dastehe. «Ich kenne einige im Dorf, die sich an den hohen Billettpreisen stören.»

Als Konsequenz daraus würden viele auf das Auto ausweichen. Was Koller nicht nur aus ökologischer Sicht und aufgrund der momentanen Parkplatzsituation in Baden als «unsinnig» bezeichnet. Denn: «Rütihof ist eigentlich sehr gut an die öffentlichen Verkehrsmittel angeschlossen. Wenn die Billette günstiger wären, bin ich überzeugt, würden auch mehr Leute den Bus nehmen.»

Koller fährt selbst nicht Auto. Auf die öffentlichen Verkehrsmittel ist sie also angewiesen. Auch wenn sie als Rentnerin nicht mehr wie früher täglich zur Arbeit fahre, brauche sie den Bus nach Baden noch oft. Sie sagt: «Jedes Mal zehn Franken dafür zu zahlen, finde ich ungerecht.» Auf ein Zonen- oder Halbtax-Abonnement verzichtet Koller aber. «Auch das muss man zuerst einmal kaufen und ausfahren, bevor es sich wirklich bezahlt macht.»

Stadt greift nicht in die Zonen ein

Bis zum 27. Mai läuft die Petition von Ursula Koller noch. Erreicht sie 200 Unterstützer, ist der Badener Stadtrat der Petitionärin eine Antwort schuldig. In diesem Falle werde man das Anliegen sorgfältig prüfen, sagt Stadtammann Markus Schneider (CVP) auf Anfrage. Wie die Antwort ausfallen werde, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Nur so viel: «In die Tarife sowie die Zonengestaltung kann die Stadt selbst nicht eingreifen.» Das sei vielmehr Aufgabe des zuständigen Tarifverbundes, der A-Welle.

Deren Geschäftsführer Martín Osuna kann den Ärger von Ursula Koller nachvollziehen. Er weist aber darauf hin: «Was oft vergessen geht, ist, dass Zonengrenzen nicht deckungsgleich mit politischen Grenzen sind.» Das bedeutet: Nicht die Gemeindezugehörigkeit entscheidet über die Zoneneinteilung, sondern die Distanz. Dass sich Personen über die Tarifzonen oder hohe Billettpreise beschweren würden, komme immer wieder vor: «Das war schon vor meiner Zeit als Geschäftsführer so und wird auch noch viele Jahre so bleiben.»

Seit 2009 gibt es den Zonenplan der A-Welle in der heutigen Form. Bei der Einteilung gelte es viele unterschiedliche Faktoren abzuwägen, sagt Osuna. Er ist überzeugt, dass dies der A-Welle gelungen ist. «Es gibt immer Gewinner und Verlierer, das ist klar. Doch der Zonenplan ist sehr ausbalanciert, die preislichen Unterschiede zwischen den einzelnen Zonen gering.»

«Keine Veränderungen notwendig»

Dennoch habe es über die Jahre vereinzelt kleinere Anpassungen gegeben. So beispielsweise zwischen Olten und Aarau oder im Raum Aarburg-Oftringen. Änderungen, die notwendig gewesen seien, «weil für gewisse Verbindungen zu viel gezahlt werden musste.» Ein Fall, der auf Rütihof nicht zutreffe, da sich die Preisdifferenzen in kleinem Rahmen halten würden, betont Osuna. Der Geschäftsführer denkt darum nicht, dass die A-Welle bei der Rütihöfler Zone Anpassungen machen werde. Zu nachteilig würde es sich auf andere Gemeinden auswirken: «Wenn man an einer Stellschraube dreht, muss man auch an anderen Stellschrauben drehen.

Die gesamte Zoneneinteilung würde aus meiner Sicht darunter leiden.» Auch Lösungen, bei denen beispielsweise ein Einzelbillett für eine Zone gleich viel kostet wie für zwei Zonen, hält Osuna für wenig erfolgsversprechend. «Solche Billette würden automatisch teurer werden, was denjenigen nicht gefallen wird, die nur drei Haltestellen unterwegs sind. Veränderungen können schnell auf die andere Seite kippen und zu Ungerechtigkeiten führen.» Ungerechtigkeiten, die Osuna im Falle der Rütihöfler als nicht vorhanden betrachtet. «Wenn Leute benachteiligt werden, wäre ich einer der Ersten, die etwas unternehmen würden.»